Vom Umgang mit Demenz Größtmögliche Freiräume

13.08.2013

Wir, die wir denken im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte zu sein, können wahrscheinlich nicht ermeissen, was die Diagnose Demenz für einen älteren Menschen bedeutet.

Doris Schneider ist Geschäftsführerin Altenheime beim Diözesan-Caritasverband (Bild: Münchner Kirchenzeitung)

Ängste um den Verlust der Erinnerung, der Selbständigkeit und der Normalität des Le­bens stehen im Vordergrund. Auch die Angehörigen müssen lernen, mit Krankheit umzugehen, und sich darauf einstellen. Es sind ja ganz schleichende Veränderungen, die positiv betrachtet, viel Spielraum lassen für schöne und bereichernde Erlebnisse. Allerdings dürfen wir die Belastungen der pflegenden Angehörigen und Mitarbeitenden in unseren Altenheimen keinesfalls kleinre­den.

Für Kinder oder Partner ist es seelisch schwer zu verkraften, dass sich der geliebte Mensch „vor der Zeit“ verabschiedet, wie es eine Bekannte ausdrückte. Der Vater ist da, er braucht Pflege und Sorge, aber er ist nicht mehr der, der er einmal war. In jedem Fall ist es für den Betroffenen und die Angehörigen eine Reise in eine unbekannte Welt.

Nicht nur mein christliches Menschenbild, auch viele Erfahrungen in unseren Altenheimen verbie­ten mir, darüber zu urteilen, ob ein Leben mit Demenz lebenswert ist. Auch ein schwerst Demenzkranker kann ausdrücken, ob es ihm gut geht oder nicht. Dazu braucht es aber eine einfühlsame Begleitung und Pflege. Große Angst haben Betroffene davor, dass ihre Freiheit eingeschränkt wird und sie in einem beschützenden Bereich untergebracht werden. Es wird immer ein Balanceakt zwi­schen Fürsorge und Selbstbestimmung blei­ben. In unseren Caritas­ Altenheimen gehen wir neue Wege, um größtmögliche Freiräume zu lassen. Für Angehörige ist es oft ein schwe­rer Schritt, den Demenzkranken in einem Al­tenheim betreuen zu lassen. Aber ist es nicht besser, die Pflege den Profis zu überlassen, und sich selbst Zeit zu nehmen, für die schö­nen Dinge, die noch bleiben? Insgesamt wird sich unsere Gesellschaft auf Demenzkranke einstellen müssen. Und es ist gut, wenn eine Kassiererin im Supermarkt und der Apothe­ker wissen, wie man mit ihnen umgeht. Denn eines ist sicher: Demenzkranke werden mehr.

Doris Schneider ist Geschäftsführerin Altenheime beim Diözesan-Caritasverband.


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