Die Rolle der Frau Gesellschaftliche Normalität

08.03.2021

Weltfrauentag und der Einzelhandel darf unter bestimmten Voraussetzungen wieder öffnen. Auf den ersten Blick hat das nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten aber schon. Ein Kommentar von Christian Moser.

Protestschild mit Aufschrift "Frauen verändern die Welt"
Gerade die Coronakrise hat wieder gezeigt, welche wichtigen Rollen Frauen für die Gesellschaft spielen. © IMAGO / Ralph Peters

Es war ungewohnt, als ich heute Morgen auf dem Weg ins Büro in einige Mode- oder Schuhgeschäften Licht gesehen habe. Drei Monate lang waren die Geschäfte verwaist. Keine Verkäufer, keine Kunden. Heute ein anderes Bild: Eifrig richteten die Verkäufer die Ware her, überprüften die Desinfektionsmittel und die Laufwege. Sie bereiteten sich sorgfältig auf den Verkaufsstart vor.

Nach den Beschlüssen des Bund-Länder-Treffens in der vergangenen Woche startet heute mit den Ladenöffnungen der erste Schritt zurück in die gesellschaftliche Normalität. Viele Menschen sehnen sich danach, wieder Schuhe anzuprobieren, die Qualität von Pullis wieder zwischen den Fingern zu spüren und einfach das machen zu können, worauf man gerade in diesem Moment Lust hat.

Alte Rollenbilder kommen zum Vorschein

Gesellschaftliche Normalität, das ist auch immer noch für Frauen die große Überschrift über den 8. März, dem internationalen Frauentag. Noch immer - und noch immer muss das sein. Gerade jetzt in den Zeiten der Pandemie. Durch das fast schon Dauer-Home-Office werden die Frauen schnell wieder in alte Rollenbilder zurückgedrängt. Vor allem sie kümmern sich um die schulischen Probleme ihrer Kinder, sie sorgen dafür, dass alle mit einem warmen Mittagessen versorgt sind, schmeißen den Haushalt und sind parallel dazu aber auch von ihrer Arbeitsstelle gefordert. Videomeetings oder einfach nur die tägliche To-Do-Liste im Job abarbeiten. Dass sich da viele wieder zurückgesetzt fühlen liegt auf der Hand.

Um Wege aus dieser Situation zu finden, hat der Katholische Deutsche Frauenbund KDFB in Bayern Ende vergangener Woche einen mehrtägigen Hackathon gestartet mit dem Titel „gleich ist gleich“. In fünf Themenblöcken können die Frauen ihre Ideen zur Gleichstellung der Geschlechter entwickeln. Die Ergebnisse dazu werden am Montagabend präsentiert und stehen dann auch auf der Homepage des KDFB als Videos zur Verfügung. 300 Interessierte haben an dem Hackathon teilgenommen – übrigens nicht nur Frauen.

Bemerkenswert dabei das breite Spektrum der Themenfelder: Von der Arbeitswelt über die Partnerschaft bis hin zu den Feldern Politik und Kirche. In den letztgenannten steckt besondere Brisanz. Schließlich sagen die einen: Frauen sind hier in den Führungsgremien der Kirche keine Exotinnen mehr. Die künftige Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz wird hier als Speerspitze angeführt. Die anderen sagen: eine vollkommene Gleichstellung der Geschlechter in der Kirche wird es nie geben, Weiheämter sind nur Männern vorbehalten.

Frauen sind tragende Säule der Kirche

Über dieses Thema wird vermutlich noch sehr lange akademisch diskutiert werden. Eines ist aber in der Praxis schon lange klar: Nicht nur in der Familie oder der Arbeitswelt, sondern eben auch und gerade in der Kirche sind die Frauen längst zur tragenden Säule geworden. Längst gestalten sie nicht nur mehr Kindergottesdienst oder sind als Chorsängerinnen an der Gestaltung der Messen beteiligt. Wer den Blick offen und ehrlich auf die katholische Kirche wirft, wird feststellen: Ohne die Arbeit der Frauen, würde das System Kirche längst nicht mehr funktionieren, zumindest so wie wir es kennen. Die Frauen sind bereits heute für eine funktionierende Kirchengemeinde genauso wichtig wie Männer.

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

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