Misereor-Fastenaktion 2021 Gutes Leben für alle

18.02.2021

Dieses Jahr steht die Situation in Bolivien im Mittelpunkt der Fastenaktion. Dort herrscht noch immer soziale und wirtschaftliche Ungleichheit.

Zwei Bolivianer sitzen im Wald und haben Gemüse in der Hand.
Misereor setzt sich in Bolivien für eine schonende und nachhaltige Land- und Forstwirtschaft ein. © Reyes/Misereor

„Es geht! Anders.“ – unter diesem Motto blickt die Misereor-Fastenaktion 2021 nach Bolivien und lädt dazu ein, unsere Lebensweisen zu überdenken und neu auszurichten hin zu einer sozialökologisch orientierten Gesellschaft. Die Partner von Misereor vor Ort zeigen, wie ein gutes Leben für alle aussehen kann.

Rund 36 ethnische Gruppen leben in dem südamerikanischen Land, fast die Hälfte der über 11,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner bezeichnet sich als indigen. Der „plurinationale“ und mehrheitlich katholische Staat ist dabei von großen sozialen, kulturellen und landschaftlichen Kontrasten gekennzeichnet. Bolivien verfügt über zahlreiche Bodenschätze und ist trotzdem weiterhin eines der ärmsten Länder Lateinamerikas. Die Artenvielfalt dort ist riesig, aber von massiven Abholzungen und Umweltzerstörung bedroht, während der Klimawandel gravierende Auswirkungen zeigt. Das Land steckt heute in vielfältigen Krisen. Mit dem Antritt der Regierung Evo Morales’ mit seiner Partei MAS (Bewegung für den Sozialismus) schien sich im Jahr 2006 zunächst eine grundsätzliche Wende abzuzeichnen.

Regierung erzielte zunächst Erfolge

Die Hoffnungen vieler Menschen richteten sich vor allem auf die Überwindung der enormen sozialen Unterschiede und der Benachteiligung der indigenen Völker Boliviens sowie auf eine wirtschaftliche Entwicklung mit Rücksichtnahme auf die empfindlichen Ökosysteme des Landes. Tatsächlich gelang es der Regierung der MAS, die Armut wesentlich zu reduzieren. Der Anteil von Frauen und Indigenen in politischen Entscheidungspositionen stieg deutlich. Ihre Wirtschafts- und staatliche Einnahmenpolitik setzte jedoch fast ausschließlich auf die Ausbeutung natürlicher Ressourcen und deren Export ins Ausland.

Mit dem Verfall der Rohstoffpreise ab etwa 2015/2016 stieß das bisherige Modell an seine Grenzen. Im verzweifelten Bemühen um neue Einnahmequellen forcierte die Politik immer stärker den Bergbau, die Erdgassuche, die Agrarindustrie und den geplanten Bau von Staudämmen. Die Rechte der indigenen Bevölkerung wie auch ökologische Belange wurden dabei ignoriert. Besonders heftige Auswirkungen hatte ein Pakt der Regierung mit der Agrarindustrie: Durch präsidentielle Dekrete befördert, verbrannten allein im Jahr 2019 insgesamt sechs Millionen Hektar Fläche im bolivianischen Tiefland durch gezielt gelegte Waldbrände, davon zwei Millionen Hektar Regenwald. Die Einnahmenverluste konnten jedoch nicht ausgeglichen werden, es zeigte sich eine immer deutlichere wirtschaftliche Krise.

Neuer Kurs ungewiss

Gleichzeitig wurde die Regierungsführung zunehmend autoritärer, die MAS nutzte Mittel der sozialen Polarisierung zum Machterhalt. Dem von der Organisation amerikanischer Staaten (OEA) bestätigten Vorwurf von Unregelmäßigkeiten bei der Wahl im Oktober 2019 folgten schwere Unruhen von Gegnern und Befürwortern Evo Morales’, die schließlich im Verlust der Unterstützung durch das Militär sowie seinem Rücktritt und der Ausreise ins Exil mündeten.

Die als Interimspräsidentin ernannte rechts-gerichtete Politikerin Jeanine Añez zeigte eine katastrophale Regierungsführung: Die gewaltsame Unterdrückung der Proteste der Anhänger Evo Morales führte zu Toten, die Präsidentin schaffte Fakten zugunsten der ihr nahestehenden Agrarindustrie, die Korruption explodierte und die Regierung erwies sich unfähig, mit der vom Coronavirus in Bolivien ausgelösten Pandemie umzugehen. Der Wahlsieg der MAS im Oktober 2020 mit dem ehemaligen Wirtschaftsminister Luis Arce als Präsidentschaftskandidaten fiel unerwartet hoch aus. Er lässt sich als ein pragmatisches Votum der Bolivianerinnen und Bolivianer angesichts der unhaltbaren Zustände unter der Übergangsregierung verstehen.

Der Kurs der neuen alten Regierung ist dabei noch ungewiss. Eines steht jedoch bei der tiefen Krise, in der Bolivien steckt, fest: Ein einfaches „Weiter so“ wird nicht funktionieren. Indigene und kleinbäuerliche Gemeinden, Frauen, Kollektive junger Menschen und andere arbeiten mit der Unterstützung von Misereor-Partnerorganisationen an konkreten Alternativen und leben sie vor. Sie zeigen, dass es anders geht. (pm)

Alle Informationen, Spendenmöglichkeiten und Angebote zur Fastenaktion 2021 finden Sie hier.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Fastenzeit

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