Vatikan-Papier zu Pfarreien Gespräche zu verweigern ist destruktiv

03.11.2020

Über die Instruktion zu Pfarreireformen wollen die Bischöfe im Vatikan mit deutschen LaInnen der katholischen Kirche nicht reden. Warum eigentlich nicht? Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrats in der Region München, sucht nach Antworten.

Verschränkte Arme
Für Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrats in der Region München, ist klar: Wir müssen reden! © oliviaelisa92 - stock.adobe.de

Man stelle sich vor, in einer Problemlage darum zu bitten, weitere Gesprächspartner mitbringen zu dürfen. Und dies dann verweigert würde ohne inhaltliche Begründung. Wer würde das nicht als Affront und als Machtdemonstration empfinden? Der Hinweis, die Instruktion wende sich an die Bischöfe, und insofern seien auch nur sie Gesprächspartner, ist ein rein formales Argument. Inhaltlich wird auf die Bitte um einen erweiterten Gesprächskreis leider an keiner Stelle eingegangen.  

Angst vor Debatten? 

Hier zeigt sich: Die Hoheit darüber, wer an Gesprächen teilnehmen darf und wer nicht, ist eine Machtfrage. Nirgendwo wurde dies deutlicher als in den Sitzungen des 2. Vatikanischen Konzils. Laien und insbesondere Frauen durften nicht mitberaten oder gar mitentscheiden, aber immerhin hatten einzelne Persönlichkeiten einen Beobachterstatus erhalten. Sind wir sogar dahinter wieder zurückgefallen? 

Ist es eine zunehmende Gereiztheit und Nervosität im Vatikan bezüglich der Reformdebatten im Land der Reformation, die sich da Bahn bricht? Denn es häufen sich seit einiger Zeit die kritischen Beiträge aus Rom. Allein seit der Ankündigung des Synodalen Wegs gab es vier weitere neben der oben genannten Instruktion. Sollte diese Nervosität der Grund sein, wäre die Gesprächsverweigerung umso unverständlicher. Denn es kann nur antirömische Effekte fördern, wenn sich hier der Eindruck verfestigt, die Kardinäle in Rom hätten Angst vor unseren Debatten. 

Kirche ist auf Ehrenamtliche angewiesen 

Oder glaubt man in Rom, man müsse vorab die Bischöfe disziplinieren, und damit bekäme man auch die Debatten im Volk wieder in den Griff? Das würde bedeuten, dass man die Entwicklungen in der deutschen Kirche, insbesondere seit der Würzburger Synode, in deren Folge Ehrenamtlichen-Gremien ausgehend von den Pfarrgemeinderäten implementiert wurden, nicht wirklich wahrgenommen hätte. In Deutschland verwischt sich nun mal die scharfe Trennlinie zwischen einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft und die einer monarchisch-hierarchischen Kirche immer stärker. Dies mag manch einer bedauern, es aber nicht wahrzunehmen wäre ein Sich-der-Wirklichkeit-verweigern.

Wir werden in Deutschland zukünftig immer mehr auf ein Mittun der Ehrenamtlichen in der Kirche angewiesen sein. Auch Bischöfe haben schon ihre Sorgen formuliert, was es denn für den Fortbestand der Pfarreien bedeuten mag, wenn den LaiInnen Mitsprache und Mitverantwortung weiterhin aus Rom verweigert wird. 

Kommunikation ist das Problem 

Oder hat uns Rom sozusagen schon aufgegeben? Aus römischer Sicht im Sinne von: es lohnt sich einfach nicht mehr, mit LaiInnen in Deutschland zu reden? Das erscheint am wenigsten vorstellbar, zumal infolge der Aufdeckung der Missbrauchsskandale ähnliche Diskussionen auch in anderen Ländern im Gange sind, zum Teil durchaus beeinflusst vom deutschen Synodalen Weg. 

Kommunikation ist das große Problem zwischen Rom und der deutschen Kirche. Das ist an dem Beispiel nochmal sichtbar geworden. Jede Gesprächsverweigerung ist destruktiv. Welche Konsequenzen sollten wir also daraus jetzt ziehen? Die schlechteste Variante wäre, die Absage einfach kommentarlos zu akzeptieren. Sollen die beiden VertreterInnen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) tatsächlich zuhause bleiben und die Bischöfe im ersten Gespräch aber auf deren Beteiligung dringen? Oder besser trotzdem mitfahren, um ein Zeichen zu setzen und zeit- und ortsnah bei sich doch ergebenden Möglichkeiten auftreten zu können? Für welchen Weg sich auch entschieden wird, eins ist klar: Wir müssen reden! (Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrats in der Region München)


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