Zukunft ungewiss Geschichte und Gegenwart vom Kloster Altomünster

04.10.2021

1.250 Jahre lang war das Kloster Altomünster mal von Mönchen, mal von Nonnen und zeitweise von beiden gleichzeitig bewohnt. Nach der Schließung 2017 sieht das Kloster einer ungewissen Zukunft entgegen.

Blick auf das Kloster Altomünster aus der Vogelperspektive
Nach wie vor bildet die Klosteranlage das Herz des pittoresken Marktes Altomünster. © Seiler

Im Jahr 2017 ging in Altomünster im Dachauer Hinterland nicht nur eine über 500-jährige Geschichte des mittelalterlichen Birgittenordens in Bayern und Deutschland, sondern eine insgesamt 1.250-jährige monastische Tradition zu Ende. In diesem langen Zeitraum war Altomünster ein Ort, in dem hinter Klostermauern Gotteslob und Gottesdienst in Gebet, Gesang und Messfeier bei persönlicher Armut, Keuschheit und Gehorsam seiner Bewohner gepflegt wurden. Dass dies ununterbrochen bis 2017 geschah, stellt eine Besonderheit dar. Warum? Alle heute bestehenden Klöster in Bayern sind Neu- und Wiedergründungen des 19. Jahrhunderts.

Säkularisation ausgesessen 

Alles begann im achten Jahrhundert mit dem Einsiedler Alto, aus dessen Zelle im zehnten Jahrhundert zunächst ein Benediktinerkloster und dann von 1056 bis 1488 ein Benediktinerinnenkloster erwuchs. Letzteres wurde 1496/1497 durch den niederbayerischen Herzog Georg den Reichen mit päpstlicher Genehmigung in ein Doppelkloster der heiligen Birgitta von Schweden umgewandelt. Ein Doppelkloster umfasste einen Nonnen- oder Schwesternkonvent und einen Mönchs- oder Brüderkonvent, beide getrennt durch die Klosterkirche.

1803 fand durch den Staat die Säkularisation des Doppelklosters Altomünster statt. Über 3.000 Hektar Grund und Boden, eine eigene Ökonomie, Archiv und Bibliothek gingen an den Staat verloren. Vier Nonnen des aufgehobenen Konvents hielten jedoch hinter den Klostermauern aus, bis König Ludwig I. 1841/1842 das Weiterbestehen eines reinen und noch dazu rein kontemplativen Frauenklosters gestattete. Laut Konkordat von 1817 sollte es beschauliche Klöster nicht mehr geben.

Über 2.000 Kunstwerke gefunden

Quasi mit Null fingen die Birgittinnen wieder neu an. Wovon lebten sie? Neben der eigenen, von Laienschwestern betriebenen Landwirtschaft pflegten sie Näh-, Stick- und Schneiderarbeiten, wuschen und mangelten sie zuletzt Kirchenwäsche. Eine Spezialität war lange Zeit ein Quittenlikör. Kinder wie der Autor bekamen noch in den 1960er Jahren Bruch aus der Hostienbäckerei an der Klosterpforte gereicht. Seit den 1980er Jahren fand der Konvent auch im Unterhalt eines Gästehauses im sich leerenden Zellentrakt einen Teil seines Auskommens.

Mangels Nachwuchs – zuletzt lebten nur noch zwei Nonnen im Kloster – hob die vatikanische „Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften des apostolischen Lebens“ den Konvent 2016/2017 auf. Es fanden sich noch Restbestände des alten Archivs und der Bibliothek neben über 2.000 Kunstwerken – sie waren 1803 im Kloster verblieben. Die Inventarisation und die Erschließung durch das Diözesanmuseum, das Archiv (AEM) und die Diözesanbibliothek des Erzbistums München und Freising sind weit fortgeschritten. Sie stehen der Wissenschaft zur Verfügung. 

Weitere Nutzung

Unklar ist nach wie vor die Zukunft der weitläufigen, zum Teil noch aus dem 15. Jahrhundert stammenden Klosteranlage mit drei Innenhöfen. Ordinariat, Pfarrei und Marktgemeinde wollen zusammenwirken und eine nachhaltige Perspektive entwickeln. Das dauert und kostet viel Geld. Aber: Erbe verpflichtet. Wie kann man sich eine künftige Nutzung vorstellen? Vier Funktionen sind vorstellbar.

Einmal als Ort des gelebten Glaubens: Die Pfarrei St. Alto und Birgitta besitzt kein Pfarrzentrum und keine Räume für den Kirchenchor, die Jugend und den Pfarrgemeinderat. Zweitens als Ort der Begegnung und Gastfreundschaft: Ein Großteil des Nonnentrakts wurde bereits zu einem Gästehaus umfunktioniert. Ein Betrieb eines Gäste- und Tagungshauses vielleicht zusammen mit der Landvolkshochschule am Petersberg bietet sich direkt an.

Drittens als Ort der Bildung, etwa in Form einer Nutzung durch das Erwachsenenbildungswerk Dachauer Forum und die kommunale Volkshochschule. Schließlich viertens als Ort der Erinnerung: Das bestehende Ordens- und Klostermuseum könnte aus dem kommunalen Gebäude ins Kloster verlegt und wie bisher ehrenamtlich vom Museums- und Heimatverein Altomünster ohne Personalkosten betrieben werden. Vielleicht richtet das Diözesanmuseum auch eine Filiale mit den alten Beständen ein. Altomünster hofft und wartet.
(Professor Wilhelm Liebhart, Historiker und Leiter Klostermuseum Altomünster)


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