Gedenken an Reichspogromnacht vor 75 Jahren Gemeinsam gegen das Vergessen

09.11.2013

Mit Gedenkstunden wird in ganz Deutschland heute an die Opfer der Reichspogromnacht vor 75 Jahren erinnert. Eine Hetzrede von Joseph Goebbels im Alten Rathaus von München gab damals Startsignal zu den Verfolgungen. Die Judenverfolgungen in den Tagen ab dem 9. November gelten als Übergang von der Diskriminierung der deutschen Juden seit 1933 zur systematischen Verfolgung.

Synagoge in der Reichenbachstraße am Morgen nach der Reichskristallnacht (Bild: Bayerische Staatsbibliothek)

München - Zwischen dem 7. bis 13. November 1938 wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Selbstmord getrieben. Über 1.400 Synagogen und Betstuben, tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe wurden zerstört. In den folgenden Tagen wurden ungefähr 30.000 Juden in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.

In München wird mit einer generations-, religions- und parteiübergreifenden Gedenkstunde im Alten Rathaussaal an die Opfer erinnert. Auch Kardinal Reinhard Marx spricht ein Grußwort. Die Gedenkrede hält Winfried Nerdinger, der Gründungsdirektor des NS-Dokumentationszentrums München. Anschließend werden in einer öffentlichen Lesung beim Gedenkstein am Ort der früheren Hauptsynagoge die Namen aller 4587 Münchner Bürger vorgetragen, die als Juden mit tödlicher Konsequenz verfolgt wurden. In diesem Jahr wird auch aus Zeitungstexten und Polizeiprotokollen zitiert, um die Geschehnisse des 9. November 1938 ins Gedächtnis zu rufen. Ein „sichtbares Zeichen wider das Vergessen“ wollen die Veranstalter damit setzen und möglichste viele Münchner im Zeichen einer verantwortungsbewussten Stadtgesellschaft zusammenführen. Auch in einigen Stadtvierteln wird es heute und morgen Gedenkfeiern geben. (gh)

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