Hospizarbeit Gestorben wird erst ganz zum Schluss

13.05.2019

Eltern mit schwerkranken Kindern sind oft in ihrer schwierigen Lebenssituation gefangen. Der Malteser Kinderhospizdienst will diesen Teufelskreis durchbrechen.

v.l.: Hannelore Rauscher, Tobias Nadolski, Brigitte Nadolski © SMB/Hasel

München – Nur kurz die Wohnung verlassen, um im Supermarkt um die Ecke eine Tüte Milch zu kaufen: für Brigitte Nadolski ist das nicht möglich. Ihr Sohn Tobias braucht Intensivpflege rund um die Uhr. Der 21-jährige leidet seit seiner Geburt an einer Muskelkrankheit und kann nicht selbstständig atmen. Vom Beatmungsgerät führt eine Kanüle in seine Luftröhre. Sobald die Kanüle falsch liegt, kann Tobias akut Atemnot bekommen, erklärt Brigitte Nadolski. Sie müsse deshalb immer in Hör- und Sehweite sein. Tagsüber geht sie zur Arbeit, abends und am Wochenende trägt die Münchnerin aber die gesamte Pflegelast. Und auch Durchschlafen ist für die alleinerziehende Mutter keine Selbstverständlichkeit. Nachts werde Tobias zwar von Pflegekräften überwacht, die seien aber oft schlecht ausgebildete Mini-Jobber, denen sie unter Umständen helfen müsse.

Raus aus dem Alltagstrott

Trotz der enormen psychischen Belastung schafft es Brigtte Nadolski immer wieder aufs Neue, mit der schwierigen Situation zurecht zu kommen. Eine ehrenamtliche Hospizhelferin der Malteser hilft ihr dabei. Mit ihr telefoniert sie regelmäßig und tauscht sich aus. Sie unternehmen etwas zusammen, damit Brigitte Nadolski wenigstens für ein paar Stunden ihren Alltagstrott hinter sich lassen kann. Sie genieße die Momente, in denen sie ohne ihren Sohn im Schlepptau unterwegs ist. Da könne sie sich frei bewegen und müsse sie nicht überlegen, wie man mit Rollstuhl in ein Gebäude hineinkommt. Für Brigitte Nadolski ist die Hospizhelferin vor allem eine Ansprechpartnerin, die ihr den Tunnelblick nimmt und Hinweise gibt, was sie anders machen kann, damit es ihr besser geht. Aber auch bei den Ausflügen zu dritt ist die Ehrenamtliche eine wichtige Stütze. Sie schaut nach barrierefreien Zugängen oder dem rollstuhlgerechten Platz im Zug.

Lebensfreude genießen

Das Leben für die Betroffenen so angenehm und leicht wie möglich zu machen, sei die Hauptaufgabe des Malteser Kinder- und Jugendhospizdienstes, bestätigt Hannelore Rauscher, die die ehrenamtlichen Mitarbeiter koordiniert. Der Tod spiele dabei keine Rolle. „In der Zeit, in der wir in der Begleitung sind, geht es ums Leben, und gestorben wird einmal ganz zum Schluss“, sagt Rauscher mit Nachdruck. Diese positive Einstellung färbt auch auf Familie Nadolski ab. Sie freut sich schon auf Pfingsten, wenn es mit den Maltesern auf große Reise geht. Bereits zum zweiten Mal fahren sie mit bei der Wallfahrt nach Lourdes. „Es ist auf jeden Fall bereichernd“, betont Brigitte Nadolski. Ohne die Unterstützung des Malteser Kinder- und Jugendhospizdienstes würde ihr schon etwas fehlen. Und als ob er die Meinung seiner Mutter bestätigen möchte, lächelt Tobias plötzlich für einen kurzen Moment.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de


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