Klima und Kirche Handeln und beten für die Schöpfung

30.11.2015

Papst Franziskus wiederholt es unermüdlich: Der Klimaschutz ist eine Aufgabe für alle. Also nicht nur für die Politiker und den Weltklimagipfel, der in Paris begonnen hat. Auch die Kirche hat hier ihre Hausaufgaben. Das Erzbistum München und Freising arbeitet bereits seit längerem daran.

Schöpfungsverantwortung: Damit es so schön bleibt (Bild: Wolfilser - Fotolia) © Fotolia.com/Wolfilser

München - Matthias Kiefer legt gerade sein Faltrad zusammen: Das hat der Umweltreferent der Erzdiözese München und Freising immer dabei, wenn er von einem Bahnhof in ein zwei bis drei Kilometer entferntes Pfarrheim zu einem Vortrag fährt. „Kirche kann nur dann glaubwürdig Forderungen an andere richten, wenn sie selbst entsprechend handelt“, sagt Kiefer und öffnet die letzte Schraube seines Dienstrades, das jetzt so klein ist, dass es auf die Gepäckablage in der S-Bahn passt. Er ist viel unterwegs, um für den Umweltschutz in der Kirche zu werben und ein größeres Bewusstsein dafür zu schaffen. Dass er selbst möglichst wenig Auto fährt, ist ein Mosaikstein. Seine Abteilung kümmert sich auch um das Energiesparen in den Pfarreien des Erzbistums, das seit 2007 Mitglied der bayerischen Klima-Allianz ist. Geschätzte 20 Millionen Euro geben die Kirchengemeinden für Heizung und Strom aus. Das soll weniger werden und das übt Anselm Kirchbichler, der das Projekt „Wir übernehmen Schöpfungsverantwortung - Energiemanagement“ leitet, mit den Pfarreien ein.

Keine Gefriertruhen im Heizungskeller

Das beginnt damit, dass die Kirchenverwaltung einmal im Monat den Stromzähler abliest und hört damit auf, dass vor und nach Veranstaltungen im Pfarrheim jemand die Heizungen reguliert. Wenn dann auch noch stromsparende LED-Lampen und Energieleisten dazukommen, ist schon viel erreicht. Anselm Kirchbichler hat jedoch auch schon eingeschaltete Gefriertruhen im Heizungskeller erlebt, in denen monatelang nur zwei Päckchen mit Bratwürsten und ein Beutel Pommes Frittes lagen. Immerhin sind aber bereits 600 ehrenamtliche Umweltbeauftragte in 350 Pfarreien des Erzbistums dabei, die Ökobilanz stark zu verbessern. Das Thema wird in seiner Dringlichkeit offenbar bei den Gläubigen erkannt: „Wir waren selbst überrascht, wie schnell wir zu diesen Leuten nach den letzten Kirchenverwaltungs- und Pfarrgemeinderatswahlen gekommen sind“, sagt Kirchbichler, der die Ehrenamtlichen begleitet. Die achten nicht nur auf wirtschaftliche Gesichtspunkte, sondern dass das Thema Schöpfungsverantwortung die gesamte Seelsorge durchzieht. Das kann von einem Waldpflege-Einsatz mit Firmlingen bis zur Predigt und zum Pfarrfest reichen, auf dem Mittagessen aus Gemüse gekocht wird, das Flüchtlinge auf einem kommunalen oder kirchlichen Grundstück angebaut haben. Manche Gemeinde machen sich sogar auf den Weg, um sich mit dem europäischen Umweltsiegel EMAS zertifizieren zu lassen. Es setzt einen zwei- bis dreijährigen Prozess voraus, der oft Investitonen etwa in die Wärmedämmung erfordert, den auch das Erzbistum unterstützt.

Rückenwind durch den Papst

Damit darf aber das kirchliche Engagement für die Schöpfung nicht aufhören, unterstreicht der Umweltbeauftragte Matthias Kiefer immer wieder: „Wir brauchen, um mit dem Papst zu sprechen, eine ökologische Spiritualität.“ Ein Beispiel dafür war die ökumenische Gebetsnacht für das Klima und die Schöpfung Mitte November. Praktisches und Geistliches ganzheitlich zu verbinden, dafür hat der Papst zuletzt in seiner umwelt- und sozialpolitischen Enzyklika Laudato Si geworben. Für Matthias Kiefer ist sie Wasser auf seine Mühlen. Denn das Schreiben wird auch außerhalb der Kirche stark wahrgenommen. Als der Umweltbeauftragte der Erzdiözese vor kurzem zu einer Podiumsdiskussion mit Ulrike Scharf eingeladen war, hatte die bayerische Umweltministerin ein persönliches Exemplar der Enzyklika dabei: „Das war angemarkert und mit Post-Its versehen von vorn bis hinten.“ Laudato si habe „eingeschlagen und wird ernst genommen“. Und Matthias Kiefer hofft, dass dies nun nicht nur in der Erzdiözese und in Bayern, sondern auch beim Weltklimagipfel in Paris zu spüren ist. (alb)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Umweltschutz

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