Gottesdienste in Zeiten von Corona Hausgottesdienste an Ostern

07.04.2020

An Ostern finden dieses Jahr keine öffentlichen Messen statt. Auf Vieles müssen die Gläubigen aber nicht verzichten - wenn sie es dafür selbst in die Hand nehmen.

Die Kirchenbänke werden heuer an Ostern leer bleiben. © prokopjev - stock.adobe.com

Vor knapp sechs Wochen hat die Fastenzeit begonnen. Damals hat wohl kaum jemand geahnt, wie sie enden würde. Durch die Corona-Pandemie wird das Osterfest, auf das sich die Christen überall auf der Welt und im Erzbistum München und Freising vorbereitet haben, dieses Jahr alles andere als gewohnt werden. Seit Wochen gibt es keine Gottesdienste mehr und selbst der Papst stand bei seinem außerordentlichen „Urbi et Orbi“-Segen alleine auf einem ansonsten menschenleeren Petersplatz. Vielerorts ist das Leben in den Gemeinden zum Stillstand gekommen. Spätestens mit Beginn der Ausgangsbeschränkungen in Bayern fragen sich nun Viele: Wie soll man da Ostern feiern?

Eigene Leidensgeschichte

Monika Selle leitet die Abteilung Liturgie im Erzbischöflichen Ordinariat der Erzdiözese München und Freising und berät darüber hinaus auch die Liturgiekomission der Deutschen Bischofskonferenz. Sie findet es gerade jetzt wichtig, Ostern zu feiern: „Es wäre fatal gewesen, wenn man Ostern ausfallen lassen hätte.“ Man erlebe ja das, was an Ostern thematisiert wird, erklärt sie: „Wir denken vielleicht zurück, wann wir zuletzt in der großen Runde gegessen haben, so wie Jesus mit seinen Jüngern am Gründonnerstag.“ Außerdem machen gerade viele Menschen ebenfalls eine Leidensgeschichte durch, „auch da haben wir natürlich die Hoffnung der Auferstehung.“

Fakt ist aber: In der Kar- und Osterzeit müssen die Gläubigen ohne Gottesdienste auskommen. In vielen Kirchen wird es dennoch Messfeiern geben, die die Priester dann alleine halten. Mit Exklusivität hat das aber nichts zu tun, erklärt Selle: „Die Priester feiern hier nicht ihr Privileg, sondern sie tun es stellvertretend für ihre ganze Gemeinde, die nicht dabei sein darf.“

Physische Begegnung lässt sich nicht digitalisieren

Die Gemeinden müssen auf die Priester verzichten, die Priester auf die Gemeinden. Gottesdienste im Videostream können da allenfalls als Notlösung herhalten, sagt Rainer Maria Schießler, Pfarrer der Münchner Pfarrei St. Maximilian: „Solche Geistermessen sind eigentlich nicht vorgesehen. Die Messe ist dann eine gescheite Messe, wenn ein Dialog, ein Miteinander zwischen Priester und Gemeinde da ist und man miteinander kommuniziert. Eine physische Begegnung kann nicht digitalisiert werden.“

Gottesdienste kann man also nicht besuchen, der Livestream ist aber auch kein würdiger Ersatz. Feiern lässt sich ein Gottesdienst aber trotzdem. Denn so wichtig, wie die gemeinsame Liturgie im Gottesdienst auch ist, man braucht für sie weder Kirchengebäude noch Priester, weiß die Expertin Selle: „Wir können auch zuhause miteinander Gottesdienst feiern und dann sind wir eben eine kleine Hauskirche“, sagt Selle. Den Menschen jetzt zu ermöglichen, Hausgottesdienste zu feiern, hält sie „eine Verantwortung, die wir jetzt ernst nehmen müssen.“

Jeder kann Speisen segnen

Für viele Gläubige ist es nun das erste Mal, dass sie sich mit dem Thema Hausgottesdienst auseinandersetzen – und dann gleich an Ostern, mit seiner besonderen Bedeutung und den speziellen Ritualen. Auf der Homepage des Erzbistums gibt es deshalb Anleitungen für Hausgottesdienste in der Kar- und Osterzeit. Nicht mal auf die Speisenweihe muss man da verzichten, sagt Monika Selle: „Wenn wir zuhause die Osternacht feiern, dann gibt es auch im Hausgottesdienst eine Gebrauchsanweisung, ein Gebet, um die Speisen zu segnen.“ Eine solche Speisensegnung gehört nämlich ganz natürlich zu dem, was Christen auch selbst durchführen können. Viele Menschen tun das auch im restlichen Jahr, auch wenn sie es vielleicht nicht wissen, sagt Pfarrer Schießler: „Der Segen über die Speisen ist unser Tischsegen: Man hält inne, wird demütig und dankt, weil man feststellt, dass das keine Selbstverständlichkeit ist – gerade in Zeiten von Hamsterkäufen.“ Ein solcher Segen gilt genauso wie der, den sonst der Priester nach der Osternacht über die Speisen spricht. „Denn es ist keine Zauberei. Es ist ein symbolisches Zeichen des Tuns Gottes an uns Menschen“, erklärt Schießler. „Er will, dass es uns gut geht und das eigentlich Segnende ist unser Gebet.“

Osterlicht per Smartphone

Auch beim Weitereichen des Osterlichts sind Alternativen möglich, denn auch hier zählt für Pfarrer Schießler die Symbolik. Das Osterlicht soll zeigen, dass die Menschen von Gott in der Dunkelheit nicht allein gelassen werden. In Zeiten von Corona lässt sich dieses Zeichen zum Beispiel auch weitergeben, in dem man es mit dem Handy verschickt, sagt Schießler. Denn besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen: „Ich denke, wir haben eine Ausnahmesituation und die akzeptieren wir jetzt alle miteinander und feiern heuer ein ganz anderes Ostern, als wir das bisher gewohnt waren.“

Ob sie Ostern trotz Corona würdig feiern können haben Christen in diesem Jahr also vor allem selbst in der Hand. Monika Selle sieht gerade in dieser Tatsache ein ermutigendes Zeichen: „Das ist sicher auch eine Chance, dass die Menschen spüren: Wir können das auch selbst.“

Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern

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