25 Jahre Telefonseelsorge Bad Reichenhall Gott wird erfahrbar

11.03.2018

Zum 25-Jahr-Jubiläum hat die Telefonseelsorge Bad Reichenhall neue Räume bezogen. Weihbischof Wolfgang Bischof segnete diese und erläuterte, wie in dem ehrenamtlichen Dienst Gott erfahrbar wird.

Hier beraten die Ehrenamtlichen - im Bild ihr Chef Bernhard Berchtenbreiter - die Hilfesuchenden per Telefon oder PC. © Mergenthal

Bad Reichenhall – Den Anruf des unbekannten Ratsuchenden anzunehmen, bedeute, den Anruf Gottes anzunehmen, sagte Weihbischof Wolfgang Bischof bei der 25-Jahr-Feier der Telefonseelsorge Bad Reichenhall (Dekanat Berchtesgaden). Zum Jubiläum segnete er die neuen, barrierefreien Räume in der Bahnhofstraße 22. Hier gewährleisten 35 Ehrenamtliche im Verbund mit den zwei weiteren katholischen Stellen in der Erzdiözese in München und Mühldorf und den evangelischen Kollegen in Traunstein, Rosenheim und München eine 24-Stunden-Rufbereitschaft.

Fünf Mitarbeiterinnen dankten in einer Vesper in St. Zeno mit Pfarrer Franz Moderegger für 25 Jahre Gemeinschaft, die den am Telefon auf sich allein gestellten Ehrenamtlichen Halt gibt, für geglückte Gespräche und für alle Verstorbenen, die die Stelle mit prägten. In ihren Bitten wie „Sei gegenwärtig, wenn wir am Telefon nicht mehr weiterwissen, wenn wir hilflos sind, weil die Not des Ratsuchenden sprachlos macht“ wurde die große Herausforderung dieser Aufgabe deutlich.

Die Menschen am Hörer in der Telefonzentrale bleiben ebenso wie die Ratsuchenden, deren Religion oder Einstellung keine Rolle spielt, anonym. Die Ehrenamtlichen kommen aus den verschiedensten Berufen: von der Sozialpädagogin, die wegen der Kinder aus dem Beruf ausstieg und das Erlernte weiter einbringen will, bis zum Quereinsteiger wie der freiberuflichen Friseurin auf der Suche nach einem Engagement für andere.

Diakonspraktikant Peter Kleinert, Pfarrer Markus Moderegger, der Leiter der Reichenhaller Telefonseelsorge Bernhard Berchtenbreiter, Weihbischof Wolfgang Bischof, Monsignore Siegfried Kneißl, Diakon Johann Schmidt und der Reichenhaller Oberbürgermeister Herbert Lackner (CSU, von links) bei der Segnung der neuen Räume © Mergenthal

„Gesandte in diese Zeit“

Etwa 200 Stunden, verteilt über ein Jahr, umfasst der Ausbildungskurs; anfangs hospitieren die Neulinge bei erfahrenen Telefonseelsorgern. Für die Supervisionen und Fortbildungen nach der Ausbildung dient ein großer Besprechungsraum mit Bergpanorama, das der Weihbischof bei der Segnung bestaunte.

„Unter den Anrufern sind viele einsame ältere Menschen“, erläuterte Alexander Fischhold, Leiter der Telefonseelsorge in der Erzdiözese. Darüber hinaus gebe es zwei Standbeine: die Begleitung über einen langen Zeitraum, etwa bei psychischen Erkrankungen, und die Begleitung in Krisen.

„35 Mitarbeiter sind eine großartige Zahl“, zeigte sich Monsignore Siegfried Kneißl, Leiter des Bereichs Beratung im Erzbischöflichen Ordinariat, beeindruckt. Der Weihbischof hob in seiner Predigt hervor, dass vor dem Hören der Nöte der Menschen das Hören auf das Wort Gottes stehe. „Wenn wir offen sind für sein Wort, sind wir Gesandte in diese Zeit, sind wir Kirche.“ Die Ehrenamtlichen begegneten am Telefonhörer Menschen, die vielleicht sonst mit Glaube und Religion nicht viel anfangen könnten, und ermöglichten ihnen, Gott in ihrem Leben zu erfahren. (Veronika Mergenthal)

Die Telefonseelsorge ist bundesweit kostenfrei unter der Nummer 0800/1110222 erreichbar. Näheres zur Ausbildung hier und am Donnerstag, 15. März, um 18.30 Uhr im Pfarrsaal St. Rupert in Freilassing (Martin-Oberndorfer-Straße 2).


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