BDKJ-Diözesanversammlung Generalvikar: "Wir können so nicht weitermachen"

12.03.2019

Um die Zukunft der Kirche im Erzbistum ging es beim Diözesantreffen des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Generalvikar Peter Beer präsentierte den Teilnehmern dabei in klaren Worten seine Vision von Kirche.

Frühjahrs-Diözesanversammlung des BDKJ auf Burg Schwaneck in Pullach
Frühjahrs-Diözesanversammlung des BDKJ auf Burg Schwaneck in Pullach © Kiderle

Pullach – „Die Tragödie in zwei Worten? Zu spät“. Generalvikar Peter Beer rüttelt die rund 60 Delegierten des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) auf, als er dies aus dem Buch „Der Klavierschüler“ zitiert. „Ich hoffe sehr, dass wir weiterkommen, um nicht ‚zu spät‘ zu sein“, mahnt der Generalvikar. Gemeinsam mit Monsignore Klaus Peter Franzl, Leiter des Ressorts Personal im Erzbischöflichen Ordinariat, und Monsignore Thomas Schlichting, Ressortleiter Seelsorge und kirchliches Leben, diskutiert er bei der Frühjahrs-Diözesanversammlung auf Burg Schwaneck in Pullach zum Thema „Aufbruch statt Abbruch“ über die Zukunftsprozesse im Erzbistum. BDKJ-Diözesanvorsitzende Stephanie von Luttitz hat eine Premiere geschafft: Zum ersten Mal sitzen die drei Geistlichen in dieser Konstellation zu diesem Thema auf dem Podium.

Den Wandel selbst gestalten

„Wir können so nicht weitermachen“, warnt Generalvikar Beer in seinem zehnminütigen Impuls, „welche Institution kann sich das erlauben, zehn Jahre lang einen Skandal mit sich herumzuziehen – „wo gibts das?“ Die Missbrauchs-Krise verdeutliche auch, dass es in der Kirche um Machtverteilung gehe und Hierarchien zelebriert würden. „In der Jugendarbeit sehe ich dies nicht so stark“, meint der Generalvikar“, denn hier gibt es ein ausgeprägtes Demokratieverständnis und eine ausgeprägte Diskussionskultur.“ Trotzdem: Die Krise, die Gläubige zum Austritt aus der Kirche bewege, habe wiederum Auswirkungen auf die Finanzen. Am Ende seines Impulses nennt Generalvikar Beer drei Visionen: Man müsse sich gegenseitig fördern, offene Orte der Begegnung sein ( - auch Überlegungen anstellen, mit der evangelischen Landeskirche in ein Gebäude zu ziehen) und den Wandel selber gestalten. Voraussetzung dafür: „Wir müssen ernsthafter und schneller diskutieren – die Welt wartet nicht auf uns.“

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Generalvikar Peter Beer
Generalvikar Peter Beer © Kiderle

"Innovative Stellen"

Wandlung sei ein gutes Stichwort auch für die Personalplanung, schließt Monsignore Klaus Peter Franzl an. Weniger Priester, rückläufige Katholikenzahlen, eine schwächere Kirchenbindung, große gesellschaftliche Veränderungen bedeuteten auch für die Kirche neue Herausforderungen. Diesen werde man sich stellen, durch „multi-professionelle Teams mit beispielsweise Pädagogen, Psychologen oder Soziologen“. Außerdem sei geplant „innovative Stellen“, befristet zu schaffen, um auf aktuell aufkommende Themen eingehen zu können. In dem neuen Stellenplan gehe man von einem „Sozialraum“ aus, der den Blick auf alle Menschen und deren Bedürfnisse richte, dienstleistungsorientierte Seelsorge sozusagen. „Es braucht also ein neues Verständnis von Seelsorge“, erklärt Monsignore Franzl.

„Der Maßstab ist der Mensch“, führt Monsignore Schlichting fort. So würden auch neue Orte mit innovativen Stellen entstehen, eben dort, wo die Menschen sie benötigten. „Wir lassen uns überraschen, wo Kirche stattfinden kann“, sagt der Geistliche. Gleichzeitig würden aber bestimmte Zielgruppen wie Polizei oder Militär auch in Zukunft bestehen bleiben. „Manches wird neu, vieles stirbt, aber alles lebt weiter“, bringt Monsignore Schlichting auf den Punkt – und gibt gleichzeitig zu, dass viele Ältere dies nicht so sehen würden.

Jugend will gehört werden

Bei der anschließenden Diskussion haken viele BDKJ-Mitglieder pointiert und kritisch nach. Wie lange denn der Prozess dauern werde, bis Laien auf Augenhöhe mit den Geistlichen seien. „Das ist eine Frage der Haltung, es wird noch dauern“, meint Generalvikar Beer. Der Mensch falle gerne in Muster zurück, da müsse man immer wieder von Neuem achtsam sein. Auch bei Ehrenamtlichen und Laien sei die Gefahr da, „wer ein Amt hat, wird plötzlich ekelhaft“. Kritik darüber wird laut, dass die Jugend nicht in die Zukunftsprozesse miteinbezogen wurde und fordert, gehört zu werden, „schließlich kennen wir uns damit aus und können das auch“. Monsignore Franzl verspricht: „Ich nehme das Angebot des BDKJ mit, dass Erfahrungen aus der Jugendarbeit in den Veränderungsprozess einfließen.“ Auch die eindringliche Bitte des Diözesan-Jugendpfarrers Richard Greul, alle Stellenpläne dahingehend zu überprüfen, ob Jugendarbeit wirklich verankert ist, nimmt Monsignore Franzl mit.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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