Überblick Geschichte des Erzbistums München und Freising

31.07.2018

Von den römischen Soldaten bis zur Neugestaltung des Freisinger Dombergs gibt der frühere Archivdirektor Peter Pfister einen Überblick über wichtige Personen und Ereignisse im Erzbistum.

Bis heute werden die Neupriester im Freisinger Dom geweiht.
Bis heute werden die Neupriester im Freisinger Dom geweiht. © Kiderle

Anfänge des Glaubens

Christlichen Glauben gab es in unserer Gegend schon lange vor der Errichtung des Bistums Freising. Römische Soldaten und Kolonisten waren die Ersten, die das Kreuz als Zeichen des Heiles in unsere Heimat brachten. Später kamen iroschottische und angel- sächsische Mönche von den britischen Inseln. Auch den Bayern, die im sechsten Jahrhundert als Bewohner des Landes erscheinen, war das Christentum nicht mehr fremd. Das Herrschergeschlecht der Agilolfinger war von Anfang an christlich. Die Herzöge dieses Hauses bemühten sich mit Nachdruck um eine feste kirchliche Organisation ihres Landes. Herzog Grimoald holte den fränkischen Bischof Korbinian nach Freising, und als dieser eintraf, stand schon eine Marienkirche neben der herzoglichen Pfalz auf dem späteren Domberg. Im heiligen Korbinian hat die Diözese von Anfang an ihren geistlichen Vater gesehen. Er kam um 720 aus der Gegend um Paris an die Herzogspfalz an der Isar und starb um 730 in Freising. So konnte der heilige Bonifatius 739 im Auftrag Papst Gregors III. (731 – 741) einem Bistum, das schon lange vorbereitet war, feste rechtliche Formen verleihen. Ähnlich war es bei den anderen Diözesen im bayerischen Stammesgebiet: Salzburg, Regensburg und Passau.

Freisinger Kultur und Mission

Nach der formellen Gründung erlebte das junge Bistum rasch eine hohe kulturelle Blüte. Vor allem unter dem großen Bischof Arbeo (764 – 783) wurde der Freisinger Domberg zum Mittelpunkt altbayerischer Gelehrsamkeit, in der sich antikes Erbe und einheimische Kräfte begegneten. Eine Reihe von Klöstern, darunter das berühmte Tegernsee, förderten Kultur und Seelsorge in allen Teilen der Diözese. Die Freisinger Kirche war kaum in sich gefestigt, als schon eine ansehnliche Missionstätigkeit im Bereich der ostalpenländischen Slaven von ihr ausging, zuerst in Innichen (769), später in Kärnten und Krain.

Die Ungarnkämpfe des zehnten Jahrhunderts brachten einen schweren Rückschlag für Bistum und Klöster. In dieser Zeit saß auf dem Freisinger Bischofsstuhl der heilige Lantbert (937 – 957). Das Volk verehrte ihn als eine große Betergestalt und betrachtete die Rettung des Domberges in dieser Kriegszeit als Frucht seines Gebets. Seinem Nachfolger, Bischof Abraham (957 – 994), gelang es, die Ausbildung der Kleriker, die Seelsorge im Volk, Mission und wissenschaftliche Bildung wieder auf eine hohe Stufe zu führen. Aber schon bald litt das Bistum im Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser unter neuen Wirren. Als sich Bischof und Gegenbischof bekämpften, schrieb ein Mönch in Weihenstephan verzweifelt, niemand könne mehr unterscheiden, wo Recht und Unrecht sei.

Große Bischöfe im Mittelalter

Es fehlte der Freisinger Kirche im Mittelalter aber auch nicht an großen Bischöfen, die immer wieder einen geistlichen Durchbruch erzielten. Der bedeutendste unter ihnen ist Bischof Otto I. (1138 – 1158). Er war nicht nur der größte Geschichtsschreiber des hohen Mittelalters, sondern in erster Linie Seelsorger, dem die Priesterausbildung und die pastorale Betreuung des Volkes als höchste Verpflichtung galten. Im späten Mittelalter machte sich Johannes Grünwalder als Generalvikar und Bischof (1448 – 1452) um die Reform der Klöster im Bistum verdient; auf dem Konzil von Basel galt er als geschätzter Theologe. Kirchliche Kunst und Frömmigkeit erlebten im 15. Jahrhundert eine Blütezeit.

Glaubensspaltung und kirchliche Erneuerung

Im Zeitalter der Glaubensspaltung blieb der gesamte Bereich des Bistums Freising katholisch. Ausnahmen bildeten für kurze Zeit die Grafschaft Haag und die Herrschaft Hohenwaldeck. Die Reformgedanken des Konzils von Trient (1545 – 1563) kamen in breiterem Umfang erst unter Bischof Veit Adam von Gepeckh (1618 – 1651) zum Durchbruch. Vornehmster Repräsentant des barocken Freising wurde Bischof Johann Franz Eckher (1696 – 1727). Er hat durch die Gebrüder Asam dem Dom ein neues Gewand geben lassen. Nicht weniger wichtig als die Liebe zu Kunst und Geschichte waren ihm die Errichtung eines guten Seminars, die Förderung karitativer Werke und die Seelsorge im Bistum. Die Barockzeit hat durch die Umgestaltung und den Neubau zahlreicher Kirchen die bayerische Kirchenlandschaft bis heute geprägt.

