200. Geburtstag von Bruder Konrad Heiliger des Alltags

25.04.2018

41 Jahre lang verrichtete der Kapuziner seinen Dienst an der Pforte des Altöttinger Sankt-Anna-Klosters. Dabei wandte er sich vor allem den Armen, Kindern und Handwerksburschen unter den Pilgern zu.

Die einzige Fotografie des Heiligen entstand auf seinem Totenbett 1894 © kapuziner.de

Bruder Konrads Seligsprechung wäre 1930 um ein Haar an seiner Gutherzigkeit gescheitert: Der Advocatus diaboli, der im Seligsprechungsverfahren sämtliche Tatsachen vorzubringen hat, die ein schlechtes Licht auf Charakter und Frömmigkeit des Kandidaten werfen könnten, hatte einen Vorfall aus Konrads Zeit als Klosterpförtner ausgegraben. An einem glutheißen Sonntag, so hatte irgendjemand zu Protokoll gegeben, habe der Bruder Pförtner einer erschöpften Magd zwei Krüge Bier gereicht. Wer aber eine Weibsperson berauscht mache, könne kaum ein Heiliger mit Vorbildcharakter sein! Der damalige Münchner Kardinal Michael von Faulhaber wies den Vorwurf grimmig zurück: Eine bayerische Magd werde nie und nimmer von zwei Krügen Bier betrunken.

Solche Geschichten bestimmen das Bild vom heiligen Bruder Konrad bis heute – 200 Jahre, nachdem er am 22. Dezember 1818 als Johann Birndorfer in Parzham bei Bad Griesbach geboren wurde. Der Altöttinger Kapuziner Georg Greimel erklärt: „Bruder Konrad gilt als der Heilige des Alltags. Er hat nichts Außergewöhnliches geleistet. Es ist sein Geheimnis, in seinem alltäglichen Dasein für andere, in seinem ständigen Gefordertsein nicht mürrisch und verbittert zu werden. Die Grundlage dafür war seine tiefe persönliche und vertraute Verbindung, die er von Kindesbeinen an zu seinem Herrgott aufgebaut hat. Bruder Konrad kann uns zeigen, dass Heiligkeit etwas Alltägliches sein kann, indem wir die einfachen und schwierigen Aufgaben des Alltags so gut und menschlich wie möglich erfüllen.“

Johann erblickte als neuntes Kind von Bartholomäus und Gertraud Birndorfer auf dem elterlichen Hof das Licht der Welt. Der Bub war offenbar sehr ruhig und zurückhaltend und widmete sich schon früh der Andacht. Auf dem Schulweg, der ungefähr eine halbe Stunde dauerte, soll er täglich den Rosenkranz gebetet und auch andere Kinder zum Mitbeten aufgefordert haben. In seiner Schlafkammer hatte er sich einen Hausaltar eingerichtet, an dem er nach Aussage der Geschwister manchmal die ganze Nacht hindurch im Gespräch mit Gott kniete. Auch bei der Arbeit soll er immer einen Rosenkranz in der Tasche gehabt haben, um jederzeit still beten zu können. Jeden Sonntag machte er sich als junger Mann auf den Weg, um zu Fuß eine rund zwanzig Kilometer lange Strecke zurückzulegen und zunächst die Frühmesse in Bad Griesbach und später den Hauptgottesdienst in der eigenen Pfarrkirche in Weng mitzufeiern.

Fast in jeder katholischen Kirche in Oberbayern trifft man eine derartige Statue von Bruder Konrad an © Greimel/Kapuziner

Johann war erst 14 Jahre alt, als seine Mutter starb, der Vater folgte ihr zwei Jahre später. Der Sohn, der schon immer in der Landwirtschaft mitgeholfen hatte, sollte damals den Hof übernehmen. Aber tief in seinem Inneren spürte er, dass Gott für ihn einen anderen Weg vorgesehen hatte. Ein besonderes Ereignis für den jungen Bauern war dann die Volksmission von Ering im Jahr 1838. Die dort erlebten religiösen Intensivtage prägten den fast 20-Jährigen nachhaltig. Bei einer Wallfahrt nach Aigen am Inn lernte er zwei Jahre später den Priester Franz Dullinger kennen, der ihn auf seiner Sinnsuche begleitete und inspirierte.

