Frauen und Kirche "Halbzeit" bei Maria 2.0

16.05.2019

Die Debatten über den einwöchigen Kirchenstreik der Initiative "Maria 2.0" gehen weiter. Am Mittwoch haben sich dazu verschiedene Bischöfe und andere Experten zu Wort gemeldet.

In Münster demonstrierten mehr als 500 Frauen und Männer.
In Münster demonstrierten mehr als 500 Frauen und Männer. © kna

Bonn – Die Debatten über den einwöchigen Kirchenstreik der Initiative "Maria 2.0" gehen weiter. Der katholische Würzburger Bischof Franz Jung und Hamburgs Erzbischof Stefan Heße betonten am Mittwoch die Dialogbereitschaft der Bischöfe und verwiesen darauf, dass die diskutierten Themen auch bei dem von den Bischöfen ausgerufenem "Synodalen Weg" besprochen würden. Vertreter von Theologie und Frauenverbänden unterstrichen, die Aktion seien ein letzter Weckruf.

Forderungen der Initiative "Maria 2.0" sind unter anderem der Zugang von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern, eine konsequente Aufklärung der Missbrauchsfälle und eine Sexualmoral, die der Lebenswelt von Menschen angepasst sei. Der Kirchenstreik begann am vergangenen Samstag.

Warnung vor Austrittswelle

Jung erklärte in Würzburg, er verstehe die Proteste als "Ausdruck echter Sorge um eine gute weitere Entwicklung der katholischen Kirche, was die Stellung der Frau anbelangt". Heße nannte die Proteste einen "Impuls für den Dialog".

Die stellvertretende Vorsitzende der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), Agnes Wuckelt, warnte vor einem massenweisen Austritt von Frauen aus der katholischen Kirche. "Noch sind wir lautstark. Danach aber, so fürchte ich, folgt der lautlose Auszug - und ich sage voraus: in Scharen", sagte Wuckelt der "Frankfurter Rundschau" (Mittwoch).

An der Weihe für Frauen führe in einer Kirche, die vom Engagement der Frauen lebe, schon deshalb kein Weg vorbei, "weil alles, worum es in der Kirche und im Glauben zentral geht, an das Weiheamt gebunden ist. Und das reservieren die Männer für sich", betonte Wuckelt.

Glaubenslehre laufe ins Leere

Der Freiburger Religionssoziologe und Theologe Michael Ebertz nannte es in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Rundschau" merkwürdig, dass sich die Bischöfe "für rückläufige Mengen an Geld und Mitgliedern interessieren, nicht aber für deren wirkliche Lebensführung und Glaubensvorstellungen".

So laufe die Glaubenslehre bei der Mehrheit der Gläubigen "ins Leere und lässt sich mit deren Glauben nicht in Übereinstimmung bringen", so Ebertz. 90 Prozent ignorierten Sonntag für Sonntag die Eucharistiefeier, die der Klerus "Quelle und Höhepunkt" des kirchlichen Lebens nenne. Seit Jahrzehnten sei zudem bekannt, dass die Einstellungen der katholischen Frauen wie Männer zur Sexualität "von der kirchenoffiziellen Linie maximal abweichen". Auch beichteten die meisten Seelsorger "selbst nicht mehr".

Positive Wut

Die deutsch-schweizerische Theologin Jacqueline Straub erklärte, die Appelle der engagierten katholischen Frauen seien immer ignoriert worden. "Darum sollen die Bischöfe endlich unsere positive Wut spüren." Würden alle Frauen, die sich für die Kirche engagieren, kollektiv einen Monat lang streiken, "dann würde der ganze 'Laden' zusammenbrechen". (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

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