Gamescom in Köln startet Gott und Religion in Computerspielen

20.08.2018

Vor dem Start der Gamescom (21. bis 25. August) zeigt mk online auf, welche Rolle Gott und religiöse Motive in aktuellen Computer- und Videospielen einnehmen.

Die Fragen nach dem Wesen der Welt werden auch in Computerspielen gestellt.
Die Fragen nach dem Wesen der Welt werden auch in Computerspielen gestellt, so Nathanael Riemer. © Gorodenkoff - stock.adobe.com

München – Computerspielefans aus aller Welt pilgern gerade wieder nach Köln. Von Dienstag, 21. August, bis Samstag, 25. August, findet in der Rheinmetropole nämlich die weltweit wichtigste Messe für Computer- und Videospiele, die "Gamescom", statt.

Was den meisten Messebesuchern aber wohl eher weniger auffallen dürfte: in vielen Games spielen auch Gott und vor allem religiöse Motive eine Rolle. Herausgefunden hat das Nathanael Riemer, Professor für interreligiöse Begegnung an der Universität Potsdam. Im Gespräch mit mk online nennt er verschiedene Möglichkeiten, wie Religion oder religiöse Motive in Videospielen vorkommen.

Religiöse Symbole bei "Far Cry"

Einmal gäbe es die Version, dass im Spiel selbst Symbole aufgezeigt werden. Das passiert beispielsweise im Action-Adventure-Computerspiel "Far Cry 5". Auf dessen Cover sei ein Abendmahltisch mit Jüngern zu sehen, angelegt an Leonardo da Vincis „Letztes Abendmahl“, so Riemer. Daneben finden sich auf dem Tisch weitere religiöse Symbole wie Wein, Brot und Fische und diese Motive würden neben anderen Anspielungen auch im Spiel wieder aufgegriffen.

Als eine andere Möglichkeit, wie Religion einen Weg in die Spiele findet, nennt Riemer, dass spirituelle Figuren wie Magier, Heiler oder Gottheiten selbst auftauchen. Zudem sei ein weiterer sehr entscheidender Punkt in mehreren Segmenten der Videospiele die Vorstellung eines Weltunterganges. „Also wenn der Auftrag lautet, in einer gerade untergehenden Welt die letzten Reste der Menschheit oder der Zivilisation zu sammeln oder zu organisieren, dann ist das ein messianischer Auftrag und dann agiere ich als Spieler quasi als Messias“, so Riemer.

Der "Nerd" als Klischee

Auf die Idee sich mit Religion in Videospielen zu beschäftigen, haben den Professor vor rund drei Jahren einige seiner Studenten gebracht. Tagelanges Spielen am PC steht trotzdem nicht auf seiner Tagesordnung. Er habe viel zugeschaut, selbst spielen sei aber eher eine negative Erfahrung, so Riemer. Deshalb sei er auf Informanten angewiesen. Und davon gibt es einige, gerade auch im Umfeld der Universität. Laut der Erfahrung von Riemer spielen fast alle Studenten. Je nach Definition würden ja auch Handyspiele zu den Videogames dazu gehören aber „der Nerd – das ist mittlerweile Klischee“.

Einer dieser Studenten ist Jan Watzke aus Augsburg, selbst leidenschaftlicher Gamer. Er sagt, Gott zu spielen, gibt ihm das Gefühl, überlegen zu sein. Als Beispiel nennt er das Strategiespiel "Warcraft III". Bei mehrfachem Klicken auf die Klasse des Priesters sagt die Figur nämlich „die große Metallhand im Himmel hat mich auserwählt“, spricht den Spieler also direkt an. „Und das macht dem Spieler quasi noch einmal bewusst, man ist nicht einfach nur der unsichtbare Heerführer, der irgendwo steht, sondern man ist quasi ein höheres Wesen, was über den Figuren steht und ihr Schicksal lenkt“, so Watzke.

"Stimmige" Welt

In Strategiespielen würden ihm selbst religiöse Bezüge extrem auffallen, bei Rollenspielen seien sie eher ein unterstützendes Element. Und während manche Spieler religiöse Symbole und Anspielungen einfach hinnehmen, legt Watzke sehr viel Wert darauf, „einfach, weil es die Welt stimmiger gestaltet.“

Und genau das ist auch eines der Argumente von Riemer. Er sagt „das sind Dinge, die den Menschen bewegen und erklären, wie die Welt entstand, in der wir uns befinden, wie sich der Mensch selbst dort verortet. Wir finden diese Fragen in der Kunst, überall in der Literatur und jetzt eben auch in den neuen Medien, dazu gehören dann eben auch Videospiele.“

Die Autorin
Linda Burkhard
Radio-Redaktion
l.burkhard@st-michaelsbund.de


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