Impuls von Schwester Cosima Kiesner Gott wie ein vierblättriges Kleeblatt suchen

21.07.2019

Bei der Gottsuche ergeht es Schwester Cosima Kiesner ähnlich wie beim Erspähen eines vierblättrigen Kleeblatts. Wenn sie Ihn jedoch gefunden hat, lebt sie in der Gewissheit, dass es Ihn gibt.

Das Ausschau-Halten nach einem vierblättrigen Kleeblatt ähnelt für Schwester Cosima Kiesner der Gottsuche.
Das Ausschau-Halten nach einem vierblättrigen Kleeblatt ähnelt für Schwester Cosima Kiesner der Gottsuche. © Thaut Images – stock.adobe.com

Ich wandere. Mein Weg führt an einem Fluss entlang. Mit Freude blicke ich in den Himmel und sehe das Blau mit den kleinen, weißen Wölkchen darin. In der Ferne ragt im Sommerdunst eine Bergkette in meine Kulisse. Den Rahmen bildet das immer noch satte Grün der Büsche und Bäume. An einer Wiese bleibe ich stehen und greife nach meiner Wasserflasche. Mein Blick fällt auf den Klee zu meinen Füßen. „Und jetzt ein vierblättriges Kleeblatt finden“, denke ich, „das würde perfekt zu diesem schönen Tag passen.“

Ich beginne zu suchen. Langsam und akribisch arbeite ich mich jeden kleinen Quadratdezimeter vor. Vorsichtig streifen meine Hände durch den Klee. Aber ich finde nichts.

So schnell gebe ich nicht auf. Langsam gehe ich weiter, mein Blick ist nur noch auf den Boden gerichtet, meine Augen schweifen suchend den Wiesenrand ab. In dieser halben Stunde komme ich nicht vorwärts, gerade mal zweihundert Meter vielleicht. Das Bücken ist anstrengend und langsam spüre ich die brennende Sonne auf meinem Kopf.

Soll ich aufgeben?

Soll ich aufgeben? Nein. Noch einmal hocke ich mich hinunter und nehme mir Zeit, jedes Kleeblatt einzeln anzuschauen. Noch einmal streift meine rechte Hand vorsichtig durch das letzte Kleefeld, bevor mein Weg in einen kleinen Hain führt.

Beinahe hätte ich es übersehen. Da ist es. Versteckt unter anderen Kleeblättern wächst ein vierblättriges heran. Freudig schaue ich es an, fahre behutsam über die vier Blätter. Dann beschließe ich, es nicht abzureißen. Bis zu Hause wäre es welk und pressen will ich es auch nicht. Ich lasse es stehen. Aber ich weiß, dass an dieser Wiese am linken Wegrand kurz vor dem nächsten Hain mitten unter den vielen Kleeblättern ein vierblättriges blüht.

Ich wandere weiter. Die Kleeblattsuche hängt in meinen Gedanken nach. Ja, es war mühsam. Ich habe Zeit aufgewendet und mich der Sonne ausgesetzt. Ich habe genau schauen und die Versuchung aufzuhören überwinden müssen. Aber ich wollte ein vierblättriges Kleeblatt finden, und ich habe es gefunden.

Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu.
Schwester Cosima Kiesner ist Ordensfrau in der Congregatio Jesu. © privat

In der Gewissheit leben, dass es Gott gibt

Bei der Gottsuche ergeht es mir ähnlich. Ich halte die Augen nach Ihm offen. Ich wende Zeit auf, um genauer hinzuschauen. Manchmal muss ich mich bücken und das Vordergründige beiseiteschieben. Manchmal die Hoffnung nicht aufgeben, Gott doch noch in den Dingen und Ereignissen zu

finden, auch wenn Er sich verbirgt. Wenn ich Ihn aber gefunden habe – und das kann gerade in entspannter Sommerzeit leichter geschehen – dann erinnere ich mich dankbar an diesen Moment des Findens und lebe in der Gewissheit, dass es Gott gibt.


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