Erzdiözese legt Jahresabschluss 2015 vor „Größtmögliche Transparenz“ als Ziel

20.06.2016

Die Erzdiözese München und Freising hat ihr Vermögen offengelegt: Zum ersten Mal wurde der Jahresabschluss 2015 nach dem Prinzip der doppelten Buchführung ausgearbeitet: Nicht nur ein Wechsel des Systems, sondern auch der Mentalität. Woher kommt das Geld und wo fließt es hin? Diese Frage bleibt nun nicht mehr offen.

Finanzdirektor Markus Reif und Generalvikar Peter Beer bei der Vorstellung des Jahresabschlusses 2015 (Bild: Kiderle) © Kiderle

München – Kirchliches Vermögen könne nie Selbstzweck sein, sondern stattdessen der Grundstock, auf dem das Erzbistum München und Freising die Grundaufträge der Kirche erfülle, konstatiert Generalvikar Peter Beer, als der Jahresabschluss der Erzdiözese für das vergangene Jahr offengelegt wird: „Wichtig ist, dass wir mit diesem Geld etwas für die Gläubigen und für die Gesellschaft machen.“ Von der Liturgie, über die Glaubensweitergabe in Familie und Gemeinde, aber auch im Bereich der Bildung, bis hin zum Dienst am Nächsten – das Aufgabenspektrum der Kirche ist groß und breit.

Mit dem Ziel einer größtmöglichen Transparenz wurde erstmals das in der Privatwirtschaft bereits seit langem etablierte Prinzip der doppelten Buchführung angewendet – nicht nur ein Wechsel des Systems, sondern auch ein Mentalitätswechsel. Die finanziellen Entgleisungen des Limburger Bischofs Hans-Peter Tebartz van Elst und die öffentliche Debatte über die unverhältnismäßige Verwendung kirchlicher Mittel waren der Grund, warum mittlerweile alle katholischen Bistümer vom Prinzip der Kameralistik umgestiegen sind. Während bei dieser alten Methode lediglich Ein-und Ausgaben gegenüber gestellt worden sind, seien im Erzbistum nun in den vergangenen zweieinhalb Jahren durch die intensive Arbeit der Finanzkammer und das Hinzuziehen externer Fachleute der gesamte Vermögensbestand bewertet worden. Gebäude, Grundstücke, Kunstgegenstände, Bücher – Vermögenswerte aller Art wurden einer Prüfung nach geltenden Standards unterzogen und so ein Jahresabschluss nach den Regeln des Handelsgesetzbuchs (HGB) erstellt.

Geldfluss offengelegt

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, zeigt sich Beer stolz, „man hat versucht, einen möglichst realistischen Überblick zu bekommen.“ Endlich könne jeder sehen, woher bestimmte Gelder kämen, wohin sie gingen und was hier wirklich damit gemacht werde, gibt der Generalvikar zu verstehen. Intern sei vernünftiges Planen auf Basis dieser Zahlen nun endlich wesentlich einfacher.

Insgesamt beträgt die Bilanzsumme des Erzbistums zum 31. Dezember 2015 rund 3, 3 Milliarden Euro, am 1. Januar des vergangenen Jahres waren es noch knapp 4,6 Milliarden Euro. Ein Rückgang, der sich größtenteils aus einer Umverteilung des Vermögens ergibt: Beträchtliche Mittel seien an drei Stiftungen – die St. Korbinians-Stiftung (Vermögen: 620 Millionen Euro), die St. Antonius-Stiftung (Vermögen: 680 Millionen Euro) und die Bischof-Arbeo-Stiftung (Vermögen: 633 Millionen Euro) – geflossen, so Finanzdirektor Markus Reif. Neben der Erzdiözese und den drei genannten Stiftungen, wurde auch die Emeritenanstalt (Vermögen: 236,6 Millionen Euro), welche die Pensionen der Priester sichert, und der Erzbischöfliche Stuhl (Vermögen: 56,3 Millionen Euro) als Träger des mit dem Amt des Erzbischofs verbundenen Vermögens bewertet: Alles in allem steht am Ende eine Summe von knapp sechs Milliarden Euro.

