Primizfeier Getragen vom Glauben und einer Welle der Sympathie

28.06.2021

Am Samstag zum Priester geweiht, am Sonntag der erste Gottesdienst: In seiner Heimatgemeinde Zolling feierte Neupriester Stefan Schmitt unter freiem Himmel seine Primiz.

Stefan Schmitt mit Ministranten am Altar
Neupriester Stefan Schmitt feiert seine Primiz in Zolling. © Riffert

Zolling - Der 27. Juni ist ein herrlicher Sommertag ohne Regen, Gewitter oder Schwüle. Nach den vorangegangenen Wetterkapriolen im Vorfeld der Primizfeier von Stefan Schmitt hätte man nicht unbedingt darauf wetten können. Denn gutes Wetter braucht es für einen Gottesdienst unter freiem Himmel. Nur auf dem Kirchvorplatz und zusätzlich den benachbarten Grundstücken kann eine große Zahl an Menschen corona-konform mitfeiern. Und so haben mehrere hundert Personen ihren Platz eingenommen, darunter auch viele Jüngere.

Alles ist gut vorbereitet und der Platz mit Blumengestecken schmückt. Dann läuten um 10 Uhr die Glocken und viele Köpfe drehen sich suchend um. Wo ist er denn? Als die Glocken nur noch leise nachhallen, hört man eine Blaskapelle näherrücken. Sie begleitet den Festzug mit Priestern, Diakonen, Ministranten und nicht zuletzt dem Primizianten. Ehrengäste wie Landrat Helmut Petz, Bürgermeister Helmut Priller und die Angehörigen von Stefan Schmitt sitzen bereits auf ihren Plätzen.

Außergewöhnliches Ereignis

Eine Primiz ist auch in einer katholisch geprägten Landgemeinde wie Zolling ein außergewöhnliches Ereignis. Die letzte Primiz liegt schon 59 Jahre zurück, wie Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marianne Littel-Wöhrl erklärt. Damals feierte hier Edelbert Hörhammer, später Abt von Kloster Ettal, den ersten Gottesdienst nach der Priesterweihe. Daran können sich nur noch die Ältesten erinnern. „Es ist eine Freude, dass Stefan heute Primiz feiert“, strahlt Pater Ignatius Kullu, Leiter des Pfarrverbands Zolling, in seiner Begrüßung. Dann wendet er sich direkt an den Primizianten: „Du bist damals schon immer hierhergekommen, um Gott zu begegnen. Ich konnte selbst miterleben, wie du diesen gnadenreichen Weg gegangen bist.“ Pater Ignatius dankt Rosemarie und Ludwig Schmitt, den Eltern des Primizianten, die ihren Sohn im Glauben erzogen hätten. Applaus regt sich und manch erste Rührung.


Gutes Miteinander im Pastoralkurs
„Ich bin eine Studienkollegin von Stefan Schmitt. Im Pastoralkurs hatten wir immer ein sehr gutes Miteinander. Letzte Woche war die Aussendungsfeier der Pastoralassistentinnen und Pastoralassistenten. Dabei waren auch unsere Kollegen, die gestern die Priesterweihe empfangen haben. Gestern waren wir dabei und heute haben wir uns auf die Primizfeiern verteilt.“
Franziska Kleißl


Dann darf Stefan Schmitt das Wort ergreifen. „Schee, dass ihr alle da seids“, begrüßt er im Heimatdialekt die Gemeinde und man meint, bei ihm noch eine gewisse Anfangsnervosität zu spüren. Doch die liturgische Reihenfolge hat er gut im Blick und man spürt in kleinen Gesten, etwa gegenüber den Ministranten, dass er auch an diesem ganz besonderen Tag in gutem Kontakt mit den Menschen um sich herum ist. Die Predigt in der Primizfeier hält David Theil. Der Dekan von München-Innenstadt war der geistliche Begleiter Stefan Schmitts während der Ausbildung. Theil erklärt das Evangelium vom Emmausgang so, dass Christus mit allen Menschen mitgehe: „Der Emmausweg ist ein therapeutischer Weg: Jesus fragt uns: Wo ist deine Verwundung? Wo ist deine Angst? Und dabei lässt er uns erkennen, dass wir die Heilung schon in uns tragen, wie die Emmausjünger, denen in der Begegnung mit Jesus das ‚Herz brannte‘.“ Theil plädiert für eine dialogfähige Kirche, den synodalen Weg und dafür, jeden bedingungslos so anzunehmen, wie er ist.

