Jubiläum Stiftung Bildungszentrum Gespräch in der Trambahn

16.11.2018

Diskussion an einem besonderen Ort: Abt Johannes Eckert und Claudia Delp von TÜV SÜD sprachen in der Trambahn über Mobilität und Heimat.

Claudia Delp von TÜV SÜD und Abt Johannes Eckert diskutieren in der Tram.
Claudia Delp von TÜV SÜD und Abt Johannes Eckert diskutieren in der Tram. © Kiderle

München – 20.15 Uhr an der Trambahnhaltestelle Karlstraße. Die letzten Berufstätigen und Einkäufer sind hektisch auf dem Nachhauseweg. Doch die „Sonderfahrt“-Trambahn, die dann hält, nimmt nur besondere Passagiere auf: die Besucher von „mobil & geerdet“, einem neuen Format der Stiftung Bildungszentrum des Erzbistums, die derzeit mangels eigener Räume an neuen Orten anzutreffen ist. In der Tram sollen nun zwei Gesprächspartner aus einem denkbar unterschiedlichen Umfeld diskutieren.

Auf der einen Seite Johannes Eckert (49), Abt der Abtei St. Bonifaz in München und Andechs. „Stabile Momente sind wichtig“, erklärt der Benediktiner. Ich sehe es als Privileg und große Freiheit, einen geordneten Tag zu haben, mit Zeiten für Gebet und Meditation, und eine feste Gemeinschaft – wie es unsere Ordensregel mit der ‚stabilitas in congregatione‘ vorsieht.“

„Meine Kurzstrecke geht bis Indien.“

Sein Gegenüber ist Claudia Delp, beim weltweit agierenden Konzern TÜV SÜD verantwortlich für internationale strategische Personalbeschaffung, auf Englisch „Global Recruiting and Employer Branding“. Die 34-Jährige ist den Großteil ihrer Arbeitszeit unterwegs, „meine Kurzstrecke geht bis Indien“, sagt sie. „Zuhause ist für mich, wo mein Rucksack steht.“ So erlebte es die Psychologin mit Coaching-Ausbildung schon zu Studienzeiten.

Auch wenn ein Leben im Orden für sie zu streng wäre, betont Delp, die erst kürzlich geheiratet hat, habe auch sie ihre Rituale. „Mein Mann wohnt nicht am gleichen Standort, so schicken wir uns als Erstes am Morgen und als Letztes am Abend per WhatsApp einen Gruß“, erzählt sie. Auch ihr „verständnisvoller“ Freundeskreis gebe ihr Halt, „und die Gemeinschaft mit den Kollegen vor Ort, die mir von ihrem Leben und Land erzählen“. Draußen ziehen die Pinakotheken vorbei, der Hauptbahnhof, das Maximilianeum. Moderatorin Claudia Pfrang, Direktorin der Stiftung Bildungszentrum, stellt passend zu den Orten Impulsfragen.

„Wohne bei dir selbst.“

„Wo ich bin, möchte ich gescheit sein. Geerdet zu sein, heißt für mich Demut, Humilitas, Bodenhaftung“, meint Abt Johannes. Bei den Auszeiten für Manager, die St. Bonifaz seit 20 Jahren anbiete, erlebe er oft, dass grenzenlose Mobilität und Verfügbarkeit für viele eine Belastung seien. Zu hohen Druck für die Mitarbeiter zu vermeiden, darüber mache sich auch der TÜV SÜD Gedanken, erläutert Delp. Eine ihrer Aufgaben sei es, „Anschlussmöglichkeiten für alle zu schaffen“ an das digitalisierte Berufsleben, „nicht nur für junge Hochschulabsolventen“.

„‚Wohne bei dir selbst‘, hat der heilige Benedikt gesagt. Sich selbst zu erforschen ist jenseits aller Mobilität die größte Herausforderung – auch für mich“, empfiehlt der Abt, Delp stimmt zu. Auch ihr könne es nicht schaden, sich in diesem Sinne mehr „Erdungspunkte“ zu schaffen. Dafür räumt der Benediktiner ein, dass er oft gern mobiler wäre: „Eng getaktet zwischen St. Bonifaz und Andechs zu pendeln, wie an den Hochfesten, fällt mir mittlerweile schwer.“

Nach knapp eineinhalb Stunden ist die Tram wieder an der Karlstraße angekommen. „Es sind zwei Pole auf einer Linie: Führungspersönlichkeiten, die vieles ableisten, jeder auf seine Weise“, resümiert eine Teilnehmerin über die Redner. Ihr Mann war schon oft bei den Managerseminaren von Abt Johannes. An der Diskussion in der Tram hat ihr gefallen, „damit unterwegs und gleichzeitig geerdet zu sein“.

Die nächste Tramfahrt „mobil & geerdet“ zum Thema „Heimat“ findet am Donnerstag, 28. Februar 2019, um 20.15 Uhr mit der sorbischen Sozialpsychologin Professor Beate Mitzscherlich statt. Mehr Infos findet ihr hier.

Die Autorin
Karin Basso-Ricci
Münchner Kirchenzeitung
k.basso-ricci@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© Kiderle

"Walk & Talk" in Freising Bildung to go

Dass eine differenzierte schulische Förderung von Kindern und Jugendlichen möglich ist, um gerechte Bildungschancen zu bieten, konnte man bei "Walk & Talk" erleben - ganz entspannt bei einem...

11.02.2019

Claudia Pfrang ist Direktorin der Stiftung Bildungszentrum.
© Kiderle

Jubiläum im Erzbistum München und Freising 50 Jahre Stiftung Bildungszentrum

Die Stiftung Bildungszentrum der Erzdiözese im Freisinger Kardinal-Döpfner-Haus feiert ihr 50-jähriges Bestehen. Direktorin Claudia Pfrang blickt anlässlich des Jubiläums zurück, aber auch nach vorn,...

13.11.2018

Abt Johannes Eckert mit seinem neuen Buch.
© Kiderle

Buchveröffentlichung Abt Johannes Eckert über starke Frauen im Markus-Evangelium

Der Abt von Sankt Bonifaz in München und Andechs, Johannes Eckert, beschäftigt sich in seinem neuen Buch "Steht auf!" mit sechs namenlosen Frauen im Markus-Evangelium. Darin stellt er stellt kritische...

21.08.2018

Ein Turm des Doms Mariä Geburt in Freising durch Torbogen gesehen.
© SMB

Größte kirchliche Baustelle Deutschlands Baukran wird am Freisinger Domberg aufgestellt

60 Meter hoch wird der Baukran sein, der auf dem Domberg aufgestellt wird. Für die Montage wird ein imposantes Gerät benötigt.

01.08.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren