10 Fototipps für den Urlaub Gotteshäuser im richtigen Licht

04.08.2013

Robert Kiderle ist Fotograf der Münchner Kirchenzeitung. Ob Petersdom in Rom, Kölner Dom oder Frauenkirche in München – er hat sie alle schon ins Bild gesetzt.

Eine gute Kamera ist nicht automatisch der Garant für gute Bilder (Bild: © Artur Marciniec - Fotolia.com)

Kirchen fehlen bei keiner Sightseeing Tour und jeder will sie auf einem Erinnerungsfoto festhalten. Das ist aber gar nicht so einfach, vor allem, weil es sich oft um sehr große Gebäude handelt, die noch dazu oft von anderen Häusern umgeben sind. Robert Kiderle gibt auf den Münchner Kirchennachrichten 10 Tipps für das perfekte Urlaubs-Kirchenfoto.

1. Der Kirchturm – auf die richtige Warte kommt es an

Der Fehler: Viele stellen sich direkt unter den Kirchturm und knipsen los. Was dann passiert ist, dass stürzende Linien entstehen, so Kiderle. Das heißt der Turm ist im Bild unten breit und wird oben immer schmaler. Spezielle Objektive und eine entsprechende Software können das zwar verhindern, aber es geht auch einfacher und günstiger, so der Profi-Fotograf. Er empfiehlt den Turm einfach in einem großen Abstand zu fotografieren oder noch besser von einer erhöhten Position. Ideal ist es zum Beispiel aus dem 2. Stock eines umliegenden Hauses zu fotografieren.

2. Immer mit der Ruhe – auf genügend Vorbereitung kommt es an

Wenn Kiderle selbst Kirchen fotografiert, beobachtet er immer wieder, wie Touristen an solchen Sehenswürdigkeiten vorbei hetzen und nebenher ganz locker im Laufen noch ein paar Fotos schießen. Das kann natürlich nichts werden, so der Profi. Er selbst nimmt sich viel Zeit einen Ort genau anzuschauen und zu überlegen, was er überhaupt fotografieren möchte. Nicht immer müsse das das Kirchenschiff im Ganzen sein. Gerade Gotteshäuser wie der Kölner Dom böten oft interessante Details, die sich viel besser ins Licht rücken ließen als das gesamte Bauwerk.

3. Früher Vogel fängt den Wurm – auf die richtige Tageszeit kommt es an

Wer Urlaub macht schläft gerne aus, frühstückt lange und geht gegen Mittag auf Sightseeing Tour. Für Fotos gerade im Sommer nicht die ideale Tageszeit, so Kiderle. Denn das Licht ist dann oft zu hart und die Bilder werden nicht schön. Er empfiehlt eine Fototour möglichst früh am Morgen.

4. Blauer Himmel nur ideal fürs Strandbad – auf das richtige Wetter kommt es an

Die Sonne strahlt, kein Wölkchen trübt den Himmel – so stellen sich die meisten das Traumwetter vor. Für Fotografen ist das eher der Albtraum, so Kiderle. Auch ein blauer Himmel macht ein zu hartes Licht. Zwar könne man es sich natürlich nicht immer aussuchen, so der Profi, aber er empfiehlt einen solch strahlenden Tag eher für andere Aktivitäten zu nutzen und statt dessen an einem bewölkten, eher trüben Tag auf Fototour zu gehen.

5. Personen vor der Kirche – auf die richtige Mischung kommt es an

Wer vor der Kirche in einem Touristenort darauf wartet, dass er ein Bild ohne Menschen schießen kann, muss meist bis zum Ende der Saison ausharren. Das ist aber auch gar nicht nötig, meint Robert Kiderle. Vorbeihuschende Menschen zeigten das Gotteshaus als beliebten und viel besuchten Ort und das sei doch schön, so der Fotograf. Es mache das Bild spannend und bringe Bewegung rein. Ganz anders das beliebte „Ich mache das Familienfoto vor der Kirche.“ Das sei gestellt und langweilig. Übrigens: über Bildrechte der Personen muss sich der normale Hobby-Fotograf keine Gedanken machen. Wer seine Fotos nicht veröffentlichen will, kann ablichten wen er möchte.

