Engagement zum Wohl aller Generalvikar Beer über die Kirchenverwaltung

19.10.2018

Meist wirken sie "hinter den Kulissen". Generalvikar Peter Beer erklärt, warum die Arbeit der Kirchenverwaltungen jedoch unerlässlich für ein aktives Pfarreileben ist, und wieviel Verantwortung Ehrenamtliche in diesen Gremien übernehmen.

Generalvikar Peter Beer
Generalvikar Peter Beer © EOM

Herr Generalvikar, im Gegensatz zu den SeelsorgerInnen oder Gremien wie dem Pfarrgemeinderat arbeitet die Kirchenverwaltung meist „im Hintergrund“. Dabei ist ihre Arbeit von zentraler Bedeutung für eine lebendige Pfarrgemeinde.
Generalvikar Beer: Das ist richtig. Damit die vielfältigen Aktivitäten einer Pfarrei stattfinden können, braucht es Gebäude, Personal und Geld. Diese Ressourcen organisiert die Kirchenverwaltung. Sie schafft gleichsam den Rahmen für das pastorale und gesellschaftliche Wirken einer Pfarrei. Die Pfarrei bekommt von der Diözese aus den diözesanen Einnahmen einen Haushaltszuschuss, der dann ergänzt durch eigene Einnahmen der Pfarrei den Gesamthaushalt bildet. Die Kirchenverwaltung erstellt diesen Haushalt, überwacht die Ausgaben, kümmert sich konkret um die Gebäude und das in der Pfarrei angestellte Personal. Sie kennt die Bedürfnisse und Notwendigkeiten am Ort, steht in engem Kontakt mit den seelsorglich Verantwortlichen und kann deshalb besser als eine zentrale Verwaltung dafür Sorge tragen, dass eine Gemeinde lebendig Kirche gestalten kann.

In der Kirchenverwaltung sind ja vor allem von den Pfarreimitgliedern gewählte Ehrenamtliche tätig. Warum setzt man in einem so fordernden Aufgabenfeld nicht hauptamtlich Angestellte ein?
Generalvikar Beer: Wir sind gemeinsam Kirche und unser gemeinsamer Auftrag ist es, „Zeichen und Werkzeug“ für das Wirken Gottes in und für diese Welt und die Menschen zu sein, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt. Dieser Auftrag gilt uns allen, nicht nur den hauptamtlich Beschäftigten, und jede und jeder wirkt nach seinem Können und Fähigkeiten daran mit. Gebäude und Geld sind nicht Selbstzweck, sondern sind Mittel, um diesen Auftrag zu verwirklichen. Deshalb sollen auch alle mithelfen und mitentscheiden, wie diese Mittel eingesetzt werden. Dies geschieht in den Kirchenverwaltungen, die durch Wahl durch alle Gläubigen gebildet werden. Ich bin sehr dankbar für das Engagement von mehr als 4.500 Menschen in unserem Bistum, die in 900 Stiftungen sich dieser Aufgabe und Verwirklichung unseres kirchlichen Auftrags widmen.

Die Ehrenamtlichen tragen damit eine große Verantwortung: für Finanzen, für Personal, für Bauprojekte und vieles mehr. Wie unterstützt sie das Erzbistum dabei?
Generalvikar Beer: Ich bin froh, dass sich in unseren Kirchenverwaltungen viel Sachkunde findet. Es gibt Menschen, die sich aufgrund der Ausbildung und/oder beruflichen Tätigkeit gut in Fragen der Finanzen auskennen, die Baumaßnahmen betreuen können oder sich auch der Herausforderung der Verwaltung eines Kindergartens stellen. Wo es aber Fragen gibt, die vor Ort nicht gelöst werden können, da wollen wir die Unterstützung durch hauptamtliche Mitarbeitende oder auch durch die Heranziehung von externen Fachleuten ausbauen. Ein erster Schritt sind Verwaltungsleiter in den Pfarrverbänden und großen Einzelpfarreien und Verwalter für Verbünde von Kindertagesstätten. Diese sollen die Kirchenverwaltungen nicht ersetzen, sondern sie in ihrer praktischen Aufgabe unterstützen und entlasten. Im Bereich der Gebäudebewirtschaftung, also im Bereich der Pflege und des Erhalts von Gebäuden, bauen wir beispielsweise zudem gerade eine Fachstelle im Ordinariat auf. Es soll auch ein Fortbildungsprogramm für die Kirchenverwaltungen entwickelt werden.

Unterschied Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat

„Die Kirchenverwaltung stellt die Ressourcen zur Verfügung und der Pfarrgemeinderat beschäftigt sich mit dem inhaltlichen Leben der Gemeinde.“ So fasst Dr. Armin Wouters, der Verantwortliche des Erzbistums für die Kirchenverwaltungswahlen 2018 den Unterschied zwischen den beiden Gremien zusammen. Der Pfarrgemeinderat organisiert Feste, Veranstaltungen und bringt die Menschen zusammen. Er unterstützt und berät den Pfarrer bei der Seelsorge sowie anderen pastoralen und liturgischen Aufgaben. Die Kirchenverwaltung (KV), die am 18. November gewählt wird, steuert dagegen die Einnahmen und Ausgaben einer Gemeinde, entscheidet über Baumaßnahmen an Kirche oder Pfarrsaal und stellt die Infrastruktur einer Pfarrei bereit. Auch um Personal wie Hausmeister, Mesner oder Kirchenmusiker kümmert sie sich. Läuft die Heizung? Ist der Haushaltsplan stichfest? Wie sieht es mit dem Arbeitsvertrag der Pfarrsekretärin aus? Das sind zum Beispiel Fragen, die sich die ehrenamtlichen Mitglieder des KV stellen. Das Gremium vertritt nicht nur die jeweilige Pfarrei, sondern auch alle Kirchensteuerzahler und -zahlerinnen der zugehörigen Kirchengemeinde.

