Kurienreform von Papst Franziskus Gemmingen: Stärkung der Ortskirchen wünschenswert

02.10.2013

Die Kurienreform steht ganz oben auf der Agenda von Papst Franziskus. Acht Kardinäle aus allen Kontinenten sollen ihm dabei helfen. Derzeit tagt die Gruppe zum ersten Mal in Rom. Vatikan-Experte Eberhard von Gemmingen erhofft sich davon vor allem in einem Bereich Veränderungen.

Kardinäle im Petersdom in Rom (Bild: eom)

München/Rom – Eine „vernünftige Dezentralisierung“ der katholischen Kirche wünscht sicht Pater Eberhard von Gemmingen als Ergebnis der von Papst Franziskus angestrebten Kurienreform. In den vergangenen Jahrzehnten habe der Vatikan - auch aufgrund des technischen Fortschritts im Bereich der Kommunikationsmittel - immer mehr an Einfluss gewonnen, so der frühere Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan.

Papst Franziskus habe „sehr richtig erkannt“, dass die Ortskirchen wieder gestärkt werden müssten. Es gehe darum, sich auf veränderte Realitäten innerhalb der Weltkirche einzustellen. Etwa die Tatsache, dass die katholische Kirche „ganz unglaublich über Europa hinaus gewachsen ist“, betonte von Gemmingen. So könnten beispielsweise Konflikte beim Thema „Abfall vom Glauben“ von den örtlichen Bischofskonferenzen behandelt werden. Schnelle Entscheidungen seien bei der Zusammenarbeit von Papst und Beratergremium aber nicht zu erwarten.

Am Dienstag ist der Rat erstmals zu einer dreitätigen Beratung mit Franziskus im Vatikan zusammen gekommen. Das Treffen finde in der Privatbibliothek des Apostolischen Palastes statt, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi. Zur Diskussion stünden rund 80 Dokumente mit Reformvorschlägen von den Kardinälen, aus der Kurie und aus anderen Teilen der Weltkirche. Daraus solle nun eine Prioritätenliste erstellt werden.

Franziskus wolle die Beratungen persönlich einführen, ansonsten aber hauptsächlich zuhören, so Lombardi. Eine Veröffentlichung von Arbeitspapieren, Protokollen oder Beschlüssen sei nicht geplant. Nach dieser ersten Runde sollten weitere Treffen folgen, sagte der Sprecher. Er rechne mit einem längeren Beratungsprozess.

Europa wird dabei durch den Münchner Kardinal Reinhard Marx vertreten. Weitere Mitglieder des Kardinalsrates sind: Oscar Rodriguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa in Honduras, Oswald Gracias, Erzbischof von Bombay, George Pell, Erzbischof von Sydney, Sean Patrick O'Malley, Erzbischof von Boston, Francisco Errazuriz Ossa, emeritierter Erzbischof von Santiago de Chile und der Erzbischof der kongolesischen Hauptstadt Kinshasa, Laurent Monsengwo Pasinya. (ksc/cs/kna)

Das ausführliche Interview mit Pater Eberhard von Gemmingen hören Sie am Mittwoch um 16.20 Uhr und 22.20 Uhr im Münchner Kirchenradio.


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