Glaubensporträt "Gott ist das Gute in unserem Sein"

13.08.2021

Christof Langer ist der neue theologische Referent im Bildungswerk Rosenheim. Lesen Sie wie ihn ein Auslandsjahr in Bolivien geprägt hat, wie er im Privatleben seinen Glauben lebt und was er sich von seiner Kirche für die Zukunft wünscht.

Christof Langer
Neben seiner neuen Tätigkeit als theologischer Referent im Bildungswerk Rosenheim wird Christof Langer weiterhin als Pastoralreferent im Einsatz sein. © Schlecker

Der Glaube spielt in seinem Leben immer schon eine wichtige Rolle. Inspiriert von der Befreiungstheologie in Lateinamerika wünscht sich Christof Langer, der neue theologische Referent im Bildungswerk Rosenheim, hierzulande von der katholischen Kirche mehr Mut zu Innovationen und Experimenten: „Die Kirche ist kein Museum. Sie muss sich weiterentwickeln.“

Langer ist verheiratet mit Pastoralreferentin Monika Langer, Vater von drei erwachsenen Kindern und wohnt zusammen mit Hühnern, Bienen und Garten in Vagen bei Bruckmühl im Mangfalltal. Geboren und aufgewachsen ist der 56-Jährige im nahe gelegenen Feldkirchen-Westerham. Der sonntägliche Kirchenbesuch war für seine Eltern eine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich war es für Langer nach seiner Kommunion auch, als Ministrant tätig zu sein. Das Gemeinschaftsgefühl und die Auseinandersetzung mit religiösen Themen im Kreis der Ministranten hat ihm so gut gefallen, dass er sich in der vierten Klasse entschloss, das Erzbischöfliche Studienseminar St. Michael in Traunstein zu besuchen.

Tiefe Verbundenheit

Natürlich hätten ihm als Bub dort zuerst einmal die vielen Möglichkeiten gefallen, die einem dort geboten wurden. „Uns stand sogar ein eigenes Schwimmbecken zur Verfügung. Wer hatte das schon zu dieser Zeit?“, erinnert er sich. Aber prägend sei etwas anderes gewesen: Durch das gemeinsame Interesse an Religion und Glauben, der Liturgie und dem Gesang sei mit den Jahren eine tiefe Verbundenheit mit seinen Mitstudenten entstanden, die bis heute anhalte: „Für regelmäßige Treffen ist bei uns allen leider keine Zeit mehr. Aber wenn wir uns sehen, ist da sofort wieder das Gefühl der Zusammengehörigkeit.“ Negatives aus dieser Zeit weiß Langer nicht zu berichten: „Ich habe mich dort immer wohlgefühlt.“

Den Plan, Pfarrer zu werden, hat der Theologe aber schließlich verworfen: „Irgendwann wusste ich, dass das nicht mein Weg ist, weil ich Frau, Kinder und Familie für mein Leben brauche.“ Also schlug Langer den Weg zum Pastoralreferenten ein. Für ein Jahr ging er nach Bolivien. Auch diese Zeit prägte ihn sehr. „Mich begeisterte dort die Befreiungstheologie. Ich fragte mich, was man daraus für uns in Deutschland lernen kann“, erzählt er. Langer war viele Jahre als Pastoralreferent in der Pfarrei Heilig Blut in Rosenheim, in der Stadtjugendseelsorge und im Gymnasium Bruckmühl tätig. Zuletzt hat er sieben Jahre im Bildungswerk in Miesbach gearbeitet.

Ja zum Leben

Auch im Privatleben von Familie Langer wird der Glaube gepflegt, aber nicht verkrampft oder starr. „Natürlich haben wir mit unseren Kindern gebetet. Aber wir haben sie nie gezwungen, einen Gottesdienst zu besuchen“, erzählt der Theologe. Heute sind Kilian, 28 Jahre, Veronika, 26 Jahre, und Leonhard, 24 Jahre, längst den Kinderschuhen entwachsen, aber Rituale wie das gemeinsame weihnachtliche Schmücken des Christbaums seien ihnen nach wie vor sehr wichtig. „Ich habe sogar das Gefühl, dass unsere Kinder da traditioneller sind als wir“, lacht er.

Kirche und Glaube gehören für Langer nicht zwingend zusammen. Und auch so manche Glaubensvorstellung hinterfragt er. „Wenn man einem Kind, dessen Eltern tödlich verunglückt sind, etwas von einem liebenden, beschützenden Gott erzählen soll, wird es schwierig“, ist seine Erfahrung. Vielmehr bedeute für ihn Glaube das „Ja“ zum Leben: „Alles erzählt von Gott – die Welt, Tiere, Pflanzen, Liebe und Beziehungen. Er ist das Gute in unserem Sein.“ Die Zeiten, in denen noch mit Hölle und ewiger Verdammnis gedroht wurde, müssen nach Langers Meinung endgültig vorbei sein: „Ich glaube nicht, dass Gott ein Sadist ist. Außerdem wäre ewige Strafe doch sowieso völlig sinnlos.“

Befreiungstheologie als Chance

Angst vor dem Tod hat der Theologe nicht. „Ich bin überzeugt, wir kommen von Gott und gehen wieder zu ihm“, erklärt er. Viel wichtiger, als sich mit dem Jenseits zu beschäftigen, sei aber das Leben im Hier und Jetzt: „Es ist unsere Aufgabe, unser Leben gut zu gestalten.“ Von der katholischen Kirche erhofft er sich den Mut, neue Wege zu beschreiten. „Es muss nicht alles verändert werden, aber man kann vieles neu denken“, meint er. In Zukunft müsse die Basis mehr mitreden können, um die katholische Kirche zukunftsfähig zu machen. Die Zeiten strenger Hierarchien seien vorbei. Was in Lateinamerika mit der Befreiungstheologie schon längst funktioniere, könne auch hier eine Chance bieten, Kirche neu zu definieren und zu leben. Dazu könne auch die Bestattungskultur zählen: „Ich bin überzeugt, auch da wird sich in Zukunft viel ändern. Ich könnte mir Gemeinschaftsgräber mit Bäumen und viel Grün als Ruhezonen mitten im Ort vorstellen, die Gelegenheit zum Gedenken bieten.“

Interessantes Programm

Im Mai dieses Jahres hat Langer die Nachfolge von Anneliese Kunz-Danhauser als theologischer Referent im Bildungswerk Rosenheim angetreten. Er arbeitet dort 25 Stunden die Woche, zudem ist er 14 Stunden in der Woche als Pastoralreferent in den Pfarrverbänden Bruckmühl und Heufeld sowie in der Grundschule Bruckmühl tätig. Viel zu tun hat er also, aber der Rosenheimer Theologe freut sich auf die neuen Herausforderungen.

Für die kommenden Monate hat er für das Bildungswerk schon ein interessantes Programm zusammengestellt. Besonders wichtig ist ihm dabei neben dem Thema „Kirche auf Reformkurs“ auch der derzeit viel diskutiere Klimawandel. „Tiere und Pflanzen, die Zukunft der Erde, hatten wir bisher theologisch zu wenig im Blick“, findet Langer. In den Pfarrgemeinden will er vor allem die Leiter von Wort-Gottes-Feiern begleiten. Für sie bietet er wöchentlich einen Grundkurs Theologie sowie eine Einführung in die Sonntaglesungen an. „Die Christen sollen sich sonntags in ihrer Kirche treffen – mit oder ohne Pfarrer!“ (Karin Wunsam, freie MK-Mitarbeiterin)


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