Ein Jahr Corona in Deutschland Große Herausforderung für Kirche

25.01.2021

Ziemlich genau ein Jahr ist es her, dass der erste Corona-Fall in Deutschland aufgetreten ist. Seitdem ist unser Leben ziemlich aus den Fugen geraten. Ein Kommentar von Christian Moser.

Kameradisplay zeigt Priester bei der Messe
Corona förderte die digitalen Angebote der Kirche. © imago images/ULMER Pressebildagentur

So richtig ernst haben die Menschen das Virus und die Gefahr die von ihm ausgeht damals noch nicht genommen. Vom ersten Krankheitsfall bis zum Lockdown hat es noch einige Wochen gedauert. Die Fußballstadien waren voll, die Faschings- und Karnevalhochburgen fieberten dem Höhepunkt ihrer 5. Saison entgegen und feierten ausgelassen. In den Kirchenbänken waren zwar auch damals einige Lücken zu sehen, aber die waren nicht auf Abstandregelungen zurückzuführen.

Das Jahr 2020 hat vieles verändert. Nicht nur, dass die Profikicker vor leeren Stadionrängen spielen, die Züge fast leer sind, weil die Pendler ausbleiben und sich viele über die Lücken im Breitbandausbau der deutschen Internetbetreiber ärgern. Auch Kirche und das Glaubensleben haben sich verändert. In den ersten Wochen des Lockdowns herrschte auch hier eine gespenstische Lähmung. Öffentliche Gottesdienste wurden abgesagt. Die Kar- und Ostertage wurden nur digital gefeiert und die medialen Gottesdienstangebote kamen hauptsächlich aus den Kathedralen – natürlich gab es auch rühmliche Ausnahmen bei den Pfarreien, die mit einer handvoll Ehrenamtlicher Gottesdienstübertragungen auf Youtube oder anderen Kanälen möglich machten!

Kirche wird digital

Das Bild hat sich inzwischen gewandelt: Täglich werden Gottesdienste im Internet live übertragen, Radiostationen bieten vermehrt Gottesdienstübertragungen an und auch die Pfarreien haben sich auf digitale Seelsorgsangebote eingestellt. Auch wenn klar ist, dass der digitale Weg nicht allein selig machend ist. Vor allem die älteren Mitmenschen werden über Computer, Whatsapp oder Facebook nicht erreicht. Dafür stehen die Seelsorger natürlich für persönliche Gespräche bereit oder besuchen die Senioren auch zu Hause.

Die Digitalisierung ist aber für die Kirche auch eine Chance: Sie kann Gruppen erreichen, die vorher nicht in der Kernzielgruppe waren: Junge Menschen, die Kirche bisher als verstaubt und unnütz wahrgenommen haben. Sie merken jetzt, wie wichtig die Angebote sind, nicht nur für ihre Großeltern. Jugendstellen bieten eine Art Notbetreuung für Homeschooling an, Videoandachten helfen etwas Ruhe und Kraft zu finden in dem oftmals stressigen Homeoffice-Alltag.

Seelsorge ist in der Corona-Pandemie für viele Menschen wichtig

Dass kirchliche Angebote in der Krise stark gefragt sind, das zeigen auch die aktuellen Zahlen der Telefonseelsorge. 34.000 telefonische Kontakte hatte die Beratungsstelle im vergangenen Jahr zu verzeichnen ein, ein Plus von etwa 2,5% im Vergleich zu 2019. Die digitalen Beratungsmöglichkeiten haben sogar noch stärker zugelegt. So sind allen 80% mehr Chatanfragen bei der Telefonseelsorge eingegangen als im Jahr zuvor.

Für mich ein eindeutiges Zeichen: Kirche ist den Menschen nach wie vor eine starke Stütze. Sie muss nur wieder lernen, die Sorgen und Nöte ernst zu nehmen und vor allem die Angebote auf die Lebenswirklichkeit der Menschen abzustimmen. Das ist in erster Linie Aufgabe der Amtskirche, die dafür die Strukturen bereitstellen, Seelsorger fortbilden und auch Offenheit für Neues zulassen muss.  Aber es ist auch Aufgabe von uns allen, die wir Kirche sind, mit offenen Worten, konstruktiver Kritik und ernst gemeinter Unterstützung Kirche zu Hilfe zu kommen und Glauben zu leben.

Der Autor
Christian Moser
Radio-Redaktion
c.moser@st-michaelsbund.de


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