Georg Gänswein bei regionaler Wirtschaft Gesellschaft braucht christliche Werte

14.02.2017

Kurienerzbischof Georg Gänswein war beim Jahresempfang der regionalen Wirtschaft in Bad Adelholzen zu Gast. Welche Entwicklungen er dort kritisierte und von welchem „alten Chiemgauer“ er Grüße im Gepäck hatte, lesen Sie hier.

Kurienerzbischof Georg Gänswein kritisiert Kapitalismus, Egoismus und warnt vor der Gefahr einer sich auflösenden EU. © Kiderle

Bad Adelholzen – „Es ist schön, mal wieder in Bayern zu sein“, verrät Erzbischof Georg Gänswein der Münchner Kirchenzeitung und strahlt. Vor einigen Stunden ist der Präfekt des Päpstlichen Hauses erst aus dem Vatikan angekommen, extra für diesen Vortrag beim 16. Jahresempfang der regionalen Wirtschaft in Bad Adelholzen (Dekanat Traunstein) am vergangenen Freitagabend.

„Papst Benedikt hat mir ans Herz gelegt, Sie von ihm zu grüßen“, lächelt der Kurienerzbischof. „Grüßen Sie meine Chiemgauer von einem alten Chiemgauer.“ Die rund 400 Gäste aus Wirtschaft und Politik applaudieren – sie wissen, dass der emeritierte Papst Benedikt nach all den Jahren in Rom im Herzen immer ein Chiemgauer geblieben ist. „Wenn Sie gestatten, nehme ich diesen Applaus als Ihre Grüße mit in den Vatikan.“

Dann wird Erzbischof Georg Gänswein, der als Präfekt des Päpstlichen Hauses und Privatsekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. eine historisch einmalige Funktion im Vatikan hat, ernst. Er spricht 40 Minuten über „Europa und das Christentum – Sackgasse oder Weg in die Zukunft“. In den vergangenen zwei Jahren sei sichtbar geworden, beginnt Erzbischof Georg Gänswein politisch, dass Krisen von Politikern nicht mehr gelöst würden, sondern versucht werde, mit diesen zu leben. „Was dazu führt, dass die Menschen das Establishment ohrfeigen“, analysiert der 60-Jährige. Je mehr Krisen nicht bewältigt würden, desto brüchiger werde die Solidarität der Staaten untereinander. „Das ist ein Vertrauensverlust der Regierten in die Regierenden.“

Besonderes Geschenk für den Erzbischof

Der Kurienerzbischof kritisiert ebenso einen überzogenen Kapitalismus („Finanzmanager bringen Chaos in den Finanzmarkt mit grauenhaften Folgen für die Menschen“), weltweiten Organhandel („Kinder werden entführt, verstümmelt, getötet“) oder die Lebensmittelindustrie („Leben und Gesundheit der Menschen wird mit verdorbenen Lebensmitteln aufs Spiel gesetzt“) sowie schrankenlosen Egoismus der Menschen. Und warnt eindringlich: „Ohne Rückbindung an Gott zerbricht jeder Grundwertekonsens.“ Diesen benötige allerdings eine humane Gesellschaft – und das krisengeschüttelte Europa. „Die Zustimmung zu christlichen Werten ist nicht nur nützlicher, sondern geradezu unverzichtbares Element – keine Sackgasse, sondern Weg in die Zukunft“, beendet Erzbischof Georg Gänswein seinen Vortrag.

Vom „Moosangerl Trio“ aus Inzell bekommt er ein ganz besonderes Geschenk. Sie haben für den Gast aus Rom ein Stück komponiert – „Dahoam“ –, dessen Noten er bekommt. Die Generaloberin der Barmherzigen Schwestern und MK-Autorin, Rosa Maria Dick, erzählt der Münchner Kirchenzeitung, dass sich just an diesem Tag ihre Profess zum 42. Mal jährt. „Das ist wie ein zweiter Geburtstag“, lächelt die Generaloberin. Ihren wirklichen Geburtstag feiert sie einen Tag darauf, am 11. Februar, „mit meinen Schwestern, also Verwandtschaft“, wie sie verrät. Herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen! (Susanne Hornberger)


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