50 Jahre Rätearbeit Glaubwürdig Kirche leben

02.03.2019

Zum 50-jährigen Bestehen der katholischen Räte erzählen Ehrenamtliche von ihrem Engagement. Diesmal erläutert Joachim Unterländer, Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern, warum Laien in der Kirche ein gesundes Selbstbewusstsein brauchen - und auch haben.

Joachim Unterländer ist Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern und Mitglied im Vorstand des Diözesanrats. © privat

Seit mehr als 25 Jahren bin ich in unterschiedlichen Gremien im Diözesanrat und Landeskomitee der Katholiken sowie dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) engagiert. In Sachausschüssen, als Vertreter des Diözesanrats im ZdK und damit im Vorstand, im Präsidium und seit fast zwei Jahren als Vorsitzender des Landeskomitees engagiere ich mich in der Rätearbeit.

Gemeinsam Kirche sein

In dieser Zeit konnte ich feststellen, dass die Bereitschaft bei den Mitgliedern, Kirche und aktuelle Lebenswirklichkeit miteinander in Einklang zu bringen, ein vorrangiges Bemühen ist. Dies bedeutet eine Weiterentwicklung unserer Strukturen auf der einen Seite, aber auch soziales und gesellschaftspolitisches Engagement auf der anderen Seite. Erfreulich ist dabei auch, dass sich gerade in letzter Zeit wieder mehr junge Menschen einbringen – und auch der Anteil der Frauen ist weit höher als zum Beispiel im politischen Leben.

Mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil ist das Ziel, gemeinsam Kirche zu sein, verbunden. Das Laienapostolat wird gerade jetzt auch stärker im Miteinander von Priestern und Laien gelebt, was angesichts der Herausforderungen für Kirche und Gemeinwesen auch dringend notwendig ist. Dies wirkt sich auch darauf aus, wie Räte agieren können. Das Selbstbewusstsein in der Arbeit, das Bekenntnis des Glaubens und die Bereitschaft, sich auf den Weg zu Veränderungen zu machen, erlebe ich bei vielen Mitstreitern.

Aufarbeitung von Missbrauch, Diakonat der Frau und „Viri Probati“ als wichtige Ziele

Dabei ist es auf diözesaner Ebene notwendig, die Seelsorgestrukturen gut mitzugestalten und die finanzielle Transparenz in den Diözesen zu begleiten. „Viri Probati“ zu erreichen bis hin zum Diakonat der Frau, das ist ein großes Ziel, das über regionale Strukturen anzustreben ist. An diesen Zielen arbeiten wir aktuell und sollten auch die Hoffnungen, die durch Papst Franziskus, unseren Kardinal und sein Team entstanden sind, aktiv in unseren Gemeinden verbreiten. Dazu gehört aber auch eine klare Aufarbeitung des Missbrauchs, der in unserer Kirche begangen worden ist.

Ich denke gerne an die guten Diskussionen und Entscheidungen im Diözesanrat, Landeskomitee und ZdK zurück, aber auch an den von der Bischofskonferenz angestoßenen Dialogprozess mit Laien und Priestern.

Als Mensch, der über Jahrzehnte in unserer parlamentarischen Demokratie in der Legislative mitgearbeitet hat und dem Laienapostolat verpflichtet ist, sehe ich gerade in einer offenen und vielfältigen Rätestruktur den besten Weg, Kirche und Glauben glaubwürdig und zukunftsfähig zu leben. (Joachim Unterländer)

In dieser Serie berichten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der katholischen Rätearbeit jede Woche Ehrenamtliche über ihr Engagement. Am Samstag, 30. März, wird das Jubiläum mit einem großen „Fest der Räte“ in München gefeiert.


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