Persönliches Gottesbild Glaubensverlust als Lebenskatastrophe

09.11.2016

Wie stellen Sie sich Gott vor? – Unter diesem Motto steht die Kampagne des Katholischen Medienverbandes. Sein eigenes Gottesbild kommentiert Wolfgang Oberröder.

Prälat Wolfgang Oberröder lehrte als Professor für Gemeindepastoral an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und ist nun Seelsorger im Kreszentia-Stift in München. © SMB/KSchmid

Wer ist Gott für mich – und das nach über 70 Lebensjahren und nach über 40 Jahren im priesterlichen Dienst? Natürlich könnte ich theologisch und philosophisch argumentieren, zum Beispiel vom Tremendum und Fascinosum sprechen. Damit ist zum Einen die Rede vom unbegreiflichen und auch furchterregenden Gott gemeint. Das Gegenstück hierzu ist der in seiner Erhabenheit und Heiligkeit ganz Andere und Faszinierende.

Darüber hinaus könnte ich von einem Gott sprechen, der mich durch ungeahnte Lebenswendungen immer wieder überrascht, herausfordert und in Schranken weist. Ich könnte auch von seelsorglichen Misserfolgen sprechen, wenn es mir nicht gelungen war, suchenden Menschen die Nähe ihres eigenen Gottes aufzuzeigen. Dies alles aber könnte mein eigenes Gottesbild nicht wirklich beschreiben. Erst lebensgeschichtlich betrachtet komme ich dem näher, der Gott in meinem Leben ist.

In einer traditionell katholisch geprägten Familie aufgewachsen, war für mich von Kindesbeinen an die Frage nach Gott und Glauben schon mal beantwortet. Als ich aber dann eigene Wege gehen wollte, um Priester zu werden, gab es von außen her erhebliche Widerstände. Erst um meine 20 Lebensjahre herum stellte sich für mich wirklich die Frage: Was will Gott eigentlich von mir?

Im Gegensatz zu vielen anderen Glaubensgeschichten ging bei mir die Antwort zunächst nicht von Jesus Christus aus. Vielmehr hatte ich mehr und mehr die feste innerste Überzeugung: Ich muss den Willen dessen tun, der mich wollte und geschaffen hat. Zunächst also war mir der ewige Gott näher als Jesus aus Nazareth. Durch intensive Beschäftigung mit dem Neuen Testament, hier im Besonderen mit dem Völkerapostel Paulus, kam mir Jesus als Bruder, Freund und Gott immer näher. Trotzdem litt ich und leide ich noch an manchen Wegen und Umwegen unserer Kirche. In gleichem Maß aber wuchs in mir das Vertrauen auf das Wirken des Heiligen Geistes: Er tut das Seine, wo ich nicht weiterweiß. Glaubenszweifel? Für mich gibt es nur eine Lebenskatastrophe: wenn ich meinen Glauben an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist verlöre.


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