Gerade rechtliche Auflagen und Zusammenhänge werden immer komplexer, etwa im Bereich der Kindertageseinrichtungen. Kann man da nichts einfacher machen?
Generalvikar Beer: Abgesehen von den schon angesprochenen Verwaltungsleitungen und von entsprechenden Fortbildungsangeboten im Ordinariat ist es mir hier wichtig, daran zu erinnern, dass wir eben auch Teil dieser Gesellschaft sind. Kirchliche Verwaltung unterliegt den gleichen Gesetzen wie auch eine kommunale Verwaltung oder ein Verein. Wir haben zwar einen besonderen Auftrag für diese Welt, unsere Verwaltung ist aber eben auch Teil dieser Welt. Deshalb unterliegen wir auch gesetzlichen Vorschriften und Anforderungen wie jeder andere auch. Dies ist für uns alle eine Herausforderung und ich bin sehr dankbar für das Engagement der vielen ehrenamtlich wie hauptamtlich tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, diese Vorgaben zu erfüllen.

Viele haben den Eindruck, kirchliches Wirtschaften sei nicht mit dem karitativen Auftrag von Kirche vereinbar, wenn etwa kirchliche Wohnungen genauso viel kosten wie die anderer Träger, wenn Erzieherinnen in einer katholischen Kita ein geringeres Gehalt erhalten als in privaten Einrichtungen.
Generalvikar Beer: Menschen in Not zu helfen, die Möglichkeit zu geben, Gottes Geleit im Leben zu erfahren, Gottesdienst zu feiern, Bildung zu eröffnen, vielfältig sind die Aufgaben und Angebote in unserer Kirche für die Menschen. Diese Angebote brauchen auch finanzielle Ressourcen. Es nützt wenig, wenn ich jemandem einmal zu essen geben kann, dann aber alles verbraucht habe, und er am nächsten Tag wieder hungrig sein muss. Stabilität und Kontinuität im Angebot und in der Unterstützung sind deshalb wichtig. Dafür dienen die anvertrauten Güter, das Geld der Steuerzahler und die Einnahmen aus wirtschaftlicher Tätigkeit. Wir müssen beides im Blick haben, die Hilfe ebenso wie den verantwortungsvollen Umgang mit den anvertrauten Wirtschaftsgütern. Bei der angesprochenen Besoldung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im kirchlichen Dienst orientieren wir uns am Tarif des öffentlichen Dienstes. Dies ist in den Vereinbarungen zusammen mit den Mitarbeitenden so festgelegt. Damit haben wir Teil am öffentlichen Entlohnungssystem und wie dieses ist dies nicht immer vergleichbar mit Löhnen und Gehältern in der Privatwirtschaft. Aber dieses System bietet wiederum andere Vorteile, die in der Privatwirtschaft nicht zwangsläufig gegeben sind: einen gesicherten Arbeitsplatz, einen verlässlichen Tarif, eine Zusatzversorgung im Krankheitsfall, eine betriebliche Rente oder die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Mitglieder der Kirchenverwaltung werden in einer Pfarrei oft mit dem Unmut der Gläubigen konfrontiert: wenn zum Beispiel die Sanierung des Pfarrheims länger dauert als geplant. Was möchten Sie ihnen mitgeben: Warum lohnt es sich trotzdem, sich in der Kirchenverwaltung zu engagieren?
Generalvikar Beer: Die Mitglieder der Kirchenverwaltungen übernehmen vor Ort Verantwortung für die Rahmenbedingung des pfarrlichen Lebens. Dafür gebühren ihnen zunächst der Respekt und die Anerkennung von uns allen. Deshalb bitte ich alle Mitglieder unserer Kirche, dies auch wertzuschätzen. Es geht um ehrenamtliches Engagement zum Wohl von uns allen. Die Kirchenverwaltungen können allerdings auch nur handeln im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben und kirchlichen Möglichkeiten. Dies tun sie gewissenhaft und mit der Motivation, lebendige Kirche vor Ort mitzugestalten. So tragen sie dazu bei, dass wir gemeinsam unserem Auftrag, „Zeichen und Werkzeug“ für Gottes Wirken in dieser Welt für die Menschen zu sein, immer besser nachkommen können. Aber auch hier gilt, dass wir miteinander für unser Erzbistum Verantwortung übernehmen müssen. Dies gilt zum Beispiel für den Bereich Bau. Jede einzelne Maßnahme mag sinnvoll sein, aber wir werden nicht alle Maßnahmen gleich und in dem gewünschten Umfang verwirklichen können. Dafür reichen weder das Personal bei uns und den Firmen noch die Finanzen. Wir werden uns also in Zukunft darauf verständigen müssen, was wir für welchen Zweck wann und in welchem Umfang benötigen werden. Dies wird auch in manchen Fällen zu einem schmerzlichen Verzicht führen, aber um den Erhalt unserer Handlungsfähigkeit im ganzen Bistum willen notwendig sein.

Im Erzbistum München und Freising werden die Kirchenverwaltungen am Sonntag, 18. November 2018, neu gewählt. Näheres zur Wahl und allgemein zur Arbeit der Kirchenverwaltungen finden Sie unter hier.

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Wahl der Kirchenverwaltungen

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