Pfingsten Geist und Streit

07.06.2019

Manchmal kann es ganz schön schwierig sein, wie der Heilige Geist wirkt. Besonders, wenn es hart auf hart kommt. Vielleicht ist das ja auch bei den derzeitigen innerkirchlichen Auseinandersetzungen und Streitigkeiten der Fall.

Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolken.
Sonnenstrahlen kämpfen sich durch die Wolken. © Christian Knospe - stock.adobe.com

Ranghöchste Kirchenvertreter streiten sich erbittert: Wer gehört zur christlichen Gemeinde und wer nicht. Es geht um die Einhaltung von Vorschriften. Die einen bestehen auf den überlieferten und strikten Regeln, weil man ja sonst das eigene Profil aufgebe. Die anderen sagen, dass das Reich Gottes grundsätzlich sogar für Heiden offen sein müsse. Nein, es handelt sich um keinen Bischofskonflikt unserer Tage. Hier ist vom sogenannten "Antiochenischen Zwischenfall" die Rede, der im Neuen Testament überliefert ist. Paulus stellt dabei Petrus vor aller Augen bloß. Dieser Fels des Glaubens agiert nämlich zwiespältig oder wie ein Politiker. Alles andere als fest, sondern windelweich. Zum einen isst er zusammen mit Heiden, die sich dem neuen Christusglauben anhängen. Kommen aber Juden hinzu, die sich zwar auch zu Christus bekennen, aber die Einhaltung der Speisevorschriften verlangen, kündigt Petrus die Tischgemeinschaft mit den Heiden auf. Denn das jüdische Gesetz verbietet ein solches Zusammentreffen mit ihnen. Die Geschichte ist eindeutig ausgegangen. Paulus hat sich durchgesetzt: Wer Christ ist, muss nicht die jüdischen Regeln einhalten. Und Petrus hat es nach wohl vielen Debatten mitgetragen. Ich glaube, diese biblische Episode hat viel mit dem Heiligen Geist zu tun, den die Kirche zu Pfingsten auf die Gläubigen, auf sich herabruft.

Beweglich und fest zugleich bleiben

Mich beeindruckt dabei am meisten diese Geschichte mit Petrus, der wieder einmal schlecht wegkommt. Aber der große Apostel entwickelt sich. Er bleibt Christus unverbrüchlich verbunden, lernt jedoch ständig dazu, manchmal ziemlich schmerzhaft. Er ist offen für das, was ihm der Heilige Geist rät, der vielleicht manchmal etwas ruppig durch die eigenen Kritiker spricht. Dieser Geist ist vielfältig und sogar widersprüchlich, so wie das Leben. Er fordert dazu auf, Verstand und Entscheidungen beweglich zu halten und immer wieder zu überprüfen. Das ist sozusagen seine rationale Seite. Aber er hat auch eine andere, fast entgegengesetzte, die ins Gefühl und in den Willen geht: nämlich festzubleiben. In dem was man für seine Zeit als richtig erkennt, mit dem Wissen, dass die Geschichte vieles verändern und sogar umstürzen wird. Und unverrückbar und sogar kämpferisch in der Liebe zu Christus zu sein.

Eigene Schwächen erkennen macht stark

Der Heilige Geist flößt sogar Stärke ein, in dem er Menschen die eigene Schwäche erkennen lässt. Petrus hat sehr genau gemerkt, dass er kein theologischer Paradedenker wie Paulus ist. Er hat sich aber auf ihn eingelassen und schließlich sogar für dessen Positionen bei den Skeptikern geworben. Immer mit dem Blick darauf, was die Botschaft des Herrn am besten voranbringen könnte. Und dieser Geist hat es ihm deutlich gemacht, dass er dafür die Gaben anderer be- und ergreifen muss. Petrus hat das mit dem ihm eigenen Feuer getan und ist deshalb für die Geschichte der Christenheit so entscheidend geworden. Darum finde ich die vielen Auseinandersetzungen in der Kirche von heute eigentlich gar nicht so schlimm. Wenn, ja wenn alle für das Wirken des Heiligen Geistes offen bleiben: mit dem Herzen zuhören, mit dem Verstand abwägen und mit dem gemeinsamen Willen gemeinsam voranschreiten. Auch dafür ist der antiochenische Zwischenfall ein gutes Beispiel. Paulus und Petrus haben sich nicht unversöhnlich überworfen, sondern haben die Menschen zum gemeinsamen Ziel, zu Christus gegangen. Mit völlig unterschiedlichen Gaben des Heiligen Geistes. Der eine mit seinem Scharfsinn, der andere mit seiner Begeisterung.

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Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pfingsten

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