Geld, Corona und Kirche Haushalts-Pressekonferenz der Erzdiözese München und Freising

23.10.2020

Das Erzbistum München und Freising rechnet in Zukunft mit erheblichen Minuszahlen. Auch wenn die Einnahmen 2019 höher waren als erwartet.

Fast 120 Seiten Fakten und Zahlen: der Haushaltsbericht 2020 und Jahresabschluss 2019, den die Erzdiözese Münchne und Freising auf einer Pressekonferenz vorgestellt hat. bericht der Erzdiözese München und Freising 2020.
Fast 120 Seiten Fakten und Zahlen: der Haushaltsbericht 2020 und Jahresabschluss 2019, den die Erzdiözese Münchne und Freising auf einer Pressekonferenz vorgestellt hat. © Kiderle

München - Im vergangenen Jahr ist es noch einmal halbwegs gut gegangen. 887 Millionen Euro hat die Erzdiözese eingenommen, davon rund 665 Millionen Euro aus Kirchensteuern, der Rest sind Zuschüsse und Vermögenserlöse. Die Aufwendungen lagen bei 813 Millionen Euro. Trotzdem hat Finanzdirektor Markus Reif Sorgen, die er auf der Haushalt-Pressekonferenz an diesem Freitag vorgerechnet hat. So sind die Überschüsse aus dem Jahr 2019 und sogar noch Rücklagen unmittelbar in die zukünftige Versorgung der Mitarbeiter geflossen. Denn das für die Pensionsansprüche zurückgelegte Geld wird nur noch mit einem Prozent verzinst. Die früheren Prognosen waren von zwei Prozent ausgegangen.

Corona bringt Einnahmeverlust

Und für 2020 hat das Coronavirus auch den Bistumshaushalt infiziert. Die Kirchensteuereinnahmen werden aufgrund der Pandemie deutlich zurückgehen. Wegen Kurzarbeit und schrumpfender Wirtschaft, fehlen im laufenden Jahr bis zu 30 Millionen Euro. Dabei hat die Erzdiözese für dieses Jahr bereits vor der Krise ein Minus erwartet, das aus Rücklagen gedeckt werden sollte, in die nun noch einmal stärker hineingegriffen werden muss. Insgesamt plante das Erzbistum für 2020 mit Erträgen von 839 Millionen Euro und Aufwendungen von 872 Millionen Euro.  „Durch Corona werden alte Probleme verschärft“, erklärte Finanzdirektor Reif gegenüber mk online. „Wir haben strukturelle Defizite durch ständig steigende Personal,- Bau- und IT-Kosten.“ Und niemand wisse, wie die Entwicklung nun weitergehe. Eine Haushaltssperre und Zuschusskürzungen haben sich aber vermeiden lassen. Die großen Bauprojekte in der Erzdiözese, etwa die Umgestaltung des Freisinger Diözesanmuseums, die Erweiterung der Irmengard-Schulen in Garmisch-Partenkirchen oder der Neubau der Franziskus-Schule im Münchner Osten laufen wie geplant weiter. Und trotz der Herausforderungen ist der Finanzdirektor „optimistisch, weil wir zum ersten Mal einen Gesamtstrategieprozess angestoßen haben, bei dem wir diese Probleme beleuchten, beraten und, das erhoffe ich mir, zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen“.

Kernauftrag festlegen

Diesen Prozess erläuterte auf der Pressekonferenz Generalvikar Christoph Klingan, der zusammen mit Amtschefin Stephanie Herrmann die Verwaltung des Erzbistums verantwortet. Er schilderte die Notwendigkeit, „dass wir wirklich überlegen, was ist unser Kernauftrag als Kirche“. Angesichts der Krise und der finanziellen Prognosen, „können wir uns vor dieser Frage nicht drücken und müssen sie zeitnah beantworten“. Wie unverzichtbar die Seelsorge sei, habe die Pandemie deutlich gemacht, während der die Erzdiözese eigens 50 Seelsorger für die Begleitung der infizierten Kranken und Sterbenden ausgebildet habe. „Auch das gottesdienstliche Leben in den Gemeinden darf und wird nicht einschlafen“, versicherte der Generalvikar gegenüber mk online, „das ist nicht davon abhängig, dass wir einen Seelsorger für jede einzelne Gemeinde zur Verfügung stellen.“  Er setze auf die vielen Ehrenamtlichen, die das Leben in den Pfarreien tragen. Sie müssten dabei von den Hauptamtlichen „motiviert, unterstützt, begleitet und in gewisser Weise auch angeleitet werden“.

Dafür seien nun die zur Verfügung stehenden personellen und finanziellen Mittel zu prüfen und einzusetzen. Angesichts der ständig steigenden Baulasten, sei zudem in Zukunft nicht auszuschließen, „dass wir uns auch von Gebäuden trennen müssen“. Steigen werden auch die von der Deutschen Bischofskonferenz beschlossenen Anerkennungsleistungen für Missbrauchsopfer. Das Erzbistum München und Freising will dafür aber nicht das Geld der Kirchensteuerzahler verwenden. Generalvikar Klingan kündigte an, dass die Anerkennungsleistungen aus dem Vermögen des Erzbischöflichen Stuhls finanziert werden, in den keine Kirchensteuern fließen.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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