Bischof und Jugend Grillen und diskutieren mit dem Weihbischof

21.06.2018

Bei der zweiten Ausgabe der „Grill den Weihbischof“-Reihe stellte sich diesmal Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg in München-Haidhausen den Fragen der Jugendlichen. Am Ende fühlt sich der Befragte aber nicht gegrillt, sondern sogar „beruhigt“.

Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg stellt sich den Fragen.
Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg stellt sich den Fragen. © Kiderle

München– Wie bereits am Dienstagabend (19. Mai) in Freising bei der ersten Ausgabe der Veranstaltungsreihe „Grill den Weihbischof“ startete der Abend mit einer Vesper. In der konnte sich Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg bereits auf die Gesichter des Abends einstellen. Junge engagierte Ehrenamtliche, bis hin zu langjährigen Hauptamtlichen der Jugendarbeit. Etwa 30 Interessierte hatten sich im Kreis um den Altarraum der Jugendkirche in München-Haidhausen positioniert. An ein skizziertes Haus durften alle rote papierne Bausteine kleben, auf denen die Frage beantwortet werden sollte: „Was ist meine Aufgabe, mein Platz in der Kirche?“ Auch wenn Jesus Christus der Schlussstein sei, betonte Weihbischof zu Stolberg, spiele die Jugend eine ganz entscheidende Rolle im Haus Gottes.

Heiße Fragen nach dem Grillen

Bevor die Jugendvertreter ihm dazu weiter auf den Zahn fühlen konnten, durften erst alle zusammen ein paar Schritte zum Grill wandern. Denn obwohl der Weihbischof nur im übertragenen Sinne gegrillt werden sollte, gab es natürlich auch tatsächlich Gegrilltes zur Stärkung. In dieser gemütlichen Atmosphäre bahnten sich schon die ersten Gespräche auf der Bierbank zwischen Weihbischof und Jugendlichen an. Ein schönes Bild, dass der Bund deutscher katholischer Jugend (BDKJ), gerade im Vorfeld der im Oktober in Rom anstehenden Bischofssynode zur Jugend, schaffen wollte.

Veranstaltungsreihe „Grill den Weihbischof“

Dem Bund der Katholischen Deutschen Jugend (BDKJ) ist es ein zentrales Anliegen Jugendlichen eine Stimme zu geben. Im Vorfeld der Jugendsynode 2018 hat der BDKJ München und Freising deshalb die Gesprächsreihe „Grill den Weihbischof“ ins Leben gerufen. An drei Abenden im Juni haben Jugendliche die Gelegenheit ihre Anliegen mit ihrem Weihbischof zu diskutieren. Ein weiterer Termin ist am Freitag, 22. Juni 2018 um 18.30 Uhr, im Schüler- & Studentenzentrum in Rosenheim Eingeladen ist Weihbischof Wolfgang Bischof. Hier können Sie sich anmelden.

In der Diskussionsrunde sortierten zwei Moderatoren die eingereichten Fragen nach Themengebieten, machten mit der Einstiegsfrage aber gleich die Richtung des Abends klar. „Heiße Fragen“ hätten sie vorbereitet, damit der Bischof wohl auch mal ins Schwitzen komme. „Sind Ehrenamtliche oder Priester wichtiger?“ Das Schmunzeln und kurze Nachdenken von Weihbischof zu Stolberg zeigte auch, dass jetzt die Ernsthaftigkeit des Veranstaltungstitels angekommen war. Vollkommen souverän lieferte er ein eigentlich passendes Schlusswort bereits zu Beginn: „Ehrenamtliche und Priester sind nicht gleich, aber gleichwertig.

Vor der Diskussion mit dem Weihbischof wurde gemeinsam gegrillt.
Vor der Diskussion mit dem Weihbischof wurde gemeinsam gegrillt. © Kiderle

Aufgaben von Frauen in der Kirche

Die Qualität und „Feurigkeit“ der Fragen blieb über die nächsten 90 Minuten weiter sehr hoch. Der Stellenwert der Jugendarbeit lag Vielen am Herzen, aber auch das Priesteramt für Frauen und andere Möglichkeiten kirchliche Stellen zu besetzen. Wenn die Weihe für Frauen nicht möglich ist, wäre es „halbherzig ein Diakonat der Frau zu ermöglichen“. Er ist aber überzeugt, dass Frauen in der katholischen Kirche viele wichtige Aufgaben übernehmen können. Wie entscheidend Laien in der Verkündung sind, stellte er auch beim Thema Laienpredigt heraus. Besonders im Leben müsse jedoch die Verkündung stattfinden. Denn durch den Abend zog sich ein Credo des Weihbischofs, das er am Ende nochmal ganz gezielt an die Jugend richtete: „Es ist wichtig überzeugt und selbstbewusst zum Glauben zu stehen. Und zwar mit sichtbarer Bodenständigkeit.“ Nur dann könne das Evangelium wie ein Sauerteig durch die Gemeinde ziehen.

Zwischen Weltkirche und Ethik – viel Persönliches

Aufgelockert wurden inhaltsschwere Fragen zu kirchlichem Wohnungsbau, Schwangerschaftsabbruch, oder Sexualunterricht durch persönliche Themen. Sein erster Ministranteneinsatz mit 7 Jahren in der Osternacht in einem Kapuzinerkloster, die Schwierigkeit einen freien Abend in der Woche zu planen, oder die Überraschung, dass ein Weihbischof nicht nur zu Klassik entspannt, sondern auch einmal in zivil auf einem Rockkonzert.

Einen Lacher kassierte Weihbischof zu Stolberg zum Abschluss auf die Frage, welche Gründe er Franziskus denn nennen würde, warum die Jugend wichtig ist: „Dem muss man nichts erzählen. Er würde sie mir wohl selbst nennen.“ Aber auch der Münchner Weihbischof weiß genügend Positives über die „aufrüttelnde“ nächste Generation, die mit ihrem eigenen, „manchmal frechen“, Blickwinkel „bereichernd für die Kirche“ ist.

Trotz,oder gerade wegen, der teils harten Fragen, war Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg am Ende zufrieden: „Gegrillt fühle ich mich überhaupt nicht. Eher sogar etwas beruhigt, dass die Fragen in die Richtung kamen, wie ich sie erwartet habe. Was mir die Hoffnung gibt, dass ich ungefähr dran bin, an den Themen, die Jugendliche beschäftigen.“ Nah dran zu sein, das hat sich am Mittwochabend für beide Seiten gelohnt. (Maximilian Blindhuber)


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