Homepage zu barockem Brauch Heilige Gräber im Erzbistum

11.04.2017

Jetzt werden sie wieder allerorten im Erzbistum für den Karfreitag und Karsamstag aufgebaut: Heilige Gräber, also fromme und fantasievolle Nachbildungen der Grablege Jesu. Das Brauchtum dazu stammt aus dem Barock. Online findet man die schönsten Gräber ganz schnell.

Heiliges Grab aus Taufkirchen bei München © privat

Das Heilige Grab – noch vor 50 Jahren gehörte es zum Karfreitag wie die großen Holzratschen, mit denen anstelle der schweigenden Glocken die Gläubigen zum Gottesdienst gerufen wurden. Die Fenster der Kirche waren an diesem Tag mit dunklen Tüchern verhängt. So entstand eine düstere Stimmung, die eine besinnliche Atmosphäre für das Heilige Grab schuf, das im Altarraum oder in einer Nebenkapelle am Gründonnerstag mit viel Mühe und Liebe aufgebaut worden war. Der Brauch entstand im Mittelalter durch Wallfahrten ins Heilige Land. Damit wollte man jenen, die nicht dorthin pilgern konnten, einen Eindruck vom Grab Christi vermitteln. Solche Nachbildungen sind seit 1300 in Dom-, Hof- und Klosterkirchen nachweisbar.

Nach dem Konzil von Trient (1545-1563) erlebte diese Form der Volksfrömmigkeit im 18. Jahrhundert vor allem im Alpenraum und in Altbayern ihre Hochblüte. Die Jesuiten, die sie sehr förderten, sahen im Heiligen Grab ein spectaculum sacrum, ein heiliges Spektakel, das die Gläubigen in ihrem Glauben festigen sollte.

Graf als "lebender Leichnam"

Und so entstanden in Stadt und Land ganz im barocken Geist Kulissengräber mit theatralischen Scheinarchitekturen oder biblischen Landschaften, mit Engeln und Wachsoldaten. Der Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. Um den Eindruck des Grabes zu verstärken, beleuchtete man es mit farbigen Glaskugeln, mit Öllämpchen oder Kerzen. In eine Nische legte man eine Figur von Christi Leichnam. In manchen Kirchen haben früher Bürger die Stelle von Figuren am Heiligen Grab eingenommen, verkleidet als römische Soldaten und Engel. Vom Grafen Anton Clemens zu Toerring-Seefeld beim Pilsensee weiß man, dass er alljährlich im Heiligen Grab in der Münchner Michaelskirche als „lebender Leichnam“ fungierte.

Unter dem Einfluss von Aufklärung und Säkularisation kam es zu einem Verbot und Rückgang des religiösen Brauches. In vereinfachter Form lebte aber in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts wieder auf. Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) erfreute sich das Heilige Grab bei uns großer Beliebtheit. In den Dörfern und Städten wetteiferten die Pfarreien in der prunkvollen Ausgestaltung untereinander. Es war auch guter Brauch, am Karfreitag den „Herrn in der Ruh“ in mehreren Kirchen zu besuchen. Die Gläubigen fanden sich hier zu Betstunden ein, in denen sie sich in das Leiden und Sterben des Heilands vertieften. Am Karsamstag wurde bei der Auferstehungsfeier der tote Leichnam verhüllt und über dem Grab erschien die Figur des Auferstandenen mit der Osterfahne.

In jüngster Zeit erinnern sich wieder zahlreiche Pfarreien an den alten Brauch und stellen, soweit noch Kulissen vorhanden sind, ein Heiliges Grab auf. Besonders schöne aus der Barockzeit haben sich erhalten in der ehemaligen Klosterkirche Höglwörth im Rupertiwinkel, in Fischbachau bei Miesbach, in Gaißach im Isarwinkel und in Rottach-Egern am Tegernsee. (Albert Bichler)

Auch heuer kann man sich wieder online über die Heiligen Gräber im ganzen Erzbistum informieren. Die vom Sankt Michaelsbund zusammen mit dem Ordinariat erstellte Seite wurde erneut aktualisiert und um etliche Standorte erweitert. Eine Karte veranschaulicht die Lage der mittlerweile rund 200 hier gelisteten Nachbildungen des Grabes Jesu. Klickt man darauf, gelangt man zu Fotos der jeweiligen Kirchen sowie früherer Aufbauten. Der Text darunter bietet Informationen zur Geschichte des entsprechenden Grabes und dessen aktueller Öffnungszeit.

Dieser Artikel gehört zum Thema Kar- und Ostertage 2017

Das könnte Sie auch interessieren

© Fotolia

Vorstellungen des ewigen Lebens Was ist Auferstehung?

An Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu. Doch was ist das eigentlich genau? Drei Gläubige aus dem Erzbistum erzählen ihre Sichtweise.

15.04.2017

© KNA

Anstrengendes Programm für Franziskus Osterbotschaft vor Millionenpublikum

Zum Osterfest erwartet die Stadt Rom ein enormer Touristenansturm. Papst Franziskus hat in den Kar- und Ostertagen ein umfangreiches Programm zu absolvieren. Wir sagen Ihnen, was in den kommenden...

11.04.2017