Feierstunde in Karmeliterkirche Generalvikar Beer verabschiedet

09.01.2020

Nach zehn Jahren im Amt des Generalvikars des Erzbistums wurde Peter Beer jetzt verabschiedet. Kardinal Reinhard Marx dankte seinem engsten Mitarbeiter in einer sehr pesönlichen Rede.

Kardinal Reinhard Marx (links) überreichte zwei Heiligenfiguren, Petrus und Paulus, als Abschiedsgeschenk an Peter Beer.
Kardinal Reinhard Marx (links) überreichte zwei Heiligenfiguren, Petrus und Paulus, als Abschiedsgeschenk an Peter Beer. © Steffen/EOM

München – Als am Ende der Applaus der Gäste in der ehemaligen Münchner Karmeliterkirche aufbrandet, tritt Generalvikar Peter Beer hinter dem Rednerpult hervor und stellt sich an den Rand des Podiums. Er ist sichtlich berührt vom Augenblick. Emotional bewegt hält er einen Moment inne, zwei kurze Verbeugungen, dann steigt er sofort herab vom Podium, um auf Augenhöhe mit den Anwesenden zu sein. Alle zollen dem scheidenden Generalvikar Anerkennung und Respekt für seine Arbeit in den vergangenen Jahren von 2010 bis Ende 2019. Fortan ist er nun der „Herr Beer“ – diese Anrede ohne jeden weiteren Titel hat er sich für die Zeit, die nun nach seinem Ausscheiden aus dem Amt anbricht, gewünscht.

"Herr Beer"

Der 53-Jährige wird zukünftig unter anderem als Professor am Zentrum für Kinderschutz (Center for Childprotection, CCP) der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom wirken (wir berichteten). In seinen Dankesworten blickt der ehemalige Generalvikar auf „nicht einfache Jahre“ zurück: Es sei eine Zeit gewesen, „die uns alle gemeinsam gefordert hat“. Zugleich dürfe man nicht vergessen, dass es für die Betroffenen von Missbrauch „eine Zeit der Befreiung bedeutete“. Er gehe mit einer „gewissen Wehmut“, aber auch dem „guten Gefühl, Veränderungen zu ermöglichen“, erklärt „Herr Beer“. Zum Abschluss formuliert er seine „Vision einer Kirche, in der der Wandel weder hysterisch betrieben, noch auf die lange Bank geschoben wird und in der Menschen weder schwarz noch weiß gesehen werden“.

Dank des Kardinals

Kardinal Reinhard Marx würdigt seinen engsten Mitarbeiter in einer sehr persönlichen Rede. Als er vor zwölf Jahren von Trier nach München kam, erzählt der Erzbischof, habe er Peter Beer als Leiter des Katholischen Büros in Bayern kennengelernt und schon damals gespürt: „Der hat etwas Besonderes an sich.“ Beer zeichne sich aus durch „analytische Schärfe, diskrete Frömmigkeit, klaren Verstand und unbedingter Loyalität gegenüber der Kirche.“ Er sei „froh und dankbar, dass Sie an meiner Seite waren“, als 2010 die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche bekannt wurden, betont der Erzbischof und gibt unumwunden zu: „Ich weiß nicht, wie ich es hätte schaffen können ohne Sie.“

Neben Beers Verdiensten in der Aufarbeitung des Missbrauchs-Skandals hebt Kardinal Marx hervor, dass Beer stets dafür eingetreten sei, dass „Verwaltung kein überflüssiges Übel, sondern ein notwendiges Gut für die Pastoral“ sei. Insbesondere im Bereich der Finanztransparenz habe er „Maßstäbe für die Zukunft“ gesetzt.

Kinderchor der Staatsoper singt

Wie ein Ausblick auf Beers zukünftige Arbeit in Rom wirkt es, als zum Abschluss der Feststunde Agnes Wich ihr autobiographisches Gedicht „Blütentränen“ vorträgt. Als Mädchen wurde sie von einem katholischen Priester missbraucht, heute unterstützt sie die Kirche dabei, Kinder zu schützen. Anschließend ziehen über 60 jugendliche Mitglieder des Kinderchors der Bayerischen Staatsoper mit Solisten ein und präsentieren sangeskräftig einen Auszug aus dem Werk „Transformation“ von Konstantia Gourzi. Es wurde im Jahr 2018 zur Gründung des neuen Studiengangs zum Kinderschutz in Rom uraufgeführt (wir berichteten) und setzt sich in künstlerischer Sprache mit dem Thema Missbrauch auseinander.

Wie hatte es Kardinal Marx zuvor formuliert: Es sei eine „großartige Leistung“ seines ehemaligen Generalvikars gewesen, den Kampf gegen Missbrauch „mit Klarheit, ohne Kompromisse angepackt“ zu haben und bis heute deutlich zu machen: „Das Thema ist nicht beendet.“

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de


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