Ehemaliger CDU-Generalsekretär ist tot Heiner Geißler im Alter von 87 Jahren gestorben

12.09.2017

Der Politiker hat an der Hochschule der Jesuiten in München studiert. Als Katholik hat er sich auch immer wieder mit religiösen Themen und der Frage eines Lebens nach dem Tod auseinandergesetzt.

Heiner Geißler im Alter von 87 Jahren verstorben.
Heiner Geißler wurde 87 Jahre alt. © imago

Gleisweiler – Heiner Geißler, langjähriger Generalsekretär der CDU, Stuttgart-21-Schlichter und Attac-Unterstützer, ist am Dienstagmorgen im Alter von 87 Jahren im pfälzischen Gleisweiler gestorben. Eine entsprechende Meldung der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte sein Sohn Dominik der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sein Vater sei nach schwerer Krankheit zu Hause im Kreis der Familie gestorben.

Während Geißler in seiner Zeit als Generalsekretär und als Minister unter Helmut Kohl (CDU) politischer Lieblingsgegner der Opposition war, wandelte er sich im Alter und bezog zunehmend linke Positionen. Das Abitur hatte der in Oberndorf am Neckar geborene Katholik am Jesuiten-Kolleg Sankt Blasien im Schwarzwald abgelegt. Anschließend trat er dem Jesuitenorden für vier Jahre bei. Geißler studierte Philosophie an der von Jesuiten betriebenen Hochschule für Philosophie in München und anschließend Rechtswissenschaften in München und Tübingen. In der CDU war Geißler zunächst Landesvorsitzender der Jungen Union in Baden-Württemberg und saß dann von 1965 bis 1967 erstmals im Bundestag. 1967 wurde er Sozialminister in Rheinland-Pfalz und zu Beginn der Regierung Kohl 1982 für drei Jahre Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit. Dem Bundestag gehörte er erneut von 1980 bis 2002 an.

Mahner und Schlichter

Prägekraft als Vordenker und Modernisierer der Union entwickelte Geißler als Generalsekretär zwischen 1977 und 1989. Unterschiedliche Auffassungen über die Rolle der Partei führten seit Mitte der 1980er Jahre zu Konflikten und schließlich zum Bruch mit dem Kanzler und Parteivorsitzenden Kohl. 1989 musste Geißler als Generalsekretär zurücktreten. Auch nach seiner parteipolitischen Laufbahn blieb Geißler ein Mahner, der die CDU wiederholt vor "Kleingeisterei" warnte. Wirtschaftspolitisch entfernte er sich zunehmend von seiner Partei und trat auch der globalisierungskritischen Vereinigung Attac bei. Zudem schlichtete er bei Tarifkonflikten und auch im Streit um das Bahnprojekt Stuttgart 21. Sein Schlichterspruch ebnete den Weg zur Umsetzung des Bahnprojekts, bezog aber viele Anregungen der Kritiker ein. In der Debatte um den US-amerikanischen Whistleblower Edward Snowden plädierte Geißler dafür, "ihm zu helfen" und Asyl anzubieten.

Mehr Zweifler als Glaubender

2017 veröffentlichte Geißler ein Buch, in dem er sich mit religiösen Themen und der Frage eines Lebens nach dem Tod auseinandersetzte. Dabei verlange er von den Kirchen, "ehrlich zu sein und zu sagen: Wir wissen nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, aber wir hoffen darauf, und wer nicht an Gott glauben kann, ist kein Sünder". Nach eigenem Bekunden war Geißler im Alter mehr ein Zweifler als ein Glaubender. Ob Gott existiere, so Geißler, wisse kein Mensch, "das weiß auch der Papst nicht". Zugleich betonte er: "Ich glaube an das Evangelium und an Jesus." Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) würdigte den Verstorbenen. "Bei Heiner Geißler war Christliches und Politisches untrennbar verbunden", erklärte ZdK-Präsident Thomas Sternberg. "Ein bis zuletzt streitbarer und an seinem Glauben letztlich verzweifelnder Geist kommt nun hoffentlich endlich zur Ruhe." (KNA)

"Kann man noch Christ sein, wenn man an Gott zweifeln muss?" - so lautet der Titel des zuletzt von Heiner Geißler veröffentlichten Buches. In der Münchner Kirchenzeitung (13/2017) haben „Stimmen der Zeit“-Chefredakteur Andreas R. Batlogg und der Regens des Münchner Priesterseminars Wolfgang Lehner die von Geißler aufgeworfene Frage beantwortet.


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