Gedenktag Gottesdienst für Missbrauchsopfer

16.11.2018

Der kommende Sonntag wird erstmals in der katholischen Kirche Deutschlands als Gedenktag für die Opfer sexuellen Missbrauchs begangen. Im Münchner Liebfrauendom findet ein Gottesdienst statt.

Die Türme des Münchner Liebfrauendoms
Die Türme des Münchner Liebfrauendoms © SMB

Bonn/München - Der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, hofft nach eigenem Bekunden an diesem Sonntag auf ein "starkes Signal" für die Opfer sexuellen Missbrauchs. Die katholischen Bischöfe richten dann erstmals einen eigenen Gedenktag für diese Gruppe aus. Gedenk- und Gebetstage seien "ein Mittel, dass das Thema nicht wieder wegrutscht", sagte Ackermann am Montag im Interview von domradio.de.

Der Gedenktag soll jeweils im zeitlichen Umfeld des vom Europarat initiierten "Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch" begangen werden. Dieser findet seit 2015 jeweils am 18. November statt. Erstmals werden den katholischen Gemeinden in diesem Jahr dazu ein Gebet und Vorschläge für Fürbitten zur Verfügung gestellt, die im Rahmen der um den 18. November stattfindenden Gottesdienste genutzt werden können. Ackermann betonte, es brauche eine sensible Sprache: "Denn beim besten Willen kann man auch Dinge falsch machen, und da braucht es Fingerspitzengefühl." So reagierten Betroffene sensibel, wenn die Kirche um die Vergebung von Schuld bete: "Denn die Betroffenen fragen natürlich, wer diejenigen sind, die vergeben".

Zum Gedenktag für Opfer sexuellen Missbrauchs feiert der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, am Sonntag, 18. November, um 10 Uhr einen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom. Sie können den Gottesdienst hier live verfolgen.

Papst Franziskus hatte die nationalen Bischofskonferenzen gebeten, einen "Tag des Gebetes und der Buße für die Opfer sexuellen Missbrauchs" einzurichten. Der Gedenktag soll jeweils im zeitlichen Umfeld des vom Europarat initiierten "Europäischen Tages zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch" begangen werden. Dieser findet seit 2015 jeweils am 18. November statt.

Für die katholische Kirche in Deutschland hatten Wissenschaftler Ende September in Fulda eine "Studie über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch Geistliche im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" vorgestellt. In den kirchlichen Akten der Jahre 1946 bis 2014 hatte das Forscherteam Hinweise auf 3.677 Betroffene sexueller Übergriffe und auf rund 1.670 beschuldigte Priester, Diakone und Ordensleute gefunden. Die Experten gehen zudem von weiteren Fällen aus, die nicht in den Akten erfasst sind.

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Zum Gedenktag für Opfer sexuellen Missbrauchs feiert der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, am Sonntag, 18. November 2018, um 10 Uhr einen Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom. Der Gedenktag geht auf eine Anregung von Papst Franziskus zurück, der um die Einrichtung eines „Tages des Gebetes und der Buße für die Opfer sexuellen Missbrauchs“ gebeten hatte. Er wird in den deutschen Bistümern in den Tagen um den 18. November begangen, der zugleich „Europäischer Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch“ ist.

Musikalisch wird der Gottesdienst von der Capella Cathedralis und den Dombläsern unter der Leitung von Domkapellmeisterin Lucia Hilz mit der „Missa in honorem S. Caeciliae“ von Josef Venantius von Wöss gestaltet. Er wird unter www.erzbistum-muenchen.de/stream ins Internet übertragen. Der Gottesdienst und das Gebet für die Opfer ergänzen die vielfältigen Aktivitäten des Erzbistums München und Freising in der Aufarbeitung und Prävention sexuellen Missbrauchs, die unter www.erzbistum-muenchen.de/im-blick/missbrauch-und-praevention dokumentiert sind. (kna)

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
s.schmid@st-michaelsbund.de


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