Glaube im Alltag Gott schenkt uns Freiheit

17.04.2017

Pfarrer Stephan Fischbacher geriet beim Umzug nach Waakirchen ins Nachdenken, was Freiheit wirklich bedeutet. Zu welchem Ergebnis er kam, lesen Sie hier.

Der Untergang der Ägypter als kolorierter Kupferstich © akg-images

Im vergangenen September hieß es mal wieder: Koffer packen. Kardinal Reinhard Marx hatte mir einen Pfarrverband anvertraut und ich brach in München meine Zelte ab und siedelte nach Waakirchen über. Beim Umzug war ich erschrocken, wie viel zu packen war: Unzählige Kisten und Möbelstücke wurden verstaut, zwei Umzugswägen wurden voll. Ich dachte, würde ich die Hälfte der Kisten ungeöffnet verschenken, würde ich bestimmt nichts vermissen. Beobachter riefen mir gutgelaunt zu: „Das ist ja wie beim Auszug aus Ägypten.“

Das ließ mich innerlich aufhorchen. Die Geschichte ist mir wohl vertraut, da sie jedes Jahr in der Osternacht vorgetragen wird. Der Auszug aus Ägypten bedeutet: Gott führte das Volk Israel aus der Knechtschaft Ägyptens in die Freiheit. Zum Glück leben wir in unserem Land in Freiheit. Uns allen sind Freiheitsrechte garantiert. Aber sind wir innerlich frei? Die vielen Umzugskisten ließen in mir Zweifel aufkommen. Ich spürte instinktiv: Besitz macht nicht frei.

Stephan Fischbacher ist Leiter der Pfarrverbandes Waakirchen. © Privat

Wie werden wir wirklich frei? Dietrich Bonhoeffer schrieb aus dem Gefängnis, von den Nazis aller Rechte beraubt, das Gedicht „Stationen der Freiheit“. Freiheit beginnt bei der Zucht, sich selbst und die eigenen Gefühle und Begehrlichkeiten in Zaum zu halten. Daraus erwächst die Fähigkeit, nicht das Beliebige, sondern das Richtige zu tun. Doch sogar im Leiden, der Möglichkeit des Tuns beraubt, er- kennt Bonhoeffer einen Weg zur Freiheit: „Doch atmest du auf und legst das Rechte / still und getrost in stärkere Hand und gibst dich zufrieden. / Nur einen Augenblick berührtest du selig die Freiheit, / dann übergabst du sie Gott, damit er sie herrlich vollende.“ Selbst schwer geprüft und den Tod vor Augen, erkannte Bonhoeffer: Freiheit entsteht aus der Geborgenheit in Gott.

Das Gedicht ist eine Absage an alle Versprechungen von Freiheit, die uns eine Konsum- und Leistungsgesellschaft vorgaukelt. Nicht unsere Leistung macht uns frei, auch nicht unser Besitz, sondern allein Gott. Hier leuchtet die christliche Auferstehungshoffnung auf: Wo andere nur das Ende sehen, werden wir frei gemacht: „Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ (1 Kor 15,55), fragt Paulus zu Recht. Ostern ist für uns ein Fest der Befreiung, die Gott uns in Jesus geschenkt hat. Dazu gehört auch, dass wir innerlich frei werden von Habenwollen und Leistungsdenken.

Bei meinem eigenen Umzug spürte ich, wie wichtig irdischer Besitz für mich noch ist. Da dachte ich an Schwester Germana aus dem Priesterseminar. Hoch an Jahren und vom Alter geschwächt, kehrte sie ins Mutterhaus ihres Ordens zurück. Alle ihre Habseligkeiten passten in einen VW-Bus. Vielleicht war sie da schon ein viel freierer Mensch als ich. (Stephan Fischbacher)


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© Fotolia/JackF

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