Weltbild-Insolvenz Generalvikar Beer: "Wir konnten den Weg nicht mehr weitergehen"

14.01.2014

Das Erzbistum München und Freising ist von der Insolvenz des Medienunternehmens Weltbild direkt betroffen. Die Diözese habe damit Einlagen und gewährte Darlehen verloren, sagte Generalvikar Peter Beer den Münchner Kirchennachrichten. Gleichzeitig betonte Beer die besondere Verantwortung der kirchlichen Eigentümer für die Weltbild-Mitarbeiter.

Filiale des Weltbildverlags in München (Bild: Sankt Michaelsbund)

München - Die katholische Kirche ist bei der insolventen Verlagsgruppe Weltbild im Bemühen um das Unternehmen gescheitert. Dies sei "offensichtlich", räumte der Münchner Generalvikar und Weltbild-Aufsichtsratschef Peter Beer am Dienstag gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) ein. Die Gesellschafter hätten den festen Willen, alles aus ihrer Sicht Mögliche für die Mitarbeiter zu tun. In nächster Zeit würden viele Gespräche darüber geführt, wie dies geschehen könne.

Der Prälat sagte, Grundlage für die 65-Millionen-Euro Liquiditätshilfe seitens der deutschen Bistümer im vergangenen Herbst sei ein Sanierungsgutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG gewesen. Dies sei auf Wunsch der Gläubiger-Banken der Weltbild-Gruppe noch einmal von anderen Fachleuten gegengecheckt worden. Bis 7. Januar habe kein Anhaltspunkt dafür bestanden, dass sich an dieser Lage etwas Entscheidendes geändert haben könnte. Dann aber habe der Aufsichtsrat vom Weltbild-Management erfahren, dass der von den Gesellschaftern geforderte Betrag nunmehr etwa doppelt so hoch sei.

Die Weltbild-Eigentümer hätten aufgrund der Forderungen der Geschäftsführung in sehr kurzer Zeit eine Aufstockung ihrer Kapitalspritze belastbar in Aussicht stellen müssen, erläuterte Beer. Dies sei wegen der notwendigen Abstimmungen mit den zwingend zu beteiligenden Gremien schon rein technisch nicht möglich gewesen. Weltbild gehört 14 Gesellschaftern, die meisten von ihnen sind katholische Bistümer. Weil es um Kirchensteuermittel geht, muss jeder einzelne Gesellschafter dafür bei seinen Gremien erst Beschlüsse herbeiführen. Diese hatten sich schon mit der ursprünglichen Zusage schwergetan.

Davon abgesehen sei es vielen Teilnehmern der außerordentlichen Gesellschafterversammlung am vergangenen Donnerstag nicht klar gewesen, "wie ein Minus im Weihnachtsgeschäft von ungefähr acht Millionen Euro unter Plan eine Hebelwirkung von rund 70 Millionen Euro an zusätzlichem Kapitalbedarf auslöst", sagte der Aufsichtsratschef. Es sei legitim, Kirchensteuermittel auch zur Subventionierung unternehmerischer Tätigkeiten einzusetzen, etwa um Umstrukturierungen zu unterstützen, erklärte Beer. Sie könnten aber "dauerhaft das Geschäft nicht ersetzen".  (kna/alb/ksc)


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