Father Ray Kelly trat in München auf „Hallelujah“ für den Heiligen

17.03.2017

Zum St. Patricks Day feierten Münchner und Iren in St. Ludwig einen gemeinsamen Gottesdienst. Ein echter YouTube-Star sorgte dabei nicht nur für den Gesang.

Father Ray Kelly beim Gottesdienst © Kiderle

Als ich ein kleiner Junge war, freute ich mich immer auf den St. Patricks Day. Wenn er in die Fastenzeit fiel und ich zum Beispiel auf Süßigkeiten verzichtete, konnte ich sie an diesem Festtag genießen.“ Die Menschen schmunzeln während der Predigt von Father Ray Kelly. Der singende Pfarrer aus Irland ist heuer für die Feierlichkeiten rund um den St. Patricks Day extra von der grünen Insel zu seinen Landsleuten nach München gereist. Hier wird das Fest des irischen Nationalheiligen seit Jahren stets mit Gottesdienst und Parade groß gefeiert.

Die traditionelle irische Messe in der Ludwigskirche begann mit einem Schmankerl: Wer sich einen Platz sichern konnte, probte 20 Minuten vor Messbeginn mit Father Kelly zusammen das Sanctus-Lied „Glory to God“. Wer zu spät kam, musste stehen: Das große Gotteshaus war bereits gut eine halbe Stunde vorher bis auf den letzten Platz besetzt.

Dazu muss man wissen: Der 64-jährige Father Ray Kelly ist ein Star im Internet: Im April 2014 sang er auf einer Hochzeit seine umgetextete Version von Leonard Cohens „Hallelujah“. Das Video landete auf der Internet-Plattform „YouTube“ und Kelly wurde über Nacht weltweit berühmt. Bis heute brachte es der knapp vierminütige Clip auf über 54 Millionen Zugriffe. „Make it 56 million!“, scherzte Kelly. Bis heute wird er für Hochzeiten angefragt. „Sogar in Deutschland laden mich Paare zu ihrer Hochzeit ein und bitten mich, ,Hallelujah‘ zu singen“, erzählt er. Zwei Alben hat er nach diesem Erfolg aufgenommen, „die jedoch mein Leben und Wirken als Priester nicht beeinträchtigen“. Ganz im Gegenteil, sogar Menschen, die sonst nichts mit der Kirche am Hut hätten, seien von seiner Musik berührt, sagt Kelly.

Der irische Gottesdienst in St. Ludwig markiert traditionell den Beginn der Festlichkeiten zum St. Patricks Day in München. Kelly feiert ihn zusammen mit dem irische Jesuiten Niall Leahy, der im Pfarrverband Grünwald tätig ist. So bunt wie die Gottesdienstbesucher ist auch die Sprachvielfalt: Die Messtexte sind deutsch, englisch und gälisch. Neben Father Ray Kelly übernehmen die musikalische Gestaltung der Tenor Dean Power, Harfenistin Teresa O’Donnell, Violinistin Abbie McDonagh und der Dudelsackspieler Dermot Hyde. Sie sind im Chorraum platziert und schon bald erschallt der typische „Irland-Sound“ in der Ludwigskirche.

Father Kelly stellt in seiner frei in Englisch gehaltenen Predigt den heiligen Patrick vor: „Er hat uns alle, Deutsche und Iren, heute in dieser Kirche zusammengeführt.“ „Saint Patrick“ brachte den katholischen Glauben im fünften Jahrhundert auf die Insel. Seine bewegte Vita basiere allerdings auf Legenden. Katholisch erzogen, verschleppten Sklavenjäger den jungen Patrick. In dieser „Zeit der Bedrängnis und Not begegnete er Gott“, erklärt Father Kelly. Patrick fand Trost im Christentum. Er floh, vermutlich Richtung Gallien, wurde Priester und kehrte um 432 als vom Papst gesandter Bischof nach Irland zurück. Dort verkündete er unter den zum Teil stark verfeindeten Familien- Clans mutig und unerschrocken den christlichen Glauben sowie die Nächsten- und Feindesliebe. Patrick beeinflusste die Entwicklung des Landes und dessen Identität maßgeblich – bis heute. Humor, Offenheit und Herzlichkeit seien dem Heiligen zu verdanken. Jedes Jahr aufs Neue diene der Gedenktag von Saint Patrick auch dazu, herauszufinden, „was es bedeutet, irisch zu sein“, so Kellys Fazit.

Emotionaler Schlusspunkt des Gottesdienstes: Father Kelly performt zum vollen Orgelklang den alten Cat Stevens Klassiker „Morning has broken“. Und dann ist es so weit: Father Kelly hat sich in der Sakristei umgezogen, kehrt zurück an den Ambo und stimmt als Zugabe und zur Freude aller endlich Cohens „Hallelujah“ an. Wie aus einem Mund erklingt von der Gemeinde der Refrain. Unzählige Smartphones werden gezückt, filmen mit und halten so den Gänsehaut-Moment fest.Als „sehr bewegend und würdevoll“ bezeichnen viele Besucher im Anschluss die Messe. Father Kelly sei ungemein sympathisch, „so dass wir es nicht erwarten konnten, bis er sein ,Hallelujah‘ anstimmte.“

Eine Tanzgruppe aus dem Theresia-Gerhardinger-Gymnasium beteiligte sich am Zug. © Kiderle

Tags darauf zog dann ab 12 Uhr die große St. Patricks-Parade über die Münchner Freiheit und die Leopold- und Ludwigstraße. Dieses Jahr beteiligten sich 52 Gruppen. Heuer war zum ersten Mal der Wittelsbacher Platz das Ziel der Feiernden. Der Zug bestand aus Flaggenträgern und Sportclubs, Trachtenvereinen und Folkloregruppen. Auch eine Tanzgruppe des Theresia-Gerhardinger- Gymnasiums der Armen Schulschwestern war mit Feuereifer bei der Sache. Bei strahlendem Sonnenschein feierten die etwa 20.000 Besucher entweder auf dem Platz weiter oder verlagerten die „After-Show-Party“ in die nahegelegenen Pubs. Nicht nur im Gottesdienst machte man eine Pause vom Fasten. (Matthias Chrobok/flo)


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