Zwischenbilanz bei Online-Diskussion Geteiltes Echo zum Synodalen Weg

10.12.2020

Keine konkreten Konsequenzen oder erfolgreiches Reformprojekt? - über den Synodalen Weg der katholischen Kirche gibt es unterschiedliche Meinungen.

Regionalkonferenz Synodaler Weg in München
Eine der Regionalkonferenzen des Synodalen Wegs fand vor kurzem in München statt. © Synodaler Weg

Freiburg - Auf ein geteiltes Echo stößt der bisherige Verlauf des Synodalen Weges. Bei einer online-"Zwischenbilanz" in Freiburg sagte der Tübinger Kirchenrechtler Bernhard Sven Anuth am Mittwoch, dass das katholische Reformprojekt keine konkreten Konsequenzen hat. Dagegen verteidigte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, das Vorhaben: Es sei nicht überflüssig, nicht erfolglos und auch nicht "bereits jetzt im Sande verlaufen". Der französische Bischof Didier Berthet wünschte dem Synodalen Weg für die weitere Arbeit "Treue zum Evangelium, Kreativität und Barmherzigkeit". Der Weg sei wichtiger als dessen Ergebnisse.

Jurist äußert Unverständnis

Anuth stellte die Frage, wozu und mit welcher Perspektive zwei Jahre beraten werde. Am Ende gebe es keine Kirchenreform. Der Wissenschaftler sagte, die Kirche in Deutschland könne von Papst Franziskus keine Hilfe erwarten, nachdem dieser vor zwei Wochen nochmal Kritik an dem Projekt wiederholt habe. Der Jurist äußerte Unverständnis, warum der Eindruck von verbindlichen Ergebnissen geweckt worden sei. So würden Erwartungen enttäuscht und das sei verantwortungslos. Anuth warf die Frage auf, ob engagierten Christen zugemutet werden könne, für das Projekt Zeit und Energie aufzuwenden.

Drei Arten von Voten

Sternberg sieht die Voraussetzung dafür, dass nicht nur geredet werde, in Voten am Ende der Beratungen. Beschlüsse müssten auch dann verabschiedet werden, wenn sie nicht in Deutschland umgesetzt werden könnten. Er nannte drei Arten von Voten: Die ersten könnten vor Ort realisiert werden, andere hätten einen "römischen Vorbehalt" und müssten dem Vatikan vorgelegt werden. Die letzte Gattung Beschluss könne nicht einmal Rom, sondern nur ein Konzil beantworten. Dafür sei es wichtig, jetzt zu diskutieren. Es könne nicht ein Konzil einberufen und dann darüber nachgedacht werden, was besprochen werden solle.

Ernsthafter Dialog

Berthet, der zu den Beobachtern des Synodalen Weges gehört, bezeichnete die erste Vollversammlung in Frankfurt als "schöne Erfahrung". Beeindruckt haben ihn demnach die Fähigkeit zum ernsthaften Dialog und die bunt gemischte Zusammensetzung der Versammlung. Die Kirche sei vor allem das Volk Gottes, was Gleichberechtigung der Christen und Synodalität bedeute. Beim Synodalen Weg beraten Bischöfe und Laien über die Zukunft kirchlichen Lebens und wollen nach dem Missbrauchsskandal verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Die Initiative, die es in dieser Form noch nie gab, behandelt in vier Foren die Themen Sexualmoral, priesterliche Lebensform, Macht und Gewaltenteilung sowie die Rolle von Frauen. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

Das könnte Sie auch interessieren

Laptop mit laufender Videokonferenz

Kirchlicher Reformdialog wird als Videokonferenz fortgesetzt

Abermals betritt der Synodale Weg wegen Corona Neuland - diesmal in Form einer zweitägigen Videokonferenz. Die könnte spannend werden.

26.01.2021

Synodalversammlung: Menschen sitzen an Tischen
© Synodaler Weg/Malzkorn

Ein Jahr Synodaler Weg - Katholikenkomitee zieht Zwischenbilanz

Vor einem Jahr setzten katholische Bischöfe und Laien den Synodalen Weg in Gang. Mit Elan begann der Dialog zur Zukunft kirchlichen Lebens. Doch Corona und Missbrauchsskandal sorgen für Ernüchterung....

18.12.2020

Menschen sitzen mit Abstand an Tischen
© Synodaler Weg/Walter Wetzler

Nächste Vollversammlung verschoben

Im Februar 2021 wollten sich die Mitglieder des Synodalen Wegs in Frankfurt treffen. Doch die Corona-Pandemie verändert die getroffenen Planungen. Weitergearbeitet wird trotzdem.

19.11.2020

Armin Laschet und Papst Franziskus
© imago images / Independent Photo Agency Int.

Warum sich Deutsche beim Papst die Klinke in die Hand geben

Fünf Bischöfe, zwei Politiker, ein Botschafter - Zwischen Franziskus und "den Deutschen" scheint es Verständigungsbedarf zu geben.

19.10.2020

© Synodaler Weg

Katholiken debattieren über Sexualität und Frauen

Corona stellt auch den Synodalen Weg der katholischen Kirche vor neue Herausforderungen, nun wurde der Reformprozess an fünf Orten fortgesetzt. Bei der Konferenz in München diskutierten Bischöfe und...

04.09.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren