Impuls von Pfarrer Stephan Fischbacher Gott kommt uns nahe

01.09.2019

So groß Gott ist, so nahe kommt er uns, ist Pfarrer Stephan Fischbacher überzeugt. Näher noch als eine Muschel, die wir ans Ohr halten, um das Rauschen des Meeres zu hören.

Gott kommt uns näher als eine Muschel, die wir ans Ohr halten, um das Rauschen des Meeres zu hören, ist Pfarrer Stephan Fischbacher gewiss.
Gott kommt uns näher als eine Muschel, die wir ans Ohr halten, um das Rauschen des Meeres zu hören, ist Pfarrer Stephan Fischbacher gewiss. © Leonid - stock.adobe.com

Am italienischen Strand beobachtete ich dieses Jahr wieder viele Kinder, die am Ufer des Meeres Muscheln sammelten. Mit diesen verzierten sie ihre Sandburgen, verschenkten sie oder nahmen sie als Erinnerung mit nach Hause. Die Muscheln brachten mich zum Nachdenken. Sie sind das Zeichen der Pilgerschaft. Jakobspilger tragen sie auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela sichtbar am Rucksack. Sie verweisen damit auf das Ziel ihrer Reise. Ich verstehe das Leben auch als eine Pilgerschaft, die ein Ziel hat, an dem wir einmal ankommen werden. Unabhängig von den individuellen einzelnen Zielen, die man sich selber vornimmt, gibt es in meinen Augen auch das große Ziel, zu dem wir unterwegs sind: dass wir in Glück und Frieden leben, so wie wir einmal geschaffen waren, ganz bei Gott. Ich hoffe, dass man auch uns das ansieht.

Muscheln verweisen uns auch auf den heiligen Augustinus. Nach der Legende dachte er einmal an der Küste des Meeres über das Wesen Gottes nach. Er kam auf keine zufriedenstellende Antwort. Da beobachtete er einen kleinen Buben. Er versuchte, mit einer Muschel das ganze Meer in eine kleine Grube im Sand zu schöpfen. Zunächst lächelte Augustinus über die Einfalt des Buben, aber der machte ihm klar: „Eher bringe ich es fertig, das Meer in die Grube zu schöpfen, als dass du das Wesen Gottes erklären kannst.“ Augustinus erkannte, wie sehr der Bub recht hatte.

Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen.
Pfarrer Stephan Fischbacher leitet den Pfarrverband Waakirchen. © privat

Gott ist immer größer

Was mir an der Geschichte gefällt? Erstens ist Gott immer größer, als wir uns ausdrücken können. Alle menschlichen Begriffe und Bilder stehen in Gefahr, ihn einzugrenzen. Doch Gott lässt sich nicht so einfach in die Tasche packen, wir sollten ihn nicht beherrschen wollen, sondern bei aller Rede von Gott müssen wir wissen: Er steht über uns und allem, er herrscht in und durch uns, nicht umgekehrt. Was mir darüber hinaus noch gefällt, ist die Reaktion des Augustinus: Verblüfft über die Aussage des Buben dachte er doch weiter über das Wesen Gottes nach. Er hatte keine Angst, sich dem großen Geheimnis Gottes zu nähern. Nicht um ihn besitzen zu wollen, sondern um ihn immer besser lieben zu lernen. Auch wir können uns Gott nähern, angstfrei und neugierig.

Da hilft uns wieder die Muschel aus dem Meer: Hält man sie an das Ohr, kann man das Rauschen des Meeres hören. Vor dem inneren Auge sieht man den scheinbar unendlich weiten Himmel, der sich über dem Horizont erhebt, ein paar Wolken ziehen dahin. „Herr, deine Liebe reicht, so weit der Himmel ist, deine Treue bis zu den Wolken.“ (Ps 36,6) Seine Liebe und Treue gehen über alles hinaus, was wir uns vorstellen können. Und: So groß Gott ist, so nahe kommt er uns, näher noch als eine Muschel, die wir ans Ohr halten.


Das könnte Sie auch interessieren

Wenn ich nicht bereits daran denke, dass der nächste Hit viel besser ist, dann macht auch ein mittelmäßiger Song richtig Freude, meint Max Kronawitter.
© Kar Tr – stock.adobe.com

Impuls von Max Kronawitter Urlaubs-CDs

Was wir sind oder machen, müssen wir nicht stets in Relation zu anderen setzen, findet Max Kronawitter. Stattdessen könnten wir fragen: Genügt es mir? Ist es gut für mich?

04.08.2019

Gerade der Urlaub kann eine Zeit sein, sich wieder einmal bewusst beschenken zu lassen, meint Pater Cornelius Bohl.
© dashtik – stock.adobe.com

Impuls von Pater Cornelius Bohl Sich beschenken lassen

Pater Cornelius Bohl ermutigt dazu, aus Dankbarkeit großzügig zu sein. Ein Augenblick der Stille am Ende des Tages kann dabei helfen.

28.07.2019

Das Ausschau-Halten nach einem vierblättrigen Kleeblatt ähnelt für Schwester Cosima Kiesner der Gottsuche.
© Thaut Images – stock.adobe.com

Impuls von Schwester Cosima Kiesner Gott wie ein vierblättriges Kleeblatt suchen

Bei der Gottsuche ergeht es Schwester Cosima Kiesner ähnlich wie beim Erspähen eines vierblättrigen Kleeblatts. Wenn sie Ihn jedoch gefunden hat, lebt sie in der Gewissheit, dass es Ihn gibt.

21.07.2019

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren