Interreligiöse Reise Gemeinsam unterwegs im Heiligen Land

13.07.2019

Christinnen und Muslime sind zusammen ins Heilige Land gereist. Dabei wurde ihnen deutlich: Die Region ist ein Minenfeld.

Die Reisegruppe posierte vor dem Felsendom.
Die Reisegruppe posierte vor dem Felsendom. © privat

München/Jerusalem – Es war eine außergewöhnliche Gruppe, die sich nach Pfingsten von München aus ins Heilige Land aufmachte: elf Christinnen und Christen sowie sechs Musliminnen und Muslime. Manche von ihnen kennen sich schon länger, andere lernten sich erst während der Reise kennen. Diese wurde vom Fachbereich Dialog der Religionen im Erzbischöflichen Ordinariat München gemeinsam mit dem Bayerischen Pilgerbüro (bp) geplant und zusammen mit dem muslimischen Verein IDIZEM und der Europäischen Janusz-Korczak-Akademie durchgeführt.

Schon die Anreise war nicht einfach: War es Zufall, dass die beiden muslimischen Ehepaare, von denen die Frauen Kopftuch tragen, fast drei Stunden bei der Einreise warten mussten? Doch das gemeinsame Warten und Bangen schweißte die Reisegefährten erst so richtig zusammen. Unter der Führung eines maronitischen Christen besuchte die Gruppe vornehmlich christliche, muslimische und jüdische Stätten. Dabei war interessant, wie die Muslime christliche Stätten wie die Verkündigungsbasilika in Nazaret oder die Wirkungsorte Jesu am See Genesaret wahrnahmen: Ehrfürchtig, ist Jesus doch für sie ein bedeutender Prophet und Gesandter, und so erlebten die Christen, wie die Muslime einen Segensspruch über Jesus sprachen. Gemeinsam lasen Christen und Muslime aus Bibel und Koran wie etwa in Nazaret die Ankündigung der Geburt Jesu. Die Muslime erfuhren, was diese Orte für Christen bedeuten. Auf dem Weg nach Jerusalem besuchte die Gruppe die Samaritaner auf dem Garizim und hatte ein Gespräch mit einem samaritanischen Priester. Die kleine jüdische Gemeinschaft, die schon in neutestamentlichen Zeiten als vom Judentum abtrünnig galt, aber von Jesus durchaus positiv wahrgenommen wurde, anerkennt nur die fünf Bücher Mose als Heilige Schrift.

Höhepunkt der Reise war Jerusalem: für die Christen Ort des Leidens, Sterbens und Auferstehens Jesu, für die Muslime Ort der Nacht- und Himmelsreise des Propheten Mohammed und mit dem Felsendom und der al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg drittwichtigster Pilgerort nach Mekka und Medina – sowie natürlich für die Juden wichtigster Ort mit der Tempelmauer. Auch wenn der islamische Glaube die Kreuzigung Jesu ablehnt, besuchten die muslimischen Teilnehmer mit großer Ehrfurcht den Ölberg sowie die Grabeskirche – trotz des immensen Trubels, der dort meist herrscht. Sie ließen aber auch keine Gelegenheit aus, auf dem Tempelberg zu beten, wird doch nach islamischer Tradition das Gebet dort tausendfach von Gott angerechnet. Nicht-Muslime dürfen die beiden muslimischen Heiligtümer auf dem Tempelberg seit dem Besuch Ariel Sharons im Jahr 2000 nicht mehr betreten, was allerdings nicht ganz stimmt: Einheimische Christen aus Israel und Palästina können ohne Weiteres hinein.

Gemeinsamer Kultort

Auf dem Ölberg gibt es einen besonderen christlich-muslimsichen Ort: die Himmelfahrtskapelle beziehungsweise -moschee. Die christliche Kapelle an dem Ort, von wo Christus in den Himmel aufgefahren sein soll, wurde zwar von Sultan Saladin in eine Moschee mit Gebetsnische umgewandelt, trotzdem haben christliche Kirchen bis heute das Recht, dort am Himmelfahrtstag Gottesdienst zu feiern – ein gemeinsamer christlich-muslimischer Kultort also.

Wie sehr die Politik in die Religion hineinspielt, wurde am stärksten in Hebron deutlich, am Ort der Patriarchengräber. Seit dem Terroranschlag eines jüdischen Extremisten 1994, in dessen Gefolge 29 Muslime starben, ist Juden und Muslimen nur noch ein getrennter Zugang zum Grab Abrahams und seiner Familie möglich und dies unter schwerster militärischer Bewachung. Nur Christen dürfen beide Seiten besuchen, die muslimische und die jüdische.

Der Gruppe wurde deutlich: Das Heilige Land ist ein Minenfeld. Man muss sehr genau darauf achten, wer wohin tritt oder treten darf. Dennoch: Die beteiligten Christen und Muslime sind sich näher gekommen bei dieser Fahrt, die eine besondere und unvergessliche Pilgerreise für beide Seiten wurde. (Andreas Renz)


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