Glückwünsche und Segen

Nach der Eucharistiefeier bringt Pfarrgemeinderatsvorsitzende Marianne Littel-Wöhrl die Verbundenheit der Gemeinde zum Ausdruck und verweist auf deren Geschenk: eine Albe, die Stefan Schmitt bereits trägt. Bürgermeister Helmut Priller übergibt einen Geschenkgutschein der Gemeinde und weist auf einen Gemeinderatsbeschluss hin: aus Anlass der Primizfeier soll in Rücksprache mit der Pfarrei eine künstlerisch gestaltete Granit-Stele errichtet werden. Landrat Helmut Petz zieht Parallelen zwischen den Aufgaben eines Seelsorgers und eines Politikers: „Wir müssen uns beide für die Bewahrung der Schöpfung engagieren.“ Schließlich bedankt sich Stefan Schmitt den Anwesenden. Er freue sich, dass so viele Menschen mitfeierten und dadurch für die Kirche einstünden.


Koch-, Gebets- und Weggemeinschaft
„Stefan Schmitt und ich hatten in Waldram eine Koch- und Gebetsgemeinschaft während seiner Ausbildungsphase in Wolfratshausen. Ich freue mich sehr, dass auch er nun die Priesterweihe empfangen hat und dass wir seine Primiz mitfeiern können.“
Jaime-Pasqual Hannig, Kaplan in Wolfratshausen

„Stefan ist ein ganz feiner Mensch, dem ich von Herzen Gottes Segen für seinen Weg als Seelsorger wünsche.“
Christian Horak, Diakon in Wolfratshausen

„Ich wünsche Stefan Schmitt, dass er in seiner künftigen Arbeit als Seelsorger für die Menschen von ihnen auch ganz viel zurückbekommt.“
Gabriele Seidenader, Pastoralreferentin in Wolfratshausen


Nach dem Schluss-Segen nutzen noch viele die Möglichkeit, sich von Stefan Schmitt oder dem weiteren anwesenden Neupriester Tobias Pastötter einen Einzelsegen geben zu lassen. Die Schlangen dabei sind lang. Manche beobachten gerührt, wie der Primiziant seine Großmutter segnet.

Nachgehende Seelsorge

Doch dann unterbricht er die Segens-Arbeit und geht vom Kirchplatz weg hinüber zum Rotkreuz-Wagen, vor dem eine Frau behandelt wird. Sie ist zuvor gestolpert und hat sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen. Stefan Schmitt will nach ihr schauen und fragt, wie es ihr geht. So eindrucksvoll erlebt man eine im sprichwörtlichen Sinn nachgehende Seelsorge wohl nur selten. Dass der 26-jährige Neupriester dorthin eilt, wo er womöglich dringender gebraucht wird, ist eine Nachricht, die sich schnell herumspricht. Schon folgen ihm die ersten Gemeindemitglieder zu den Sanitätern. Und kurz darauf gibt es wieder Einzelsegnungen, diesmal direkt vor dem Rotkreuz-Wagen.

Wer dem jungen Priester in seiner Heimatgemeinde wieder begegnen will, hat bald Gelegenheit dazu. Stefan Schmitt wird sowohl in Zolling als auch in seiner Ausbildungs-Gemeinde Wolfratshausen Urlaubsvertretungen der Priester übernehmen. Ab September ist er dann der neue Kaplan in Neumarkt St. Veit im Landkreis Mühldorf. (Gabriele Riffert)


Ein Apfelbaum als Geschenk

„Wir sind Freundinnen der Eltern von Stefan Schmitt und kennen ihn seit langem. Es passt zu ihm, dass er Priester geworden ist und wir freuen uns mit ihm und seiner Familie. Wir haben ein Apfelbäumchen als Geschenk für ihn dabei.“
Irene Pfab und Kathrin Angermayr

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Priester

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