Die Aufgaben der bereits genannten Stiftungen sind wiederum an den kirchlichen Grundaufträgen orientiert. Während die 2015 neu gegründete St. Korbinians-Stiftung für die kirchliche Seelsorge und das gemeindliche Leben verantwortlich ist, liegt die Aufgabe der St. Antonius-Stiftung in der Förderung des Dienstes am Nächsten, also der Caritas. Verkündigung und Bildung sind Auftrag der Bischof-Arbeo-Stiftung.

Kloster Beuerberg als Zentrum

Durch die Rechtsform einer Stiftung würde das Erzbistum zudem nachhaltig seinen Vermögensbestand sichern können, erläutert Beer. Das Geld entziehe sich dem direkten Zugriff von außen. Die Erträge aus dem vorhandenen Vermögen würden nicht angehäuft, sondern zeitnah für die oben genannten Stiftungszwecke ausgegeben und für die künftigen Generationen nachhaltig gesichert. In das jeweilige Kontrollgremium einer jeden Stiftung, den Stiftungsrat, habe man sich externe Finanzexperten aus der Privatwirtschaft wie etwa Sven Schneider von der Linde Group oder Urs Frey, Betriebswirtschaftler von der Universität St. Gallen, mit ins Boot geholt. „Mehr Transparenz und Unabhängigkeit“ seien auf diese Weise gewährleistet, so Beer. Örtlich soll das Kloster Beuerberg bald als Zentrum der drei Stiftungen fungieren: „Wir haben uns für diesen Ort entschieden, weil wir in dem Klostergebäude zeigen wollen, was Kirche macht und wie sie in die Gesellschaft hineinwirkt“, begründet der Generalvikar diesen Schritt.

Der Gewinn-und Verlustrechnung des Erzbistums, also der Gegenüberstellung von Aufwendungen und Erträgen, ist zu entnehmen, dass die größte Einnahmequelle nach wie vor die Kirchensteuer ist, die die 1,73 Millionen Katholiken im Erzbistum abführen: Rund 570 Millionen Euro fließen so in die Kassen. Demgegenüber fielen vor allem die Aufwendungen für Personal mit rund 274,5 Millionen Euro ins Gewicht, so der Finanzdirektor des Erzbistums.

Kirchenstiftungen nicht in der Bilanz

Welchen Wert hat nun also der Münchner Dom? – Eine Frage, die wohl viele interessieren würde, die aber an dieser Stelle leider nicht beantwortet werden kann. Hier wird die Komplexität der Verantwortlichkeiten deutlich. Im Jahresabschluss 2015 seien lediglich die 352 im Besitz der Erzdiözese befindlichen Immobilien wie etwa das neue Dienstgebäude in der Kapellenstraße oder die 22 Schulen des Erzbistums bewertet worden, erklärt Reif. Der Liebfrauendom aber zähle nicht dazu. Dieses Gotteshaus werde nämlich von einer eigenen Kirchenstiftung, der Domstiftung, verwaltet. Ebensolche Kirchenstiftungen, die identisch mit den Pfarreien vor Ort sind, gebe es rund 750 im Erzbistum, dazu kommen Pfründestiftungen, deren Erträge heute in den Haushalt des Erzbistums fließen, um Personalaufwendungen zu bezahlen. Laut Aussage des Generalvikars stünden somit noch mehrere tausend Gebäude und weitere Vermögenswerte offen, die bis dato noch nicht bewertet worden seien. „Es sind noch einige Punkte offen“, resultiert Beer. Nicht zuletzt müsse auch der Umgang mit dem neuen Planungstool erst eingeübt werden. Ziel sei weiterhin: „größtmögliche Transparenz“. Trotzdem sei man mit dem heutigen Tag „einen guten Schritt weitergekommen“, erklärt Beer.

Reichtum ist relativ – gleiches gelte auch für das Vermögen des Erzbistums: „Wir sind kein Unternehmen, keine Bank“, sondern eine „leistungsfähige Diözese, die versucht mit den Mitteln, die sie hat, ihre Aufgaben zu erfüllen,“ bekennt Beer. So werde letztlich wieder dem Grundauftrag der Kirche gedient. (Tamara Wenger)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Die Kirche und das liebe Geld

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