6. Blitz im Innenraum vermeiden – auf das richtige Licht kommt es an

Der klassische Fehler: Wir betreten eine Kirche, denken da ist es dunkel und es wird losgeblitzt. Aber das schadet nicht nur manch einem empfindlichen Kunstwerk, sondern vor allem auch den Bildern. Kiderle sagt, der Blitz sei bei der Kirchenfotografie der schlimmste Fehler überhaupt. Ein Bild, das mit Blitz fotografiert wurde, könne man meist direkt wegwerfen. Das Problem: ein Blitzlicht erhellt auf einer Weite von 3-5 Metern. Das heißt hier ist alles viel zu hell, der Rest der Kirche ist total dunkel. Also in einer Kirche Blitzlicht aus und statt dessen die ISO-Zahl erhöhen. Das funktioniere mittlerweile, so Kiderele, sogar bei den meisten Kompaktkameras. Ein ISO-Wert von 1600 und höher sei ideal. Zwar erhöhe sich dadurch das Bildrauschen und das Bild werde körniger, aber das wäre vertretbar, so der Fotograf. Denn dafür erhalte man ein Bild mit tollen original Farben, das wirklich was hermache.

7. Spicken ist erlaubt – auf die richtige Inspiration kommt es an

Es fehlt die zündende Idee fürs Bild und immer die gleiche Perspektive ist langweilig? Ein bisschen spicken sei erlaubt, so Robert Kiderle. In jeder kleinen Dorfkirche gebe es mittlerweile einen Schriftenstand mit Kirchenführern und Postkarten. Und oft lohne es sich, diese mal genauer anzuschauen. Denn es muss nicht immer das neue, unheimlich innovative Bild und die ungewöhnliche Perspektive sein. Warum nicht einfach auch mal das nachmachen, was andere schon gekonnt umgesetzt haben.

8. Farbe durch Licht – auf den Durchblick kommt es an

Viele Kirchen haben wunderschöne Fenster. Oft denken Hobby-Fotografen, das sei nur etwas für Profis. Kiderle aber sagt, es gebe kaum etwas einfacheres als das ablichten von Kirchenfenstern. Wer hier ein wunderschönes Farbspiel entstehen lassen möchte, der brauche meist keine großen Fachkenntnisse. Einfach das Ganze auf sich wirken lassen und gerne ein bisschen experimentieren. Natürlich eignet sich auch gerade bei so ein „Objekt“, das vom Licht lebt, das Spiel mit der Tageszeit und dem Wetter. Wer ein wenig Ausdauer habe und bereit sei zu probieren, könne hier ein tolles Bild bekommen.

9. Stilbrüche machen interessant – auf Kontraste kommt es an

Details sind oft mehr als das Ganze – das haben wir schon gesagt. Noch spannender wird das Bild, so der Profi, wenn man in der Kirche Stilbrüche aufdeckt. Das gotische Taufbecken vor dem barocken Kreuzweg oder einem modernen Altar– so etwas sei für das Auge des Betrachters interessant. Wer Kontraste gut ins Bild setze, der schaffe ein spannendes Bild. Foto. Also Augen offen halten!

10. Der Blick nach oben – auf eine ruhige Hand kommt es an

Was ist faszinierender an einer Barockkirche als die wunderschönen Fresken. Wie ein Bilderbuch erzählen sie Geschichten. Über Kopf fotografieren ist nicht leicht. Da braucht man eine ruhiges Händchen und idealerweise ein Stativ. Eigentlich seien Fresken das Metier eines Kunstfotografen, so Robert Kiderle, trotzdem hat auch er einen Ratschlag. Das wichtigste sei auch hier, den Blitz auszuschalten. Da viele Fresken von vergoldetem Stuck eingefasst seien, könne die Widerspiegelung des Blitzes durch das Gold ein Bild völlig zerstören. (sts)


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