Impuls Gott in der Hand

28.04.2019

Jedes Jahr am Weißen Sonntag erinnert sich Schwester Cosima Kiesner an ihre Erstkommunion. Sie habe dieses Geheimnis bis heute nicht erfasst, aber sie sei dankbar, dass Gott sich so klein macht.

Bei der Feier der Eucharistie wird aus einer Oblate die Hostie.
Bei der Feier der Eucharistie wird aus einer Oblate die Hostie. © stefania57 - stock.adobe.com

Jedes Jahr, wenn sich der Weiße Sonntag nähert, tauchen in mir die Erinnerungen an meine Erstkommunion auf. Die Verwandten reisten für diesen Festtag an und daheim war alles enger und turbulenter, denn sie logierten bei uns. Am Samstag holte ich mir noch eine Beule an der Stirn und am Morgen des Erstkommuniontages hatte ich Fieber. Um mich herum war an diesem Tag also ständig Trubel. Daran kann ich mich noch ziemlich gut erinnern. Auch an die Eucharistiefeier habe ich noch einige Erinnerungen: an den festlichen Einzug, die Kommunionkerze, das Aufstellen am Altar. Und dann erhielt ich zum ersten Mal dieses kleine, runde Stück Brot.

Jesus gibt sich uns zur Speise

Natürlich hatte ich im Kommunionunterricht gelernt, dass sich in der Eucharistiefeier das Letzte Abendmahl Jesu wiederholt, dass ich heute wie die Jünger damals eingeladen bin und dass Jesus selbst mir das Brot reicht. Auch war mir und den anderen Erstkommunikanten gesagt worden, dass Jesus selbst sich in der Eucharistie uns zur Speise gibt. Ich war bereit, das zu glauben. Aber kann man das verstehen?

Ich glaube, ich habe bis heute dieses Geheimnis nicht erfasst, aber immer tiefer durfte ich etwas von der Bedeutsamkeit erahnen und mein Erstaunen über Gott wuchs. Er meint es wirklich ernst damit, dass Er von sich sagt: Ich bin der Ich bin da.

Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu.
Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu. © privat

Gott hat von Anfang an in verschiedenen Zeichen seine Gegenwart kundgetan. Er war da in der Feuersäule und in der Bundeslade. Er war da im innersten Teil des Tempels und in den Richtern und Propheten. Und dann war Er da in Jesus. Wer Jesus gläubig annahm, für den änderte sich das Leben. Gott legte sich in Jesus in die Arme Mariens und gab sich der väterlichen Hand Josefs hin. Er ließ sich von den Menschen berühren und sie wurden heil. Er lieferte sich dem Urteil des Pilatus und des Hohenpriesters aus und den Händen der Soldaten. Und im Abendmahl denkt Er schon an die kommenden Generationen und wie Er sich ihnen hingibt. In Brot und Wein will Er sich in die Hände der Menschen begeben, bis heute. Gott gibt sich in dem eucharistischen Brot in meine Hände. Wie nehme ich Ihn in Empfang? Wie lasse ich Ihn, der sich mir zur Speise gibt, in mich ein? Ist da, ein wenig zumindest, Hoffnung zu finden wie bei denen, die von Jesus geheilt wurden? Ist da Vertrauen und Glauben, dass Gott in mein Leben kommen will? Ist da eine Ahnung, dass ich zu Gott gehöre, wenn ich Ihn in diesem Brot gläubig zu mir nehme?

Gott macht sich klein

Heute ist in mir eine große Dankbarkeit, dass Gott sich so klein und so einfach macht, damit sogar ich ein wenig begreife. „Herr, ich bin nicht würdig“, diesen Satz spreche ich noch heute vor jedem Empfang der heiligen Kommunion. Er aber kommt und stärkt und heilt und erfreut. (Schwester Cosima Kiesner)

Zur Autorin

Schwester Cosima Kiesner ist Theologin und Germanistin. Sie leitet des "Zentrum Maria Ward" in Augsburg und begleitet Menschen bei Exerzitien.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Erstkommunion

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