Impuls Gott kommt im Augenblick

25.11.2018

Ein kurzes Lächeln, ein freundliches Wort, eine spontane Idee: Das sind für Pfarrer Stephan Fischbacher Augenblicke, in denen Gott in unser Leben einbricht.

Wenn die Tage eng getaktet sind, gibt es wenig Raum für Kreativität und Besinnung.
Wenn die Tage eng getaktet sind, gibt es wenig Raum für Kreativität und Besinnung. © Elnur Amikishiyev – stock.adobe.com

Hoppala, beinahe hätte ich den Termin übersehen. Abgabe für diesen Artikel wäre gestern gewesen. Doch heute Früh hat mich die freundliche Redakteurin der Kirchenzeitung erinnert. Manchmal scheint die Zeit dahinzufliegen: Das Alltägliche fordert ausreichend, das, was dringend ansteht, muss schnell bearbeitet werden, dafür bleibt etwas anderes liegen. Besonders wenn die Tage eng getaktet sind, gibt es wenig Raum für Kreativität und Besinnung. Viele Menschen wie ich empfinden das als Druck und Belastung. Niemand von uns kann einfach nur funktionieren, dann wären wir ja wie Maschinen. Man ist in Gefahr, sich selbst zu verlieren. Bleibt da überhaupt noch Zeit für Gott?

Die Tage vor der Adventszeit sind in der kirchlichen Liturgie besonders der Wiederkunft Christi gewidmet. Wir schauen auf das Ende der Zeit, wenn Christus wiederkommt, um uns zu erlösen. Besonders im biblischen Buch der Offenbarung des Johannes spricht Gott ein Trostwort für alle, die geduldig ausharren: „Ich komme bald. Halte fest, was du hast, damit kein anderer deinen Kranz bekommt.“ (Offb 3,11).

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen © privat

Gott bricht ins Leben ein

Das Wörtchen „bald“ ist hier im Sinne von sofort oder augenblicklich zu verstehen. Seine Ankunft steht unmittelbar bevor, Gott kommt im Augenblick. In der Hektik, im Druck von Terminen und Anforderungen und da, wo es einem gerade viel zu viel wird, übersehen wir ihn leicht. Die Augenblicke sind wie feine Risse, in denen Gott ins Leben einbricht. Diese Augenblicke verstecken sich in allem, was auf uns zukommt und was uns beschäftigt: wie ein kurzes Lächeln, ein freundliches Wort oder eine spontane Idee. Für mich war die Freundlichkeit der Redakteurin ein solcher Augenblick. Ich bin mir sicher: Solche Augenblicke kommen zahlreich, und ob sie sich im Leben auswirken können, hängt davon ab, wie offen wir dafür sind.

Der nächste Satz aus der Offenbarung („Halte fest, was du hast“) ist sicher nicht materialistisch zu verstehen, als müsste man sein Vermögen bewahren. Gott ruft uns dazu auf, uns selber treu zu sein und du selbst zu bleiben. Gerade darin begegnet er uns „Sei du dein, und ich werde dein sein.“ (Nikolaus Cusanus).

Der „Kranz“ ist ein Symbol für das Leben bei Gott, das wir ewiges Leben nennen. Und es sind jene irdischen Momente, in denen wir über uns selber hinauswachsen und mit Gottes Hilfe schaffen, was uns unmöglich erschien.

Wenn ich selber auf meine Kaplanszeit zurückschaue, frage ich mich manchmal: Wie habe ich das alles geschafft: Voller Elan in der Pfarrei, Fortbildungen, Schulungen, Predigtprüfungen, Unterrichtsbesuche und vieles mehr. Ich bin sicher: nur, weil Gott in vielen Augenblicken kam und mich seine Nähe spüren ließ. (Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen)


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