Ein Jahr in Ecuador Glaubensgeschwister im Partnerland

01.09.2017

Caroline Auer berichtet über ihren Freiwilligendienst in Ecuador. Ein Höhepunkt war der Papstbesuch. Bei dem spielte sie eine besondere Rolle.

Caroline Auer (links) mit Afro-Ecuadorianern in traditioneller Kleidung
Caroline Auer (links) mit Afro-Ecuadorianern in traditioneller Kleidung © privat

Im August 2014 ging für mich ein lang ersehnter Traum in Erfüllung: Ich durfte für ein Jahr nach Ecuador, um im Partnerland der Erzdiözese München und Freising einen internationalen Freiwilligendienst zu leisten. Die ersten Wochen verbrachte ich in Quito, der Hauptstadt Ecuadors, bei meiner Gastfamilie, in der ich mit der Kultur, der Sprache und der Umgebung vertraut gemacht und gleich in die Familie aufgenommen wurde. Ich hatte in kurzer Zeit eine richtige Heimat geschenkt bekommen.

Nach dieser behüteten Zeit zog ich in den Norden Quitos. Meine Einsatzstelle war an der Ecuadorianischen Bischofskonferenz im Büro der Nationalen Jugendarbeit. Von dort aus organisierten wir mehrere Treffen, und ich durfte in den verschiedenen Pfarreien und Diözesen im ganzen Land in der Jugendarbeit, bei Gottesdiensten, Jugendleitertreffen und Wallfahrten mitarbeiten. An eine meiner ersten Arbeitsfahrten kann ich mich noch sehr gut erinnern: Ich fuhr mit dem Bus ganz in den Süden nach Loja. Statt im Voraus zu buchen, geht man einfach zum Busbahnhof und kauft sich für wenige Doller ein Ticket, um so durch das halbe Land zu reisen.

Viele Stunden verbrachte ich in diesem Jahr in den verschiedensten Bussen. So auch auf dem Weg nach Loja. In knapp zwölf Stunden erlebt man so einiges: An den meisten Haltestellen stiegen Menschen ein, um ecuadorianische Leckereien, Getränke oder CDs zu verkaufen, oder sie tanzten und sangen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Der Papstbesuch war ein Höhepunkt

Zwei Höhepunkte durfte ich Ende des Jahres erleben: Zum einen war da der Papstbesuch, für den in der Bischofskonferenz viel vorbereitet wurde. Eine große Ehre war für mich, als ich mit Ecuadorianern die Gaben zum Altar bringen und so dem Papst als Vertreterin der Partnerschaftsdiözese München und Freising ganz nahe sein durfte.

Das zweite Highlight war ein paar Tage vor meiner Rückkehr nach Deutschland. Ein ganzes Jahr haben wir aus dem Jugendbüro gemeinsam mit einer Kommission aus Jugendlichen, Verantwortlichen der Pfarreien, Priestern und Bischöfen die nationale Jugendwallfahrt vorbereitet. Mit rund 13.000 Jugendlichen aus dem ganzen Land waren wir zu Gast in der Küstenstadt Manta. Alle Jugendlichen fanden eine Gastfamilie, bei denen sie für fünf Tage ein Zuhause hatten. Wir trafen uns in den Pfarreien der Stadt zu Katechesen, Anbetungszeiten und Gottesdiensten. Immer wieder kamen wir am Strand zusammen – zu einer Lichterprozession, zur Vigilfeier oder zum Abschlussgottesdienst.

Ein Erlebnis, das das Herz berührte

Es war ein Erlebnis, das das Herz berührte: Tausende Jugendliche, die ihrem Glauben Ausdruck verliehen, ins Gespräch darüber kamen, sich in den Armen lagen und sich in Jesus Christus verbunden wussten. Diese Tage waren für mich besonders intensiv, da alle Menschen, die ich in den verschiedenen Regionen des Landes kennen und lieben lernen durfte, versammelt waren, und das kurz vor meiner Rückkehr nach Deutschland. Ich durfte meinen Dank aussprechen, mich von allen verabschieden und die besten Grüße aus München übermitteln – und das alles beim großen Abschlussgottesdienst. Ein Erlebnis der besonderen Art!

Ich war immer wieder gerührt von der Gastfreundschaft, die mir entgegengebracht wurde. Im Amazonasgebiet durfte ich für ein paar Tage im Regenwald eine Gemeinschaft besuchen und mit Familien zusammen sein, die von und mit der Natur leben, die dankbar sind für das, was sie zum Leben beziehungsweise Überleben haben, und die das alles auch noch mit ihren Gästen (wie mir) teilen. Es waren Begegnungen, die mein Herz berührten.

Internationaler Freiwilligendienst der Erzdiözese München und Freising
Einsatzländer: Argentinien, Bolivien, Ecuador
Dauer des Dienstes: 12 Monate
Alter der Freiwilligen: 18 bis 28 Jahre zum Ausreisezeitpunkt (August)
Bewerbungsschluss: 31. Oktober
Art der Tätigkeiten: zum Beispiel Kinderbetreuung, Englischunterricht, Computer- und Musikkurse, Garten- und Farmarbeit, Unterstützung der indigenen Bevölkerung bei Bautätigkeiten sowie der Vermarktung und Herstellung von Lama-Produkten, Mithilfe in einem Gesundheitszentrum und bei Pfarrei-Veranstaltungen

Ich traf in der Küstenregion, in der Amazonaswelt und im Andengebirge sowie auf den Galapagos-Inseln Menschen, die mich mit offenen Armen aufnahmen, mir Heimat gaben und mich mit viel Gastfreundschaft beschenkten. An verschiedenen Stellen konnte ich eine Unterstützung sein, doch es war vielmehr ein Miteinander, ein gegenseitiger Austausch und ein Lernen voneinander.

Diese Zeit, für die ich unendlich dankbar bin, hat meinen Lebens- sowie Glaubensweg nachhaltig geprägt. Seit über 55 Jahren lebt die Partnerschaft der Erzdiözese München und Freising mit der katholischen Kirche Ecuadors von geschwisterlichen Treffen in Deutschland und Ecuador, vom Freiwilligendienst und vielem mehr. Ich denke, es ist wichtig für uns als Erzdiözese, den Blick zu weiten und immer wieder in Kontakt zu treten mit unseren Glaubensgeschwistern im Partnerland, füreinander da zu sein und sich gegenseitig mit all der Vielfalt zu bereichern. Die Freude, die Liebe und die Gastfreundschaft der Ecuadorianer haben mein Jahr bereichert. Ich wünsche und hoffe, dass auch sie immer wieder bei uns in der Erzdiözese Freude, Liebe und Gastfreundschaft erfahren dürfen und sich hier beheimatet fühlen können. (Caroline Auer)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Freiwilligendienst

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