Das neue Erzbistum

Mit dem Zusammenbruch der Reichskirche kam 1803 auch das Ende des alten Bistums Freising. Nach dem Tod des letzten Fürstbischofs Joseph Konrad von Schroffenberg (1789 – 1803) blieb die Diözese 18 Jahre ohne Oberhirten und musste provisorisch verwaltet werden. Mit dem Bayerischen Konkordat von 1817 und der Veröffentlichung der päpstlichen Zirkumskriptionsbulle von 1821 trat das neue Erzbistum München und Freising die Nachfolge der alten Freisinger Diözese an. Das Bistumsgebiet erfuhr einen beachtlichen Zuwachs durch fast alle in Bayern gelegenen Gebiete des alten Erzbistums Salzburg, des Bistums Chiemsee und die ehemalige Fürstpropstei Berchtesgaden. Dafür kamen einige Pfarreien auf Tiroler Gebiet zu Brixen und Salzburg. Neue Kathedrale wurde die Münchner Pfarr- und ehemalige Stifts- kirche Zu Unserer Lieben Frau.

Die Erzbischöfe

Der erste Erzbischof Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel wurde am 5. November 1821 in sein Amt eingeführt. Eine der Hauptsorgen seiner 35-jährigen Amtszeit galt dem Priester- nachwuchs. So wurden auf dem Freisinger Domberg das neue Priesterseminar für die Erzdiözese (1826), ein Diözesanknabenseminar (1827) und das Lyzeum als Hochschule für die Priesterkandidaten (1834) errichtet. Mit Unterstützung König Ludwigs I. erstanden auch zahlreiche während der Säkularisation geschlossene Klöster wieder und konnten neue Orden ihre Tätigkeit im Erzbistum aufnehmen.

Zwölf Erzbischöfe leiteten seit Gebsattel das Erzbistum München und Freising. Im 20. Jahrhundert führte Erzbischof Kardinal Michael von Faulhaber (1917 – 1952) die Kirche durch die schwere Zeit des Nationalsozialismus. Kardinal Joseph Wendel (1952 – 1960) richtete den Eucharistischen Weltkongress 1960 in München aus. Kardinal Julius Döpfner (1961 – 1976) war einer der Moderatoren des Zweiten Vatikanischen Konzils sowie Präsident der Würzburger Synode und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Kardinal Joseph Ratzinger (1977 – 1982) stand ab 1982 an der Spitze der Römischen Glaubenskongregation und wurde am 19. April 2005 zum Papst gewählt. 2006 besuchte er als Benedikt XVI. seine bayerische Heimat. 2013 trat er – als erster Papst seit Jahrhunderten – von seinem Amt zurück. In der 25-jährigen Amtszeit von Kardinal Friedrich Wetter (1982 – 2008) wurden drei im Erzbistum wirkende Personen seliggesprochen: die Begründerin der weltweit tätigen Kongregation der Armen Schulschwestern, Maria Theresia von Jesu Gerhardinger (1985), der populäre Sozialapostel Münchens und Kämpfer gegen den Nationalsozialismus Pater Rupert Mayer SJ (1987) und der aus Berchtesgaden stammende Redemptoristenpater Kaspar Stangassinger (1988).

Seit 2008 ist der frühere Trierer Bischof Reinhard Marx der 13. Erzbischof von München und Freising und der 73. Nachfolger des heiligen Korbinian, seit 2010 auch Mitglied des Kardinalskollegiums und seit 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. In seiner Erzdiözese, in der aktuell etwa 1,7 Millionen Katholiken leben, hat er einen Prozess zur Neugestaltung der Seelsorge und ihrer Strukturen in Gang gesetzt.

Die alte Bischofsstadt

Auch nach Verlegung des Bischofssitzes nach München ist Freising ein wichtiger Ort für die Erzdiözese geblieben. Der Freisinger Mariendom wurde auf Antrag von Kardinal Ratzinger 1983 zur Konkathedrale erhoben. Erzbischof und Gläubige feiern dort jedes Jahr das Korbiniansfest. Auch die Neupriester werden bis heute im Freisinger Dom geweiht. Nach Verlegung beziehungsweise Schließung der Priesterbildungsstätten sind auf dem Domberg bedeutende kulturelle Einrichtungen der Erzdiözese beheimatet (Bildungszentrum „Kardinal- Döpfner-Haus“, Diözesanmuseum für Christliche Kunst). Alljährlich versammeln sich hier die bayerischen Bischöfe zur Freisinger Bischofskonferenz.

Die von der Deutschen Bischofskonferenz 1993 ins Leben gerufene „Renovabis“-Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken mit den Menschen in Mittel- und Osteuropa unterstützt die pastorale, soziale und gesellschaftliche Erneuerung der ehemals kommunistischen Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas vom Freisinger Domberg aus.

Erst kürzlich haben die baulichen Arbeiten für eine umfassende Neugestaltung begonnen, um den Freisinger Domberg als „einen offenen, spirituellen und inspirierenden Ort für jetzige und künftige Generationen“ lebendig zu erhalten.

Zum Autor

Peter Pfister ist Kirchenhistoriker, Archivar und Diakon. Bis vor kurzem leitete er Archiv und Bibliothek des Erzbistums.


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