Wandteppiche für die Abtei Frauenwörth Goldener Faden

22.11.2018

Elisabeth Lammers Lammers größtes Werk hängt seit kurzem in der Chorkapelle der Abtei Frauenwörth: die Darstellung der zwölf Demutsstufen der Benediktsregel in Form von Wandteppichen.

Elisabeth Lammers in der Chorkapelle mit beiden Wandteppichen
Elisabeth Lammers in der Chorkapelle mit beiden Wandteppichen © Mix

Beim Bildweben verbindet Elisabeth Lammers das textile Arbeiten mit der Malerei. „Dem Mischen der Farben auf der Palette des Malers entspricht beim Weben das Nebeneinander von farbigen Fäden, deren feine Nuancen sich im Auge des Betrachters zu Farbklängen verbinden“, sagt die Künstlerin aus Trostberg (Dekanat Baumburg).

Lammers größtes und gleichzeitig „Alterswerk“ hängt seit kurzem in der Chorkapelle der Abtei Frauenwörth (Dekanat Chiemsee). Dieser Raum ist den Benediktinerinnen vorbehalten und nur zu den Gebetszeiten öffentlich zugänglich. In dem hellen Raum war eine große leere Wand zu füllen, die der Künstlerin von Äbtissin Johanna Mayer zur Gestaltung übergeben wurde. Gemeinsam mit Bruder Thomas Hessler OSB vom Europakloster Gut Aich in St. Gilgen entwickelte sie eine Idee für die Darstellung der zwölf Demutsstufen der Benediktsregel in Form eines Wandteppichs.

Der größere umfasst neun Teile in verschiedenen Gelb- und Orangeschattierungen. Im Mittelbereich hat Lammers die Worte „Ich bin da für dich – hörend. Ich liebe dich. Vertraue dem Leben, denn ich bin immer bei dir“ dargestellt. Schon in den ältesten Kulturen der Welt galt das Weben Lammers zufolge als Verbindung zwischen göttlicher und natürlicher Welt. Dabei wurde die Obersprosse des Webstuhls Himmelsstange genannt und die untere repräsentierte die Erde. Für die Künstlerin ist die Berührung von Himmel und Erde der Mittelpunkt des Teppichs.

Das „Jahwe-Prinzip“

Eine weitere Verbindung dieser beiden Elemente hat sie durch eine Endlosschleife dargestellt, die das Bildganze durchzieht. Dazu kommen rechts und links flammende Seitenteile, die eine Art Säulen bilden. Ein „allumfassender“ Kreis verbindet alle neun Teile und stellt das „Jahwe-Prinzip“ dar, das sich auch in der Regel des heiligen Benedikt findet in dem Satz „ich bin da“. Die Künstlerin betont ausdrücklich: „Die Interpretation der Einzelbilder überlasse ich dem Betrachter.“ Über die textile und bildnerische Gestaltung des hellen Raumes der Chorkapelle hinaus soll der Wandteppich zur Meditation anregen, „dabei kann jeder seinen eigenen Weg beschreiten“, erklärt Lammers.

Mit den letzten drei der zwölf Teile zur Aussage „werde Mensch“ hat sie das Kunstwerk kürzlich vollendet, sie fügen sich bestens in die Chorkapelle ein. Die drei waagerechten Teppiche zeigen in leuchtend hellen Farben den „Lebensfluss hin zur Erleuchtung“, wie Lammers es beschreibt. Gleich am Eingang führt ihr Werk quasi in die Kapelle hinein und ins Licht. Sie hat in ihren Wandteppichen die Farben Gelb, Weiß und Rot, die auch in den Kapellenfenstern in Form von Flammen vorkommen, aufgegriffen. Rot steht bei ihr für das Körperhafte, Weiß für das Geistige. Die rote Farbe und damit das körperliche Leben verschwindet im Laufe der drei gewebten Teile immer mehr und geht ins helle Licht über. Ein goldener Faden steht für das Göttliche, das vom Licht zurück zum Menschen fließt, und nimmt damit auch die Farbe auf, die im Chorgestühl der Kapelle immer wieder zu finden ist.

In vielen Stunden daheim an ihrem Webstuhl und in intensiven Wochen in der Ruhe des Klosters hat Lammers in den vergangenen zweieinhalb Jahren die verschiedenen Teile gewebt. Die Ordensfrauen konnten ihr dabei immer wieder über die Schulter sehen und die Entstehung mitverfolgen. Auch Äbtissin Johanna war stets mit eingebunden und unterstützte die Künstlerin mit Ratschlägen und „zahlreichen Cappuccinos“. (Pia Mix)


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