Für den jungen Bauernsohn war damals der Sonntag noch wirklich der Tag des Herrn. Der Kapuziner und Autor Niklaus Kuster schreibt dazu in seinem Anfang des Jahres erschienenen Buch „Konrad von Parzham“: „Du hast diese langen arbeitsfreien Zeiten am Sonntag nicht ausgefüllt mit Hobbys, mit allerlei Ablenkungen und Aktivitäten oder mit dauernder Kommunikation. Du hast den Mut gehabt, dich auszuklinken aus Arbeit und Familienleben, um deine Seele ein paar Stunden ganz frei atmen zu lassen.“

Im September 1849 trat Johann Birndorfer mit 31 Jahren auf Fürsprache von Benefiziat Dullinger bei den Kapuzinern in Altötting ein, auf sein bäuerliches Erbe verzichtete er. Nach dem Noviziat in Laufen an der Salzach legte er 1852 als Bruder Konrad sein Gelübde ab und wurde ins Kloster St. Anna in Altötting berufen, um dort die Aufgabe des Pförtners zu übernehmen. Diese war überaus verantwortungsvoll, denn das Wallfahrtskloster hatte die am meisten exponierte und besuchte Pforte der ganzen damaligen Ordensprovinz. Wallfahrer in großer Zahl klopften dort an und brachten allerlei Anliegen und Bitten vor. Die Armut war damals groß und oft läuteten Kinder und Erwachsene, um Brot zu bekommen. Sie gingen nie leer aus. Eine Geschichte ist überliefert: An einem Nachmittag, als der Vorrat an Speisen schon vergeben war, kam noch ein hungriger Bettler an die Pforte. Bruder Konrad holte ihm ein Schüsselchen Suppe. Der Bettler kostete davon und warf sie dann dem Pförtner vor die Füße mit den frechen Worten: „Die kannst du selber fressen.“ Konrad hob in aller Ruhe die Scherben auf und sagte mit unerschütterlicher Sanftmut: „Gell, du magst sie nicht, ich hole dir eine andere.“ Manchmal sparte er sich auch selber was vom Mund ab oder verzichtete auf gute Dinge, die auf den Tisch kamen, um damit den Armen eine Freude zu machen.

Der Tag des Pförtners war lang und anstrengend. Noch vor vier Uhr früh öffnete Konrad die Klosterkirche und richtete alles für die Frühmesse her, um fünf Uhr ministrierte er in der Gnadenkapelle und nach dem Frühstück war er ab sechs Uhr im Pfortenzimmer, wo er im Sommer bis 21 Uhr und im Winter bis 20 Uhr Dienst hatte. Die Glocke der Klosterpforte läutete aus den unterschiedlichsten Gründen: Wallfahrer wollten beichten oder Andachtsgegenstände von einem Pater segnen lassen. Leute baten in ihrer Not um eine Aussprache mit einem Priester, andere kamen mit Messanliegen, wieder andere suchten Auskunft betreffend Gottesdienste oder Herbergen im Wallfahrtsort.

Niemand, so heißt es, soll Bruder Konrad jemals murren, schimpfen, jemanden herabsetzen oder voreilig verurteilen gehört haben. „Alle unsere Mitbrüder sind sich darüber einig, dass unser Bruder Konrad immer das Himmlische gesucht hat, und sie bewunderten seine Demut, seinen Gebetsgeist, der ihm wie angeboren schien, seinen Eifer für Gottes Ehre und seine Beharrlichkeit in guten Werken“, heißt es auf einer der Tafeln in der Ausstellung „Bruder Konrad – sein Leben“, die noch bis Ende Dezember in der romanischen Eingangshalle der Altöttinger Stiftspfarrkirche zu sehen ist. In seinen letzten Lebensjahren fiel Bruder Konrad der Dienst zunehmend schwerer, er wollte sich aber nicht von der Arbeit zurückziehen. Am 18. April 1894 ministrierte er zum letzten Mal bei der Morgenmesse in der Gnadenkapelle und bat anschließend einen Mitbruder, für ihn die Pfortenvertretung zu übernehmen, da es ihm nicht wohl sei. Er sollte nicht mehr an die Pforte zurückkehren und schloss am 21. April für immer die Augen.

Der Selig- und Heiligsprechungsprozess für Bruder Konrad wurde dann in einzigartiger Schnelligkeit durchgeführt. Zwei Heilungswunder dienten schließlich als Beweis für Konrads Heiligkeit, darunter der Fall eines verkrüppelten Mädchens aus Wasserburg, das schlagartig gesundet sein soll, nachdem sein Vater den verstorbenen Konrad um Hilfe gebeten hatte. Somit stand der Seligsprechung am 15. Juni 1930 in der Peterskirche in Rom nichts mehr im Wege und noch im gleichen Jahr wurde seine Heiligsprechung eingeleitet. (Pia Mix/cf)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel

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