Impuls von Max Kronawitter Gewissen als Navi

18.11.2018

Die Stimme des Gewissens ist unser persönliches Navigationsgerät, mit dem uns Gott ausgestattet hat, meint Max Kronawitter. Warum, erläutert der Theologe und Filmemacher hier.

Viele Autofahrer verlassen sich voll und ganz auf ihr Navi. Das kann mitunter gefährlich sein.
Viele Autofahrer verlassen sich voll und ganz auf ihr Navi. Das kann mitunter gefährlich sein. © Patrick Daxenbichler – stock.adobe.com

Seit ich ein Navi besitze, hat sich mein Nachhauseweg geändert. Kurz vor dem Ziel leitet mich mein elektronischer Reiseführer durch ein Wohngebiet: eine Abkürzung. Die Zeitersparnis beträgt circa eine Minute. Vor einiger Zeit bin ich dieselbe Strecke als Beifahrer meiner Frau gefahren. Erstaunt darüber, dass sie die längere Strecke über die Hauptstraße wählt, habe ich nach dem Grund gefragt. „Was müssen die armen Anwohner hier ertragen, nur weil jeder jetzt so ein Kästchen im Auto hat!“, war ihre Antwort.

Hauptroute statt Spielstraße

Navigationssysteme haben aus einer Anwohnerstraße eine frequentierte Durchgangsstrecke gemacht. Was einmal eine Spielstraße war, ist für viele, die, ohne nachzudenken, der Stimme eines Routenplaners folgen, zur Hauptroute geworden. Für die Anwohner ist es nun mit der Ruhe vorbei. Seit wenigen Jahren rauschen fremde Autos an ihren Gartenzäunen vorbei.

Unreflektiert den Anweisungen seines Navigationssystems zu folgen, kann mitunter auch zu recht gefährlichen Situationen führen. In Köln endete eine Fahrt im Rhein, nachdem ein Verkehrsteilnehmer bei Nebel zum Abbiegen aufgefordert worden war. Dazu passt eine Zeitungsnotiz, die mich kürzlich verblüfft hat: „Nicht nach Navi fahren!“, war auf dem Spruchband eines Fahrzeugs der Autobahnmeisterei zu lesen. Eine veränderte Straßenführung hatte die ungewöhnliche Warnung nötig gemacht. Wer den Anweisungen seines Routenplaners folgte, konnte zum Geisterfahrer werden. Ein Beispiel, das sehr eindrücklich zeigt, wie fatal es sein kann, unkritisch dem elektronischen Führer zu folgen.

Max Kronawitter ist katholischer Theologe und Filmemacher. © privat

In diesem Jahr wird besonders der Mitglieder der Weißen Rose gedacht, die vor 75 Jahren am Schafott endeten, weil sie nicht gemacht haben, was ihnen ein System eingeredet hat. Sie haben sich von ihrem kritischen Geist nicht abbringen lassen, als Millionen Mitbürger einer Stimme gefolgt sind, die in die Irre geführt hat. Es war das Anliegen der Widerstandsgruppe, aufzurütteln und andere auf den rechten Weg zurückzuführen. Ihre Flugblätter waren Warnschilder. Weil ihr Alarm aber kaum Gehör fand, wurde ein ganzes Volk zum Geisterfahrer, dem Millionen zum Opfer fielen.

Stimme des Gewissens als persönliches Navi

Mögen Systeme, wie immer sie geartet sind, versuchen, uns die Richtung zu weisen. Der innere Kompass ist damit nicht überflüssig. Ganz im Gegenteil. Die Stimme des Gewissens ist unser persönliches Navi, mit dem uns Gott ausgestattet hat.


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