Pfarreileitung mit Ehrenamtlichen Gemeinsamer Aufbruch

08.04.2019

Im niederbayerischen Geisenhausen erprobt das Erzbistum München und Freising ein neues Leitungsmodell, in dem Ehrenamtliche verantwortlich eingebunden sind. Damit öffnet sie eine Tür in die Zukunft.

Weihbischof Bernhard Haßlberger überreicht einer Ehrenamtlichen die Urkunde für den Auftrag, die Pfarrei mit zu leiten. © Kiderle/SMB

Eine kleine niederbayerische Marktgemeinde hat am Sonntag Bistumsgeschichte geschrieben. Zum ersten Mal leiten ehrenamtliche Laien zusammen mit einer Gemeindereferentin und einem Priester einen Pfarrverband. Sie tragen damit gemeinsam alle Rechte und Pflichten, die sonst ein Pfarrer wahrnimmt. Vieles wird sich nun erst noch entwickeln und klären müssen. Eines steht aber fest: Das Erzbistum München und Freising tritt mit diesem Versuch in eine neue Epoche ein. Der Pfarrer ist nicht mehr das Maß aller Dinge, wenn es um die Leitung einer Gemeinde geht.

Zahl der Hauptamtlichen schrumpft

Das ist natürlich auch durch die Umstände erzwungen: Es gibt schlicht zu wenig Priester, um jede Gemeinde zu versorgen. Doch mit dem Modell in Geisenhausen wird ein ganz neuer Schritt getan: Es gibt ja auch hauptamtliche Laienseelsorger, die mit einem Priester im Team eine Pfarrei leiten können. Doch selbst da sagt der Blick in die Personalstatistik: In zehn Jahren ist insgesamt mit etwa einem Drittel weniger Seelsorger im Erzbistum München und Freising zu rechnen. Das bedeutet: auch die der Zahl der Gemeinde- und Pastoralreferenten wird drastisch zurückgehen. Sollen die Gemeinden lebendig bleiben, wird kein Weg daran vorbeiführen, Ehrenamtliche zu beteiligen, so wie jetzt in Geisenhausen. Menschen, die in der Gemeinde leben, verwurzelt sind und dort bleiben. Hauptamtliche müssen sie unterstützen, aber nicht die vollständige Entscheidungsgewalt innehaben. Beim Vermögen der Kirchenstiftungen ist das ja jetzt schon der Fall. Der ehrenamtliche Kirchenpfleger hat da ein gewichtiges Wort mitzureden.

Keine Notlösung, sondern Chance

In Geisenhausen werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter im Leitungsteam nun auch auf anderen Feldern mitbestimmen. Das Modell lässt sich natürlich schnell als Notlösung abtun. Wenn es zu wenig Priester gibt, muss man das halt so machen. Es ist aber viel mehr. Die Gläubigen werden in die Verantwortung genommen. Sie werden mündige Christen, die im Miteinander mit dem Klerus die Zukunft des Glaubens gestalten. Gemeinsam hören sie auf den Ruf Gottes und antworten darauf, mit den ihnen je eigenen Gaben. Natürlich wird nicht alles glatt gehen, es werden Fehler passieren, Unzulänglichkeiten auftauchen. Ist das aber mit einem einzelnen Pfarrer an der Spitze auszuschließen? Das neue Modell teilt Verantwortung und, ja, auch Macht. Das ist nicht zuletzt auch für den Klerus eine Hilfe und Ergänzung. Es ist kein Abschied vom Priester, sondern ein Schritt zu mehr Gemeinschaft zwischen Laien und Klerus. In der französischen Erzdiözese Poitiers hat sich dieses Modell schon seit Jahren bewährt. Dort hat der Bischof sogar einen Ritus für die Beauftragung der ehrenamtlichen Leitungen eingeführt. Der Oberhirte bittet sie, mit ihm und dem beauftragten Priester den Bischofsstab zu halten. Alle Getauften können ihm helfen, den überlieferten Glauben zu erhalten und weiter zu geben. So, wie es nun auch im kleinen Geisenhausen versucht wird und hoffentlich gut gelingt.

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Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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