Jugendkorbinian 2020 Gemeinschaft online erleben

15.11.2020

Statt auf dem Freisinger Domberg trafen sich viele Jugendliche zum digitalen Festival. Zahlreiche Angebote machten Jugendkorbinian bunt, vielfältig und unerhört. Die Stimmung war anders, aber nicht weniger besonders.

Der Jugendkorbinians-Gottesdienst
Den Jugendkorbinians-Gottesdienst gestaltete der Ministrantenverband München und Freising - mit ziemlich unerhörten Inhalten. © Kiderle

Freising – Eindringlich und klar läuten die Glocken des Freisinger Doms und laden zum Gottesdienst der Jugendkorbinianswallfahrt ein. In diesem Jahr aber ist es ungewohnt still. Die Jugendlichen aus der ganzen Diözese, die sonst zu mit ihren Bannern und Flaggen zum Domberg ziehen, sind daheim geblieben. Vor den Bildschirmen, wo Jugendkorbinian online gefeiert wird.

„Jung, katholisch, unerhört“

„Willkommen zum Gottesdienst-Livestream aus dem Freisinger Dom mit dem Motto Unerhört“, begrüßt der Ministrantenverband (MV) um 16 Uhr alle Gottesdienstteilnehmenden. Die Feier vor Ort ist reduziert: eine kleinere Band, weniger mitschwingende Banner der Jugendverbände, keine Jugendlichen in den Gängen und auf dem Boden. Und doch sind über 7000 Leute dabei, nur eben per Livestream. Gestaltet vom MV München und Freising und musikalisch begleitet von der Band „Teacup“, ist der Gottesdienst „echt gut, nicht wie normal und nicht zu ernst“, wie Quirin und Paul von der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg finden.

Sie haben Recht, ein gewöhnlicher Gottesdienst sieht anders aus: „Macht mir nach und sagt, was stört – jung, katholisch, unerhört!“, rappt Simon aus dem MV nach der Lesung. Mit "Unerhörtem" geht es weiter: Die Fürbitten kommen von Jugendlichen aus der ganzen Diözese als Video, der Friedensgruß macht als Peace-Emoji per Whatsapp die Runde und in der Agapefeier können auch die Zuschauer vor den Bildschirmen die Eucharistie feiern. In seiner Predigt ruft Kardinal Reinhard Marx dazu auf, einander besser zuzuhören, zu verstehen und gemeinsame Wege zu gehen – und verspricht, die Idee eines Jugendrats für die Erzdiözese 2021 neu anzugehen und umzusetzen.

Virtueller Festplatz mit vielfältigen Angeboten

Nach dem Gottesdienst geht es auf dem virtuellen Festplatz mit rund 1000 Teilnehmenden weiter: Basierend auf dem Konzept der letzten Jahre beinhaltet jedes der blau-weiß-gelben Zelte eine „Area“. Die Angebote sind von den Mitgliedsverbänden des Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) kreativ und vielfältig gestaltet und gut auf die digitale Welt angepasst. Durch dieses bunte Programm können sich Interessierte klicken: Zum Bespiel in die Kultarea, um Anliegen auf die virtuelle Klagemauer zu schreiben oder ein Webinar über Gehörlosigkeit anzuhören. Oder in die Spiriarea, wo die Katholische Landjugend (KLJB) verschiedene Impulse vorbereitet hat.

Außerdem bieten mehrere Chatrooms die Möglichkeit, sich auszutauschen, wie etwa am Lagerfeuer mit den Pfadfindern oder beim Yoga in der Aktivarea. Hier zeigen Anja und Rosa aus der Kolpingjugend verschiedene Yoga-Übungen. Obwohl beide anfangs eher skeptisch waren, ist die Rückmeldung ausschließlich positiv. Auch Michaela von der KLJB ist interessiert, was Jugendkorbi 2020 zu bieten hat: Am besten gefällt ihr die unerhörte Liederliste in der Kultarea, die in anderen Ländern zensierte Lieder zeigt. Sie findet es echt interessant, „bekannte und unbekannte Lieder anzuhören und deren Hintergrund zu erfahren“. Nach drei Stunden endet das Festival zwar mit dem Abschlussimpuls, die meisten Inhalte werden aber noch bis zum 14. Dezember auf der Homepage zu finden sein.

"Besser als gar kein Jugendkorbi"

Katrin Ascher vom BDKJ war schon oft bei Jugendkorbinian dabei: Zuerst sei sie enttäuscht gewesen, dass Jugendkorbi ins Internet verlegt wird. Jetzt freut sie sich aber, dass es überhaupt stattfindet. Sie findet die Stimmung gut und hat den Eindruck, dass die Teilnehmenden Spaß haben. Dennoch kommt für sie die Online-Version nicht an die letzten Jahre ran, weil es an Begegnungen fehle.

Anja und Rosa von der Kolpingjugend geht es ähnlich. Auch wenn die gewohnte Atmosphäre online schwierig erreichbar sei, meint Anja: „Es ist definitiv besser als gar kein Jugendkorbi“. Besonders weil zwischen den Yoga-Einheiten Zeit zum Ratschen war, sei „dann doch Jugendkorbi-Feeling aufgekommen“, findet Rosa.

Das Beste aus der Situation gemacht

Jugendkorbinian digital zu veranstalten, bedeutet, Neues zu wagen. Die Jugendwallfahrt ist die Größte in Oberbayern und findet seit 1942 statt – und heuer zum ersten Mal fast ausschließlich online. Keiner konnte im Vorhinein sagen, ob das technisch funktioniert und von den Jugendlichen überhaupt angenommen werden würde. Aber sowohl die Gottesdienst-Übertragung als auch das Festival funktionierten reibungslos. Markus Lentner, Fachreferent für Ministrantenarbeit im Erzbischöflichen Jugendamt München und Freising, kann zusammenfassend sagen: „Wir haben versucht, aus der Situation das Beste zu machen und Jugendkorbinian auch in Zeiten von Corona erlebbar zu machen“. Trotz Abstand sei spürbar gewesen: „Wir feiern zusammen und nehmen auch die mit, die nicht da sein können.“ Oder wie er hinzufügt: „Wenn Jugendliche nicht zu Jugendkorbinian kommen können, muss Jugendkorbi zu den Jugendlichen kommen“.

Dass das Fest trotz allem stattgefunden hat, ist ein wichtiges Zeichen der Kirche und des BDKJs: Präsent sein, Alternativen bieten, Gemeinschaft ermöglichen. Was bleibt, ist die Dankbarkeit vieler Teilnehmenden, dass Jugendkorbinian 2020 ermöglicht wurde - und die Hoffnung, dass am 13. November 2021 unter dem Motto „aufmachen“ wieder mehr los ist am Freisinger Domberg! (Hannah Wastlhuber, Volontärin beim Sankt Michaelsbund)

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