Gesprächsforum mit Weihbischof Stolberg Heimat in der Großstadt?

28.03.2019

Was ist für Sie Heimat? Mit der Frage wurde das Gesprächsforum mit Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg eröffnet.

Auf dem Podium wurde über Heimat in der Großstadt diskutiert.
Auf dem Podium wurde über Heimat in der Großstadt diskutiert. © Kiderle

München – „Die Sehnsucht nach Heimat erfüllt alle Menschen“, konstatierte Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg zu Beginn eines Gesprächsforums, zu dem das Erzbistum München und Freising in das Edith-Stein-Gymnasium eingeladen hatte. Unter dem Titel „Stadtgesellschaft gemeinsam gestalten – Der Beitrag der Kirche“ eröffnete Moderator Tilmann Kleinjung vom Bayerischen Rundfunk den Abend mit der Frage: „Was ist für Sie Heimat?“ Wie unterschiedlich Antworten dazu aussehen können, zeigte das Impuls-Referat von Andreas Schwarz, Professor für Politikwissenschaften an der Katholischen Stiftungshochschule München. Er verdeutlichte, dass es in der Großstadt vielfältige Parallelgesellschaften gibt, doch „den unterschiedlichen Milieus Raum zu geben, das ist ein großes Pfund, mit dem die Kirche wuchern könnte“.

Auf Initiative von Kardinal Reinhard Marx lädt das Erzbistum München und Freising zu einer Reihe von Gesprächsforen zum Thema „Heimat gemeinsam gestalten“ ein. Experten sowie Vertreter aus Kirche und Gesellschaft sprechen miteinander und tauschen sich mit den Gästen aus: Wie können die Bewohner eines Dorfes oder eines Stadtteils Gemeinsamkeiten entdecken und Unterschiede fruchtbar machen? Wie lässt sich die gemeinsame Lebenswelt gestalten? Welchen Beitrag kann Kirche dazu leisten? Die ersten Gesprächsforen haben bereits stattgefunden. Die nächsten Termine sind am Freitag, 29. März, in der Kaffeerösterei Dinzler in Irschenberg sowie am Dienstag, 9. April, im Veranstaltungsforum Fürstenfeld in Fürstenfeldbruck statt.

Der Begriff „Heimat“, so Weihbischof Stolberg, sei in der NS-Zeit missbraucht worden, aber „jetzt taucht er wieder auf und treibt die Menschen um“. Wie grundverschieden sich die Situation in der Großstadt im Vergleich zum Land darstellt erläuterte Bettina Spahn, Leiterin der Katholischen Bahnhofsmission. Die 140 Ehrenamtlichen, die sich dort engagieren, seien zwischen 14 und 70 Jahre alt und ein Abbild der Münchner Gesellschaft. Aber das Klima habe sich durch die Situation auf dem angespannten Wohnungsmarkt und durch die Zuwanderung stark verändert. Etwa 60 Prozent der Besucher hätten Migrationshintergrund und zunehmend kämen Deutsche, die in prekären Situationen leben. „Bei uns erfahren die Menschen: Ich bin willkommen, so wie ich bin; ich werde verstanden und ich kann auch wieder gehen.“

Dass in München Menschen Angst haben, ihre Heimat zu verlieren, konstatierte auch die Dritte Bürgermeisterin Christine Strobl, „und zugleich kommen viele, die Heimat finden müssen, wollen, sollen…“ Insgesamt haben in München 42 Prozent der Bevölkerung einen Migrationshintergrund, so Strobl. Sie warb dafür, als Neu-Zugezogene nicht im Anspruchsdenken zu verharren – etwa auf einen Kindergartenplatz, sondern sich für das Gemeinwohl zu engagieren, beispielsweise im Verein oder in der Kirche, denn „Heimat ist da, wo Menschen sich für etwas einsetzen“.

Räume des Austausches

Dass auch die Kirche die Verpflichtung habe, das Gemeinwesen zu unterstützen, erläuterte Hiltrud Schönheit, Vorsitzende des Katholikenrates der Region München: „Wir müssen Räume des Austausches schaffen auf der Grundlage des Evangeliums.“ Dazu sollten sich Pfarreien in die Gesellschaft hinein öffnen und etwa der Jugend Räume zur Verfügung stellen – und zwar nicht nur für Gleichgesinnte, schlug Professor Schwarz vor. Um Zukunft zu gestalten, müssen allerdings alte Strukturen aufgebrochen werden, denn „diejenigen, die versuchen, eine Entwicklung aufzuhalten, werden überrollt“, so Weihbischof Stolberg. Aus den Erfahrungen in der Bahnhofsmission warnte jedoch Bettina Spahn: „Es genügt nicht, Räume zur Verfügung zu stellen. Wir brauchen auch Beziehungen, die neu geknüpft werden müssen.“ (Annette Krauß)


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