Mit Bewegung entspannen Gönne dich dir selbst!

28.07.2017

Wer häufig unter Spannung steht, der muss dafür sorgen, dass auch immer wieder Entspannung eintritt. Pfarrer Stephan Fischbacher vom Pfarrverband Waakirchen hat für sich ein gutes Rezept dafür gefunden und verrät, was ihm hilft, im Gleichgewicht zu bleiben.

Wer seinen Körper bewegt, bekommt den Kopf frei. © Fotolia

Entspannung hat für mich ganz wesentlich die Funktion, Spannung rauszunehmen. Die Spannung zu lösen, ist für mich genauso wichtig wie unter Spannung zu stehen. Die Vielfalt und Fülle der Aufgaben und auch private Verpflichtungen und Bedürfnisse können dazu führen, dass ich mich angespannt fühle.

Als Pfarrer bin ich ein gefragter Mensch. Mein Beruf besteht unter anderem darin, den Menschen, denen ich begegne, meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken: den Eltern beim Taufgespräch genauso wie trauernden Angehörigen und engagierten Pfarrgemeinderatsmitgliedern. Die dazu nötige Konzentration nehme ich aus einer gesunden inneren Spannung, die mich in meinem Dienst unterstützt: Dazu gehört meine Motivation, meine Energie, meine Lebenskraft und mein Streben, es gut zu machen. Doch ich muss zugeben, dass ich sehr froh bin, dass man uns schon im Priesterseminar beigebracht hat, wie wichtig freie Zeiten auch für Priester sind.

Deshalb halte ich in der Regel den Montag frei, auch um rauszukommen, anderes zu sehen und Sport zu treiben oder liebe Freunde zu besuchen. Ich denke, das ist wichtig, um für die anderen Tage der Woche wieder gerüstet zu sein. Ein Satz des heiligen Bernhard von Clairaux (1090 bis 1153) ist mir dafür eine große Hilfe: „Gönne dich dir selbst! Ich sage nicht: Tu das immer. Aber ich sage: Tu es wieder einmal. Sei wie für alle anderen Menschen auch für dich da.“ Bei aller notwendigen Spannung braucht es auch die Ent-Spannung.

Eine Freizeitbeschäftigung lässt mich allerdings bestimmt nicht entspannen: das Smartphone. Es hat sich zum ständigen Begleiter entwickelt, und wie für viele andere Menschen auch ist es nicht nur notwendiges Arbeitsinstrument, sondern auch ein Zeitvertreib. Internetkonsum und Fernsehen sind zwar eine willkommene Abwechslung im Alltag, aber tragen ganz sicher nicht zur Entspannung bei. Ganz im Gegenteil: Die ständige Zufuhr von Informationen setzt mich unter Strom, nimmt mich schier gefangen. Dadurch wird die innere Anspannung jedoch eher erhöht als gesenkt.

Bewegung ist hilfreich

Wie komme ich nun von der inneren Anspannung zur Ent-Spannung? Am freien Tag hilft mir am besten: Bewegung. Ich gehe sehr gerne ins Schwimmbad, Wandern oder fahre Fahrrad. Freilich nicht den ganzen Tag, wohl aber eine gewisse Zeit. Sonst kommt bei mir die Bewegung leider häufig zu kurz. Da will ich wenigstens den freien Tag dafür nutzen. Bei diesen Sportarten komme ich ins Schwitzen. Die Muskeln werden stark beansprucht, die Pulsfrequenz erhöht sich und der Atem geht schneller. Ich merke, wie ich über die Bewegung des Körpers zu einer inneren Entspannung des Geistes und der Seele komme. Durch nichts wird die Spannung besser gelöst.

Natürlich kenne ich auch die Entspannung durch Nichtstun: zum Beispiel wenn ich am Seeufer oder am Strand in der Sonne liege. Das gehört auch dazu, finde ich, und darf seinen Platz haben. Die Ruhe genießen, nenne ich das. Aber Nichtstun allein genügt nicht. Schon Friedrich Schiller (1759 bis 1805) wusste das und gibt uns mit auf dem Weg: „Strebe nach Ruhe, aber durch das Gleichgewicht, nicht durch den Stillstand deiner Tätigkeit.“ Keinesfalls kann ein Leben nur aus Entspannung bestehen, glaube ich. Es kommt auf das richtige Verhältnis an. Ruhe und Medien, Freizeit und Arbeit sollen in einem gesunden Verhältnis stehen. Dann kann Ent-Spannung gelingen. (Stephan Fischbacher)

 

Entspannung im Erzbistum
Im Erzbistum München und Freising gibt es eine ganze Reihe von Angeboten für Menschen, die sich in ihrer Freizeit entspannen wollen. Wir haben eine kleine Auswahl zusammengestellt:
Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) hat unter dem Titel „BDKJ on Tour 2017“ eine Broschüre für junge Menschen herausgebracht, in der Ferienfahrten, Freizeitwochenenden und Jugendbegegnungen aufgelistet sind. Mehr Informationen dazu finden sich unter www.bdkj-muenchen.de
Wer am liebsten seinen Rucksack packen und losmarschieren möchte, dem sei das Internet-Angebot www.bergspiritualitaet.com ans Herz gelegt. Von Bergexerzitien über Gebirgswallfahrten bis zu Berggottesdiensten findet sich hier alles über spirituelle Angebote in den Bergen. Bergmessen sind unter www.erzbistum-muenchen.de/bergmessen aufgelistet. Infos zum Thema Pilgern finden sich unter www.erzbistum-muenchen.de/pilgerwege
Verstärkt bieten Ordenshäuser seit Jahren die Möglichkeit, für einige Zeit in der Gemeinschaft mitzuleben. Welche Männer- und Frauenorden welche Angebot für ein sogenanntes „Kloster auf Zeit“ machen, findet sich auf der Homepage des Erzbistums unter www.erzbistum-muenchen.de
Ein ganz spezielles Angebot hält der Kolping Großfamilien-Service für kinderreiche Familien mit fünf und mehr Kindern sowie Mehrlingsfamilien mit Drillingen, Vierlingen bereit. Unter www. kolping-grossfamilienservice.de gibt es zahlreiche Angebote, wie auch große Familien mal dem Alltag entkommen und so richtig Erholung finden können. Darüberhinaus erfährt man dort beispielsweise auch, wie man Individualzuschüsse zum Urlaub in gemeinnützigen Familienferienstätten beantragen kann.
In den Sommerferien bieten auch verschiedene Jugendeinrichtungen des Erzbischöflichen Jugendamts München und Freising (Jugendhaus Schwabing, Jugendzentrum Neuperlach, Jugendzentrum Haar und Schüler-/-innentreff Café Klatsch) ein abwechslungsreiches Programm. Zu finden ist es unter www.eja-muenchen.de

 

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Entspannung

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