Naturmedizin Heilende Kräuter aus dem Klostergarten

16.07.2021

Pflanzenheilkunde hat eine jahrhundertealte Tradition und wurde in der Vergangenheit von Persönlichkeiten wie Hildegard von Bingen geprägt. Die Bedeutung von klösterlichem Kräuterwissen ist bis heute aktuell.

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Was für Land du immer besitzest, und wo es sich finde, … nirgends weigert es sich, die ihm eignen Gewächse zu zeugen. Wenn deine Pflege nur nicht ermattet in lähmender Trägheit, nicht sich gewöhnt zu verachten den vielfachen Reichtum des Gärtners …“, so heißt es im berühmten „Hortulus“, dem „Gartengedicht“ des Mönchs Walahfrid Strabo (circa 808 – 849). Walahfrid war Abt des Benediktinerklosters auf der Insel Reichenau im Bodensee. Kräuter waren seine Passion. Seine Kenntnisse fasste er um 842 in seinem Lehrgedicht „De cultura hortorum“, kurz „Hortulus“ (Gärtlein) genannt, in 444 Hexametern zusammen. In seiner Abhandlung beschrieb er 24 Heilkräuter und Zierpflanzen, die auch noch in unseren heutigen Gärten zu finden sind. Seine Hinweise zu Anbau, Pflege und Einsatz von Kräutern sind nach wie vor aktuell, ebenso wie sein Appell an den Gärtner, den Pflanzen volle Aufmerksamkeit zu widmen und die Pflege nicht zu vernachlässigen. Denn: „Ohne Fleiß kein Preis“, würde man heute sagen.

Hildegard von Bingen - Ordensfrau und Heilkundlerin

Dieser Aussage würde sich eine der berühmtesten Ordensfrauen des Mittelalters sicherlich vorbehaltlos anschließen: Hildegard von Bingen (1098 – 1179). Die Benediktinerin gilt in unseren Breiten als bekannteste Heilkundlerin ihrer Zeit. Neben anderen Schriften verfasste sie die medizinischen Werke „Physica“ und „Causae et curae“, in denen sie die Bedeutung der Pflanzen und ihre Wirkung auf den Menschen beschrieb: „Und die Erde gab ihr Grün nach der Art, der Natur, dem Charakter und jeglicher Eigenschaft des Menschen.“ (aus: Hildegard von Bingen, Wisse die Wege, Frankfurt am Main 1997) Von Hildegard stammt der Begriff der „Viriditas“, der Grünkraft der Natur, die aus ihrer Sicht Basis für ein gesundes Leben war.

Walahfrid Strabo und Hildegard von Bingen stehen stellvertretend für zahlreiche Ordensleute, die im Mittelalter Klostermedizin betrieben. Die Krankenpflege zählte zu den wichtigen Aufgaben der Klöster jener Zeit. Der heilige Benedikt von Nursia betonte in seiner um 540 entstandenen Ordensregel die Bedeutung der Krankenpflege: „Die Sorge für die Kranken muss vor und über allem stehen: Man soll ihnen so dienen, als wären sie wirklich Christus.“ (Regel Benedikt, Kap. 36, 1)

Die Bedeutung der Klosterheilkunde

Vom achten bis zum späten 13. Jahrhundert wurde die Heilkunde weitgehend von Mönchen ausgeübt. Diese konnten, im Gegensatz zur restlichen Bevölkerung, lesen und schreiben und hatten Zeit, mit Kräutern und deren Heilwirkung zu experimentieren. Nonnen und Mönche entwickelten sich zu Botanikern und medizinischen Fachkräften. Sie wandten unter anderem auch Heilbäder, Salben und Trinkkuren an. Die Menschen außerhalb der Klostermauern suchten Mönchsärzte auf, wenn sie medizinische Hilfe brauchten. Seit dem frühen Mittelalter betrieben die Klöster auch Hospitäler.
Die Klosterheilkunde behielt ihre Bedeutung auch bei, als medizinische Fakultäten an weltlichen Universitäten eingerichtet wurden.

Was bleibt von der Tradition?

Die Tradition der Kräuterheilkunde geriet in den Klöstern nie ganz in Vergessenheit. Auf Grund der schrumpfenden Mitgliederzahlen und der Altersstruktur in den heutigen Konventen gibt es aber immer weniger Ordensleute, die sich mit dem heilkundlichen Einsatz von Kräutern beschäftigen können. Manche Klöster haben ihre Kräutergärten jedoch erhalten, und manchmal trifft man auf Ordensleute, die aus den klösterlichen Kräutern Heilmittel herstellen. So auch Schwester Paulinia Baumgartner von den Steyler Missionarinnen. Ihre Tinkturen, Tees und Salben haben schon vielen ihrer Mitschwestern geholfen. (Dr. Petra Altmann, Buchautorin, Journalistin und Logotherapeutin)


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